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Mittwoch, 15. Juni 2016

Fremdenfeindlich, jung, ostdeutsch: Menschenfeinde finden in AfD "neue Heimat"

Brennende Asylheime, Attacken auf Flüchtlinge, Hetze im Netz: Im Zuge der Flüchtlingskrise radikalisiert sich Deutschlands rechte Szene laut einer aktuellen Studie immer mehr - vor allem im Osten. Doch eine andere Entwicklung besorgt die Forscher noch mehr.

Deutschlands Rechtsextreme radikalisieren sich immer mehr - und sind deutlich häufiger bereit, ihre Interessen auch mit Gewalt durchzusetzen. Das legt die neueste "Mitte"-Studie der Universität Leipzig nahe, für die rund 2400 Deutsche aus Ost und West befragt wurden. Demnach ist die Zahl der Menschen mit rechtsextremer Gesinnung in den vergangenen zwei Jahren zwar kaum gestiegen, dafür werden fremdenfeindliche Einstellungen aber wesentlich häufiger offen ausgelebt. Vor allem die "Ablehnung von Muslimen, Sinti und Roma, Asylsuchenden und Homosexuellen hat noch einmal deutlich zugenommen", erklärte Studienleiter Elmar Brähler.

Elmar Brähler.
Elmar Brähler.

So hätte fast jeder zweite Befragte gesagt, Sinti und Roma sollten aus den Innenstädten verbannt werden. Ebenfalls die Hälfte der Befragten gab an, sich durch die vielen Muslime manchmal wie ein Fremder im eigenen Land zu fühlen. Vor zwei Jahren waren es noch 43 Prozent. Immerhin 40 Prozent der Befragten sagten, es sei ekelhaft, wenn sich Homosexuelle in der Öffentlichkeit küssten.

Sichtbar würde diese fremden- und menschenfeindliche Gesinnung etwa bei den Anhängern der Pegida-Bewegung, so Brähler. "Wer Pegida befürwortet, ist zumeist rechtsextrem und islamfeindlich eingestellt und sieht sich umgeben von verschwörerischen, dunklen Mächten." Dabei spielten Alter, Bildungsanschluss oder Haushaltseinkommen keine Rolle. Auch die Alternative für Deutschland (AfD) bündele Wählergruppen, die deutlich fremdenfeindliche Vorurteile hätten. Der Erhebung zufolge gaben 84,8 Prozent der AfD-Wähler beispielsweise an, Probleme zu haben, wenn sich Sinti und Roma in ihrer Nachbarschaft aufhalten; 89 Prozent meinten, Sinti und Roma neigten zur Kriminalität.

Ostdeutsche Jugend besonders fremdenfeindlich

Wer Pegida wählt, "sieht sich umgeben von verschwörerischen, dunklen Mächten", sagt Brähler.
Wer Pegida wählt, "sieht sich umgeben von verschwörerischen, dunklen Mächten", sagt Brähler.(Foto: imago/IPON)

"Wir haben es mit einer Wählerschaft zu tun, die rechtsextremen Ideologien anhängt und davon ausgeht, dass es Menschen unterschiedlicher Wertigkeit gibt", erklärte der Psychologe Oliver Decker, der die Studie zusammen mit Brähler durchgeführt hat, im ARD-Interview. In der AfD hätten nicht nur fremdenfeindliche Deutsche, sondern auch offen Rechtsextreme eine "neue politische Heimat" gefunden. "Die NPD als Partei war für viele Menschen, die zwar rechte Einstellungen teilen, aber kein geschlossen rassistisches Weltbild haben, nicht wählbar. Nun gibt es eine Partei, die auch für einen Gewerkschafter im Ruhrpott mit rechten Ansichten gut wählbar ist."

Die Annahme, dass der "hässliche Deutsche" vor allem in Ostdeutschland anzutreffen sei, widerlegt die Studie zumindest teilweise. Als ausländerfeindlich gelten demnach 22,7 Prozent der Ostdeutschen und 19,8 Prozent der Befragten in Westdeutschland. Mit Sorge beobachten die Forscher aber, dass immer mehr junge Ostdeutsche radikale Ansichten teilen. Unter den 14- bis 30-Jährigen seien im Osten knapp 24 Prozent fremdenfeindlich - im Westen seien es zehn Prozent weniger. "Das ist gefährlich, Einstellungen können latent sein oder manifest geäußert werden, aber sie bleiben über die Zeit stabil", so Brähler.

Hinzu komme, dass Aggressionen in Ostdeutschland "viel offener zutage" treten, erklärte Decker der ARD. "Das hat sicherlich auch mit autoritären Strukturen und Denkmustern zu tun, die in der DDR stärker verbreitet waren als in Westdeutschland. Autoritäre Ansichten sind oft die Grundlage eines rechtsextremen Weltbilds."

Quelle: n-tv.de