Politik

Keine Rückkehr in die Heimat London will IS-Anhängerin Pass entziehen

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Shamima Begum: Der jungen Mutter könnte nun die britische Staatsbürgerschaft entzogen werden.

(Foto: REUTERS)

Eine ehemalige IS-Kämpferin möchte in ihre britische Heimat zurückkehren, um dort ihr Neugeborenes aufzuziehen. Die Regierung in London droht ihr jedoch mit dem Entzug der Staatsbürgerschaft. Der Schritt könnte zur Blaupause für viele ähnliche Fälle werden.

Großbritannien will einer jungen Britin, die sich den Kämpfern des "Islamischen Staats" in Syrien angeschlossen hatte und nun zurück nach Hause will, die Staatsbürgerschaft entziehen. Die Familie von Shamima Begum sei "sehr enttäuscht über die Absicht des Innenministeriums, eine entsprechende Anweisung zu erteilen", teilte der Anwalt der Familie, Tasnime Akunjee, mit. Die Familie werde alle rechtlichen Mittel in Erwägung ziehen, um die Entscheidung anzufechten.

Shamimas Mutter wurde dem Nachrichtensender ITV News zufolge am Dienstag in einem Schreiben des Innenministeriums über die Pläne informiert. Sie sei darauf hingewiesen worden, dass die junge Frau Widerspruch einlegen könne. Laut Medienberichten geht die Regierung in London davon aus, dass Shamima Begum Anspruch auf die Staatsbürgerschaft Bangladeschs hat, da ihre Familie ursprünglich von dort stammt.

"Um das Land zu schützen", habe das Innenministerium die Befugnis, jemandem die britische Staatsbürgerschaft abzusprechen, wenn die betreffende Person dadurch nicht in die Staatenlosigkeit entlassen werde, erklärten die britischen Behörden. Zu Einzelfällen, hieß es, werde sich das Ministerium aber nicht äußern.

Keinerlei Reue

Um Shamima Begum gibt es in Großbritannien seit Tagen eine heftige Debatte. Sie war vor vier Jahren in Großbritannien in die Schlagzeilen geraten, als sie als damals 15-Jährige mit zwei Freundinnen über die Türkei nach Syrien in die damalige IS-Hochburg Al-Rakka gereist war, um sich der IS-Miliz anzuschließen. Dort wurden die Mädchen Berichten zufolge mit ausländischen Kämpfern der Terrormiliz Islamischer Staat verheiratet.

Am Wochenende brachte sie in einem kurdischen Gefangenenlager im Nordosten Syriens ein Kind zur Welt. Dort hält sie sich nach wie vor auf. Sie appellierte in mehreren Interviews an die britischen Behörden, "Mitgefühl" zu zeigen und ihr zu erlauben, das Kind in Großbritannien aufzuziehen, damit es bessere Überlebenschancen hat. Zwei ihrer Babys, die sie in Syrien geboren hatte, seien bereits verstorben. Zugleich zeigte sie keinerlei Reue über ihre Entscheidung, sich dem IS angeschlossen zu haben. Auch liebe sie ihren Ehemann, bei dem es sich um einen aus den Niederlanden stammenden IS-Kämpfer handeln soll, noch immer.

In einem Interview mit der BBC verglich sie den Anschlag auf die Manchester-Arena mit Militärangriffen auf IS-Hochburgen. Der Anschlag sei eine "Vergeltungstat" gewesen. Am 22. Mai 2017 hatte sich in Manchester ein Brite mit libyschen Wurzeln nach einem Popkonzert der US-Sängerin Ariana Grande in die Luft gesprengt. Er riss 22 Menschen mit in den Tod, darunter sieben Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.

Internationale Debatte

In Großbritannien löste der Fall Shamima Begum eine Debatte über den Umgang mit Dschihad-Rückkehrern aus. In Nordsyrien sind mehrere Tausend ausländische IS-Kämpfer mit ihren Frauen und Kindern von den kurdischen Truppen festgenommen worden. Die IS-Anhänger stellen ihre Heimatländer vor ein Dilemma, da sie bei einer Rückkehr als unkalkulierbares Sicherheitsrisiko gelten, die Kurden sie langfristig aber nicht festhalten wollen oder können.

Auch in Deutschland wird derzeit diskutiert, wie mit der Rückkehr ehemaliger IS-Kämpfer umgegangen werden soll. Auslöser der Debatte ist unter anderem eine Äußerung von US-Präsident Donald Trump, der europäische Länder wie Deutschland, Frankreich oder Großbritannien aufforderte, über 800 in Syrien gefangene Kämpfer aufzunehmen und zu verurteilen. Es handelt sich bei den fraglichen Islamisten um Bürger der europäischen Staaten, die sich in den vergangenen Jahren dem IS angeschlossen hatten und dann im Zuge von Kämpfen gegen US-Truppen oder deren Verbündete gefangen wurden.

Der Forderung von US-Präsident Trump begegnen einige deutsche Politiker skeptisch, darunter Außenminister Heiko Maas und Bayers Innenminister Joachim Herrmann. Nach Recherchen der "Süddeutschen Zeitung" sowie der Sender NDR und WDR bereiten sich die deutschen Behörden zunächst auf eine Strafverfolgung der inhaftierten IS-Kämpfer vor. Es seien bereits 18 Haftbefehle erlassen worden, hieß es. Die Behörden gingen von 42 Islamisten aus, die in Syrien, im Irak und in der Türkei in Gewahrsam seien und entweder nur oder auch die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. 17 von ihnen seien bereits als Gefährder eingestuft. Hinzu kämen zahlreiche Kinder.

Quelle: n-tv.de, psa/dpa/AFP

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