Kanzler geht Altkanzler anMerz ist "zutiefst empört" über Schröders Feierei mit Putin

Als Gerhard Schröder Moskau besucht, trifft er auf Wladimir Putin. Die beiden alten Freunde umarmen sich, machen gemeinsame Fotos und feiern den Geburtstag des russischen Präsidenten. Kanzler Merz empfindet das Gehabe seines Vorgängers als "geradezu unmoralisch".
Kanzler Friedrich Merz hat den Besuch von Altkanzler Gerhard Schröder bei Russlands Staatschef Wladimir Putin scharf kritisiert. Der Bundeskanzler sei "zutiefst empört" über das Treffen, sagte Vize-Regierungssprecher Steffen Meyer in Berlin. "Putin allein" sei für den Krieg in der Ukraine verantwortlich und seine Befehle sorgten täglich für "unermessliches Leid, für zivile Opfer, für Familien, die auseinandergerissen werden, für Tote und Verwundete".
Der Bundeskanzler empfinde es vor diesem Hintergrund "als geradezu unmoralisch", dass Schröder gemeinsam mit Putin feiere. Den Angaben der jeweiligen Ministerien zufolge waren im Vorfeld des Besuchs weder das Auswärtige Amt oder die deutsche Botschaft vor Ort noch das Bundesinnenministerium über den Besuch informiert.
Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Jürgen Hardt, stimmt mit der Kritik des Kanzlers überein. "Ich fand das ungeheuerlich, aber ich muss Ihnen leider auch sagen: Ich war nicht überrascht, nach allem, was wir von Schröder und Putin in der Vergangenheit gehört haben", sagt Hardt im Gespräch mit ntv. "Putin ist ein Kriegsverbrecher und ein Mörder. Sich mit ihm zu treffen und mit ihm Geburtstag zu feiern, das halte ich für eine Geschmacklosigkeit sondergleichen."
Hardt meint, in dem Treffen geopolitisches Kalkül der russischen Führung zu erkennen. Das Treffen sei eine "politische Instrumentalisierung von Schröder gegen Deutschland", sagt er. "Putin weiß genau: Er kann den Krieg gegen die Ukraine nicht gewinnen, wenn die Unterstützung des Westens so bleibt, wie sie ist. Deswegen versucht er, Deutschland in eine Rolle der Neutralität zu schieben - zum Beispiel mit dem Angebot, Schröder könnte Vermittler sein. Wenn aber ein Land vermittelt, kann es nicht mehr klar an der Seite der Ukraine stehen, sondern muss eine neutrale Position einnehmen."
SPD-Spitze ist entsetzt
Ähnlich äußerte sich der Koalitionspartner der Union. Dieser Besuch sei "völlig inakzeptabel", sagte SPD-Chef und Vizekanzler Lars Klingbeil der "Süddeutschen Zeitung". "Russland führt einen brutalen Angriffskrieg gegen die Ukraine und hat unermessliches Leid über die Menschen dort gebracht."
"Es macht mich fassungslos, dass Altbundeskanzler Gerhard Schröder fröhlich mit Kriegsverbrecher Wladimir Putin die Sektkorken knallen lässt, während Russland die Ukraine zeitgleich und unerbittlich mit Angriffen überzieht", sagte die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Siemtje Möller den Funke Medien. Mit seiner Reise zeige Schröder, wie weit er sich von den fundamentalen Prinzipien der Sozialdemokratie entfernt habe.
Zuvor hatte bereits die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Europaparlaments, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, den Besuch kritisiert. Die FDP-Politikerin bezeichnete Schröder als "Deutschlands frechsten Rentner". Sie fügte hinzu: "Zu krank für Untersuchungsausschüsse (ganz schlimmer Burnout), aber für gut dotierte Mandate in Russland und Geburtstagsparty zu Hause bei Kriegsverbrecher Putin reicht's dann doch noch. Eine Schande sondergleichen."
Schröders Parteikollege und Bundestagsabgeordnete Ralf Stegner verteidigte den Besuch des Altkanzlers in Moskau dagegen. "Zur Wahrheit gehört doch: Schröder ist einer der wenigen in Deutschland, die noch Zugang zu Putin haben", sagte Stegner bei t-online. "Als Sozialdemokrat wird er Putin sagen, dass er den Krieg beenden soll. Wenn sein Besuch nur einen Millimeter nützt, um einem Waffenstillstand in der Ukraine näherzukommen, kann ich daran nichts Falsches finden."
Putins alter Freund
Putin hatte Schröder am Mittwoch an seinem 74. Geburtstag bei sich zu Hause empfangen. Wie der Kreml mitteilte, erfuhr Putin aus den Medien, dass sich Schröder "geschäftlich in Moskau aufhielt" und lud "seinen alten Freund ein". Der Kreml veröffentlichte Fotos, auf denen die beiden Männer sich lächelnd die Hände schütteln.
Russische Medien hatten in der vergangenen Woche berichtet, dass der 82-jährige Schröder, der seit langem Verbindungen zu Putin pflegt, in den Aufsichtsrat von Hyperglobus berufen worden sei. Die russische Supermarktkette gehörte früher zum deutschen Globus-Konzern.