Politik

Treffen mit ErdoganMerkel: Über "alle wichtigen Fragen" reden

23.05.2016, 07:05 Uhr
Video poster

Die Kritik an der türkischen Innenpolitik kann Bundeskanzlerin Merkel zwar verstehen. Trotzdem hält sie am umstrittenen Flüchtlingspakt fest. Beim anstehenden Treffen dürfte das Erdogans Trumpf sein.

Kanzlerin Angela Merkel will mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan Wege aus dem Streit über den Flüchtlingspakt der EU mit der Türkei suchen. Zugleich dürfte sie bei dem Treffen in Istanbul den Beschluss des türkischen Parlaments ansprechen, gut einem Viertel der Abgeordneten die Immunität gegen strafrechtliche Verfolgung abzuerkennen. Merkel kündigte an, über "alle wichtigen Fragen" zu reden.

Über die innenpolitischen Entwicklungen in der Türkei äußerte sich die Kanzlerin in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" besorgt. Merkel machte aber deutlich, dass sie dennoch auf die Umsetzung des EU-Flüchtlingspaktes mit der Türkei baut.

Visafreiheit nicht mehr 2016

Die Kritik aus der EU an Erdogans zunehmend autoritärer Politik dauert indes an. Die Bundesregierung geht nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung nicht mehr davon aus, dass die Visafreiheit für die Türkei zum 1. Juli umgesetzt werden kann. Die Zeitung zitiert Regierungskreise, wonach Ankara die für die Visafreiheit nötigen Voraussetzungen nicht vor Jahresende erfüllen könne. Ein Grund seien die festgefahrenen Verhandlungen zwischen EU und Türkei über die Umsetzung der Bedingungen für die Visafreiheit.

"Wir erleben, dass die Türkei unter Erdogan auf dem Weg in einen Ein-Mann-Staat ist", sagte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz dem "Kölner Stadt-Anzeiger". "Die Bundeskanzlerin und die EU-Regierungschefs müssen dem türkischen Präsidenten ganz klar sagen, dass seine Politik nicht mit den europäischen Grundwerten vereinbar ist." CSU-Chef Horst Seehofer sagte im ARD-"Bericht aus Berlin" zur Entwicklung in der Türkei: "Da müsste die ganze Welt aufschreien."

Langes Treffen mit Menschenrechtlern

Nach ihrer Ankunft in Istanbul am Sonntagabend beriet sich Merkel ungewöhnlich lange mit Vertretern der türkischen Zivilgesellschaft, darunter Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Anwälte und Menschenrechtler. Bei dem Treffen sei es um die politische und gesellschaftliche Lage, die Kurden, die Entwicklung des Rechtsstaats sowie um die Kooperation in der Flüchtlingspolitik gegangen, hieß es aus Teilnehmerkreisen. Auch die EU-Beitrittsverhandlungen seien Thema gewesen. Das für 60 Minuten angesetzte Gespräch dauerte insgesamt gut zwei Stunden.

Anlass von Merkels Reise ist der erste UN-Nothilfegipfel in Istanbul an diesem Montag. Das Augenmerk liegt aber auf ihrem Treffen mit Erdogan am Nachmittag.

Quelle: ntv.de, nsc/dpa

EU-Türkei-DealDeutschlandBilaterale BeziehungenVisafreiheitFlüchtlingeAngela MerkelRecep Tayyip ErdoganTürkei