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Trump sagt Treffen mit Kim ab Lieber kein Gipfel als ein schlechter

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Ein schlechter Nordkorea-Gipfel zwischen Trump und Kim hätte womöglich alles nur noch schlimmer gemacht.

(Foto: AP)

Nun also doch nicht - US-Präsident Donald Trump sagt das Treffen mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un ab. Das könnte eine gute Nachricht für die Welt sein.

Seine Fans forderten schon den Nobelpreis für Donald Trump, doch daraus wird vorerst nichts. Der US-Präsident kann sich nicht als großer Friedensstifter darstellen, er hat das Treffen mit Nordkoreas Diktator Kim Jong Un abgesagt. In einem offenbar selbst diktierten Brief schreibt er, warum: "Traurigerweise denke ich, dass es aufgrund der riesigen Wut und der offenen Feindschaft in Ihren letzten Äußerungen derzeit unangemessen ist, das seit langem geplante Treffen abzuhalten."

Der Flirt des US-Präsidenten mit dem Diktator aus dem Schurkenstaat ist damit erst einmal vorbei. Manche sagen, Trumps Brief höre sich an, als ob jemand mit einer Geliebten Schluss mache und sie gleichzeitig weiterhin umwerbe. Doch solche Stilkritik lenkt bloß vom Kern ab. Die Gemengelage zwischen den beiden Staaten ist so kompliziert, dass die Probleme auch bei einem persönlichen Treffen nicht mal so eben aus der Welt zu schaffen gewesen wären. Ein schneller Erfolg, wie Trump ihn liebt, war kaum zu erwarten.

Und was wäre gewesen, wenn die beiden im Streit auseinander gegangen wären? Dann wäre die Tür zu gewesen. Es hätte Monate oder gar Jahre gedauert, bis man wieder ins Gespräch gekommen wäre. Womöglich hätte es sogar zu einer Eskalation kommen können. Vielleicht sogar zum Krieg? Das mag man sich kaum vorstellen. Trump und Kim haben sich aber nun einmal nicht wegen ihrer Besonnenheit einen Namen gemacht. Insofern ist es eine gute Nachricht, dass dieser Gipfel nicht stattfindet.

Trump folgt seiner Linie

War es also falsch, dem Treffen überhaupt zuzustimmen? Sicherlich hätte man im Vorfeld ahnen können, dass eine Lösung kaum so kurzfristig möglich sein würde. Blickt Trump auf seine Strategie zurück, kann er vermutlich keinen Fehler erkennen. Er würde wahrscheinlich sagen, dass er mit seiner Zusage zum Treffen guten Willen gezeigt hat. Tatsächlich kam weltweit Hoffnung auf eine Lösung des Konflikts auf. Trump schrieb schon in seinem Buch "The Art of the Deal", dass ein Verhandler immer bereit sein müsse, vom Tisch aufzustehen und diesen zu verlassen. Genau das macht er nun. Das ist aber nicht das Ende des Dialogs, wie Trump ebenfalls in seinem Brief deutlich machte.

Er lässt darin ausdrücklich seine Bereitschaft erkennen, weiter im Gespräch zu bleiben. "Ich freue mich sehr darauf, Sie eines Tages zu treffen", schreibt er dort. Er fordert ihn auch auf, ihm zu schreiben oder anzurufen. Um im Bild zu bleiben, Trump ist vom Tisch aufgestanden, hat Kim den Rücken zugedreht, die Arme verschränkt und möchte nun offenbar, dass dieser ihm freundlich auf die Schulter tippt und ein neues Angebot unterbreitet. Was sonst passieren könnte, deutet er im Brief an. Er bete zu Gott, schreibt Trump, dass er niemals das gewaltige Atomwaffenarsenal der USA einsetzen müsse – im Vergleich mit seinen Drohungen, Nordkorea in Schutt und Asche zu legen, ist das geradezu diplomatisch.

Es besteht noch Hoffnung auf eine Lösung, da eine Annäherung zwischen den Vereinigten Staaten und Nordkorea möglich sein müsste. Die Interessenlage begünstigt einen Deal: Nordkorea will die Sicherheit haben, dass die Amerikaner sie in Ruhe lassen und keinen Regime-Wechsel anstreben. Bislang sind die Atomwaffen die Lebensversicherung der Kim-Clique. Solange der Diktator den roten Nuklear-Knopf hat, darf er sich einigermaßen sicher fühlen. Würde es ihm aber gelingen, die Sanktionen gegen sein Land zu lockern, wäre das ein regimestabilisierender Erfolg. Die USA wiederum fühlen sich spätestens von diesen Atomwaffen bedroht, seit sie das US-Festland erreichen können. Sie wollen, dass Kim die nuklearen Sprengköpfe einstampft, sie komplett aufgibt. Dafür waren sie bereit, ihm seine Sicherheit zu garantieren, wie Trump gesagt hatte.

Beispiel Gaddafi kontraproduktiv?

Es mangelt aber an Vertrauen auf beiden Seiten. Denn was sind Kims Zusagen wert? Ist er berechenbar? Bislang gab er eher den schrillen Clown, der mit einem Weltkrieg drohte. Und Trump? Durch seine Sprunghaftigkeit ist sein Vertrauensvorschuss gering. Dass sein Sicherheitsberater John Bolton ausgerechnet Libyen als Modell für Nordkorea genannt hatte, dürfte dort nicht gut angekommen sein. Der dortige Diktator Muammar al-Gaddafi hatte 2003 sein Atom- und Chemiewaffenprogramm eingestellt. Nur acht Jahre später bombardierte eine internationale Koalition das Land, Gaddafi wurde getötet.

Auch der Rückzug aus dem Iran-Atomabkommen dürfte Trump international Vertrauen gekostet haben. Zumal es um eine ähnliche Situation ging. Der Vertrag soll verhindern, dass Teheran Atomwaffen baut, im Gegenzug wurden Sanktionen aufgehoben. Das Beispiel Iran zeigt außerdem, dass jahrelange Verhandlungen notwendig sind, um so einen Deal auf die Beine zu stellen. Also nichts, was Trump und Kim mal eben bei einer Tasse Tee ausbaldowern könnten.

Trump muss noch beweisen, dass er mit seiner Hauruck-Strategie erfolgreich sein kann. Ausgeschlossen ist das nicht. Stand jetzt ist er damit aber gescheitert.

Quelle: n-tv.de

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