Politik
Wenn der Wähler an die Urne tritt, hat er womöglich einen von Russland beeinflussten Wahlkampf im Hinterkopf.
Wenn der Wähler an die Urne tritt, hat er womöglich einen von Russland beeinflussten Wahlkampf im Hinterkopf.(Foto: dpa)
Freitag, 07. Oktober 2016

Cyber-Attacken auf Wahlsoftware: Moskau soll US-Wahlen manipulieren

Die Spekulationen halten seit Wochen an: Versucht der Kreml die US-Präsidentschaftswahl zu beeinflussen? Ja, sagt der US-Geheimdienst in einem nun präsentierten Bericht. Die Vorwürfe Richtung Moskau wiegen schwer.

Die USA haben Russlands Regierung vorgeworfen, mit Hackerangriffen Einfluss auf den Präsidentschaftswahlkampf zu nehmen. Das Heimatschutzministerium und das Büro des nationalen Geheimdienstdirektors veröffentlichten eine entsprechende Erklärung. Man sei überzeugt, dass die russische Regierung hinter den Angriffen auf Computersysteme politischer Organisationen und Institutionen stehe.

Die Enthüllungsplattform Wikileaks hatte im August gehackte E-Mails von Mitgliedern und Mitarbeitern des Parteivorstandes der Demokraten veröffentlicht. Daraus ging hervor, dass das Führungsgremium im Vorwahlkampf stark zugunsten von Hillary Clinton und somit gegen ihren Rivalen Bernie Sanders voreingenommen war.

Die Enthüllungen führten zum Rücktritt von Parteichefin Debbie Wasserman Schultz. Später wurde bekannt, dass der Hackerangriff auf die Demokraten noch umfangreicher war. Schon damals verdächtigen Experten und Regierungskreise russische Hacker mit Verbindungen zu Regierungsorganisationen.

Die Enthüllungen durch Wikileaks und andere Webseiten stünden "im Einklang mit den Methoden und Motivationen Russlands", hieß es in der Erklärung wörtlich. "Diese Diebstähle und Enthüllungen zielen auf Einmischung in den US-Wahlprozess ab. Wir glauben auf der Basis des Ausmaßes (...) dieser Bestrebungen, dass nur Russlands ranghöchste Beamte diese Aktivitäten genehmigt haben könnten."

Auch Wahl-Software wurde gehackt

In der Erklärung heißt es weiter, in einigen US-Bundesstaaten seien die Programme der Wahlsysteme ausgespäht worden. Die Angriffe seien auf Server zurückverfolgt worden, die von einer russischen Firma betrieben werden. Diese Aktivitäten kann der US-Geheimdienst nach eigener Darstellung allerdings nicht mit Sicherheit der russischen Regierung zuordnen. 

Es sei zwar nach ihrer Einschätzung "extrem schwierig" für einen Hacker, auch einen Staat, Stimmenauszählungen oder Wahlresultate durch Cybereingriffe zu manipulieren, so das Ministerium und der Geheimdirektor weiter. Diese Einschätzung basiere darauf, dass Wahlsystem in den USA dezentralisiert sei und es in Staaten sowie Kommunen eine Reihe von Schutzmaßnahmen gebe. Dennoch seien Wahlbeamte auf beiden Ebenen weiterhin dazu aufgerufen, wachsam zu sein. Bereits Ende August war über Hacker-Angriffe auf US-Wählerverzeichnisse berichtet worden.

Wie reagiert Washington?

Russland stand schon in den vergangenen Monaten im Verdacht, hinter dem Cyberangriff auf die Parteizentrale der Demokraten zu stecken. Doch ist es nun das erste Mal, dass die US-Regierung diesen Vorwurf offiziell erhebt.

Damit werden die ohnehin schon schwer angespannten Beziehungen beider Länder weiter belastet. Zu Beginn der Woche hatten die USA die Syrien-Gespräche mit Russland wegen der fortgesetzten heftigen Angriffe auf Aleppo abgebrochen. Die Streitkräfte des syrischen Machthabers Baschar al-Assad werden bei ihrer Offensive massiv von russischen Luftverbänden unterstützt.

Ob die USA auf die Cyberattacken mit Gegenmaßnahmen reagieren würden, blieb zunächst unklar. US-Regierungsvertreter hatten in der Vergangenheit gewarnt, dass Hackerangrife auf US-Institutionen eine entsprechende Antwort auslösen würden, entweder in Form diplomatischer oder wirtschaftlicher Sanktionen oder von Cyber-Gegenattacken.

Quelle: n-tv.de