Politik

Tausende Bombenopfer in Syrien Luftwaffe greift eigenes Volk an

Erschütternde Zahlen veröffentlicht Human Rights Watch. Die Menschenrechtsorganisation wirft dem syrischen Regime Luftterror gegen Zivilisten vor. So würden Krankenhäuser und Bäckereien angegriffen. Dabei seien auch Splitterbomben eingesetzt worden.

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Syrischer Regierungssoldat in einem Außenbezirk von Damaskus.

(Foto: dpa)

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW ) hat der syrischen Staatsführung vorgeworfen, durch Luftangriffe auf Zivilisten seit dem Juli 2012 den Tod von mehr als 4300 Menschen verursacht zu haben. Solche "systematischen" Angriffe auf die Zivilbevölkerung seien ein "Verbrechen gegen die Menschlichkeit", erklärte die Organisation bei der Vorlage ihres Berichts "Tod vom Himmel". Die syrische Luftwaffe habe beispielsweise Bäckereien und Krankenhäuser angegriffen.

Wer in dieser Weise die geltenden internationalen Vereinbarungen zum Kriegsrecht verletze, mache sich der "Kriegsverbrechen" schuldig, heißt es in dem HRW-Bericht, der am Sitz der Organisation in New York veröffentlicht wurde. Das Krankenhaus von Dar al-Schifa bei Aleppo sei bereits vier Mal aus der Luft angegriffen worden. Die syrische Luftwaffe habe auch Splitterbomben eingesetzt.

Begonnen hatte der Bürgerkrieg in Syrien im März 2011 mit einer Revolte gegen die Führung von Staatspräsident Baschar al-Assad. Die UNO teilte im Februar mit, dass seitdem mehr als 70.000 Menschen getötet worden seien. Die Zahl der Flüchtlinge wird inzwischen auf rund 1,3 Millionen veranschlagt.

Vorerst keine Untersuchungen

Die Verhandlungen zwischen Syrien und den Vereinten Nationen über die Untersuchung möglicher Chemiewaffen-Einsätze in dem vom Bürgerkrieg erschütterten Land sind nach Angaben von Diplomaten festgefahren. Das Regime in Damaskus beharre weiter darauf, dass die internationalen Inspektoren ausschließlich einen Vorfall in der Stadt Aleppo im März untersuchten, hieß es aus Diplomatenkreisen in New York. Seit Wochen gebe es Briefwechsel zwischen der UN-Führung und der syrischen Regierung, die aber nicht zu wesentlichen Fortschritten geführt hätten.

Das Assad-Regime beschuldigt die Rebellen für einen Chemiewaffen-Einsatz in Aleppo im März verantwortlich zu sein. Die Opposition ihrerseits macht Präsident Baschar al-Assad dafür verantwortlich. Im Zusammenhang mit zwei weiteren ähnlichen Vorfällen in Homs und nahe der Hauptstadt Damaskus will die syrische Regierung keine internationalen Experten einreisen lassen. Dies könne geprüft werden, sollte sich die Untersuchung in Aleppo als objektiv herausstellen, heißt es in einem Schreiben des syrischen Außenministers Walid al-Mualem an UN-Generalsekretär Ban Ki Moon vom 6. April.

Westliche Staaten beharren aber darauf, dass den Chemiewaffen-Experten freier Zugang zu allen drei mutmaßlichen Schauplätzen von Einsätzen mit C-Waffen gewährt werden müsse. Die USA hatten den Einsatz chemischer Waffen durch die Regierung gegen die Zivilbevölkerung in dem Bürgerkrieg als rote Linie für ein mögliches Eingreifen benannt. Beide Seiten in Syrien bestreiten, C-Waffen eingesetzt zu haben.

Quelle: n-tv.de, wne/AFP/rts