Politik

Kritik an Berlins Ringtausch Liefert Griechenland der Ukraine deutsche Uralt-Panzer?

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Der BMP-1 ist ein schwimmfähiger Schützenpanzer aus sowjetischer Entwicklung.

(Foto: imago images/Oleksandr Rupeta)

Für die Lieferung sowjetischer Schützenpanzer an Kiew soll Athen deutsche "Marder" erhalten. Einem Bericht zufolge waren die deutschen Fahrzeuge eigentlich für einen direkten Export in die Ukraine im Gespräch. Den Kampfwert der griechischen Militärfahrzeuge schätzt ein Experte als viel geringer ein.

Bundeskanzler Olaf Scholz verkündete am Dienstag einen Panzer-Ringtausch mit Griechenland zugunsten der Ukraine. Dabei will Berlin 50 ausgemusterte "Marder"-Schützenpanzer an Athen übergeben. Die Griechen sollen dafür Schützenpanzer sowjetischer Bauart nach Kiew liefern.

Doch der Ringtausch stößt in Expertenkreisen auf Kritik. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, handelt es sich bei den "Marder"-Schützenpanzern um jene, für die der Rüstungskonzern Rheinmetall am 22. April einen Ukraine-Exportantrag beim Bundessicherheitsrat gestellt hatte. Damit seien "die Marder für die Ukraine endgültig vom Tisch", zitiert das Blatt einen Regierungsinsider. Kanzler Scholz wolle "die lästige Debatte um die Schützenpanzer endlich beenden". Darum würden nun alle noch funktionstüchtigen Marder aus Deutschland geschafft, damit für die Ukraine nicht mehr zur Verfügung zu stehen.

Statt des "Marders" soll Kiew nun etwa 100 Schützenpanzer vom Typ "BMP-1A1 Ost" aus alten DDR-Beständen erhalten, die in den 90er-Jahren an Griechenland verkauft wurden. Die Fahrzeuge sollen bei der griechischen Armee seit Jahren kaum im Einsatz sein. Der Kampfwert der Fahrzeuge "liegt weit unter dem Marder", sagt Militärexperte Gustav Gressel der "Bild"-Zeitung.

Der Wissenschaftler vom "European Council of Foreign Relations" nennt auch Schwachstellen. So sei der Innenraum "sehr eng" und die 73 Millimeter Kanone "sehr unpräzise" und daher "fast wertlos". Auf dem Papier sei das Fahrzeug ein Schützenpanzer, in der Realität ein gepanzertes Transportfahrzeug, so das Urteil von Gressel. Zudem stelle sich die Frage, in welchem Zustand die 50 bis 58 Jahre alten Fahrzeuge mittlerweile seien. "Wenn wir ehrlich sind, ist das Schrott", zitiert "Bild" einen Mitarbeiter Gressels.

Bulgarien soll Ringtausch angeboten haben

Zudem meldet die "Bild"-Zeitung, dass der jetzt erklärte Ringtausch bereits seit dem 28. Februar Thema im Kanzleramt gewesen sei - allerdings nicht mit Griechenland als Partner, sondern mit Bulgarien. Demnach bot die Regierung an, seine 90 im Dienst befindlichen BMP-1 in die Ukraine zu schicken, wenn Berlin im Gegenzug 90 "Marder" liefere. Doch die Bundesregierung soll den Deal verweigert haben.

"Ein Ringtausch ist nur sinnvoll, wenn es schnell gehen muss. Bulgarien hätte im März BMP-1, Rheinmetall im April die ersten 'Marder' an die Ukraine liefern können, ein paar mehr im Sommer und dann mehr Ende des Jahres", zitiert die "Bild"-Zeitung einen weiteren Insider. "Die Bundesregierung verspielt dagegen Zeit, das ist kein Zufall."

Entsprechend erbost zeigte sich der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, über den Deal zwischen Berlin und Athen. "Keiner kam auf die Idee, die Ukrainer zu fragen, ob wir das alte Zeug überhaupt brauchen", twitterte der Diplomat am Dienstagabend.

Quelle: ntv.de, jpe

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