Politik

Neue Details aus Christchurch Moschee-Attentäter stieß auf Widerstand

Am Tag zwei nach dem grausamen Überfall auf zwei Moscheen in Christchurch tauchen neue Schilderungen zum Tathergang auf. Im Gespräch mit einem n-tv Reporter schildert ein Augenzeuge, wie verzweifelte Gegenwehr letztlich zur Festnahme des Attentäters führte.

Bei dem Anschlag im neuseeländischen Christchurch hat der mutige Einsatz eines Moscheebesuchers womöglich Schlimmeres verhindert. Wie der Augenzeuge Abdul Aziz zwei Tage nach dem Massaker im Gespräch mit n-tv Reporter Roland Hofmann berichtete, sei er beim Beten in der Moschee in Linwood durch Schüsse vor dem Gebetshaus auf den Attentäter aufmerksam geworden. Aus Sorge um seine Kinder habe er instinktiv gehandelt und den versammelten Gläubigen zugerufen, sie sollten sich ducken. In einer kurzen Feuerpause habe er dann gemeinsam mit seinem Glaubensbruder Alabi Lateef beschlossen, etwas gegen den Angreifer zu unternehmen.

Seinen Darstellungen zufolge schrien sie den Angreifer an und versuchten, ihm die Waffe zu entreißen. Der Attentäter, später identifiziert als Brenton Tarrant, sei dabei über den Körper eines Toten gestolpert und habe sich schließlich zu seinem Auto zurückgezogen, offenbar um eine weitere seiner dort deponierten Waffen zu holen. Dabei habe er ein leer geschossenes Sturmgewehr zurückgelassen, erklärte Aziz, ein in Afghanistan geborener Neuseeländer. Er und Lateef hätten dann die Waffe aufgehoben und damit die Heckscheibe von Tarrants Wagen eingeschlagen.

"Ich denke nicht, dass ich ein Held bin", sagte Aziz. "Wenn ich nicht dort gewesen wäre, hätte jemand anderes das gleiche getan." Mit ihrer mutigen Aktion verhinderten die Männer möglicherweise weitere Angriffe von Tarrant, denn wegen der zertrümmerten Heckscheibe fiel das Auto des Attentäters zwei Streifenpolizisten auf. Diese stoppten Tarrant und nahmen ihn fest.

Streifenpolizisten gelingt die Festnahme

Von der mutmaßlichen Festnahme gibt es ein Handy-Video: Auf unscharfen Bildern, die offenbar aus einem vorbeifahrenden Auto aufgenommen wurden, ist der silbergraue Wagen des Angreifers am Rand einer befahrenen Straße in Christchurch zu sehen. Ein Streifenwagen steckt verkeilt in der Fahrerseite. Durch den Rammstoß wurde das Auto des Verdächtigen gegen den Bordstein gedrückt. Eines der Vorderräder ragt in die Luft. Zu sehen ist auch, wie zwei Polizisten ihre Waffen auf die offene Beifahrertür richten. Später war zu sehen, wie sie eine schwarzgekleidete Gestalt von dem Fahrzeug wegschleppten.

Neuseelands Regierungschefin Jacinda Ardern lobte ausdrücklich den Mut der beiden Beamten, die den Attentäter von Christchurch 36 Minuten nach dem ersten Notruf festnehmen konnten. Ohne ihr Eingreifen hätte der 28-jährige Australier wahrscheinlich noch mehr als die 49 Besucher zweier Moscheen getötet, sagte Ardern am Samstag vor Journalisten. "Der Täter war bereits unterwegs, in seinem Auto wurden zwei weitere Waffen entdeckt, und er hatte eindeutig die Absicht, seinen Angriff fortzusetzen".

50 Menschen auf dem Gewissen

Der 28-jährige australische Rechtsextremist Brenton Tarrant hatte am Freitag in zwei Moscheen in Christchurch insgesamt 50 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt. Der erste der beiden Tatorte, die Al-Noor-Moschee, liegt mitten im Zentrum der 340.000-Einwohner-Stadt am Rand einer zentralen Parkanlage. Der zweite Tatort, die Gebetsräume eines kleineren "Islamischen Zentrums", befindet sich im weiter östlich gelegenen Stadtteil Linwood.

Tarrant filmte seine Tat und übertrug sie live im Internet. In den Aufnahmen ist mindestens ein Mensch zu erkennen, der sich in der Al-Noor-Moschee dem Angreifer entgegenstellte und von diesem niedergeschossen wurde. Augenzeuge Lateef zeigte sich mit Blick auf die Bluttat und die kaltblütige Grausamkeit des Täters erschüttert und "sehr traurig". Neuseeland sei "ein friedliches Land" und er habe "nie gedacht, dass so etwas in Neuseeland passieren könnte. Niemals."

Kleinkinder und Senioren erschossen

Die Todesopfer des Anschlags auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch waren laut einer vorläufigen Auflistung zwischen drei und 77 Jahre alt. Die Aufstellung, die unter Opferangehörigen kursiert, enthält die Namen von 44 Männern und vier Frauen. Zwei der insgesamt 50 Todesopfer sind demnach noch nicht sicher identifiziert. Die Behörden haben die Liste noch nicht offiziell bestätigt. Es gibt zahlreiche Verletzte. Zwei Menschen schweben offenbar noch immer in Lebensgefahr.

Premierministerin Jacinda Ardern bestätigte, dass eine solche Liste vorliegt, erklärte aber, es handele sich nicht um eine "formelle" Aufstellung. Eine Bestätigung sei erst nach Abschluss der Identifizierung der Todesopfer möglich, hieß es. Der Anschlag hat das liberale Neuseeland tief erschüttert und eine Welle der Solidarität mit der muslimischen Minderheit im Land ausgelöst.

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Quelle: n-tv.de, mmo/AFP

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