SPD nach 42 Jahren abgewählt München bekommt erstmals grünen OB - Amtsinhaber Reiter räumt Niederlage ein

Die Oberbürgermeisterwahl in München ist jahrzehntelang eine klare Angelegenheit. Doch jetzt steht Amtsinhaber Dieter Reiter von der SPD vor der Abwahl. Sein Nachfolger sollte ein Grüner werden - ein Novum für die bayerische Hauptstadt. Auch Augsburg steht vor einem Überraschungsergebnis.
Münchens SPD-Oberbürgermeister Dieter Reiter hat im Rennen um die Rathausspitze seine Niederlage eingestanden und dem Grünen-Bewerber Dominik Krause gratuliert. Es sei der letzte Tag seiner politischen Karriere, sagte Reiter angesichts eines deutlichen Vorsprungs von Krause bei der laufenden Auszählung der Stichwahl. Nach Auszählung von mehr als zwei Dritteln der Stimmen in der bayerischen Landeshauptstadt lag Krause mit gut 58 Prozent deutlich vor Reiter. Der Amtsinhaber kam auf gut 41 Prozent.
Bei der Wahlparty der Grünen brandete Jubel auf, als die erste Tendenz bekannt wurde. Reiter sagte dagegen: "Ich hab's verbockt." Das Wahlergebnis sei seine Schuld, betonte er. "Es war mir eine Ehre, hier in dieser Stadt Oberbürgermeister sein zu dürfen." Er kündigte das Ende seiner politischen Laufbahn an: "Das war's von mir."
Sollte Krause die Wahl tatsächlich gewinnen, hätte die bayerische Landeshauptstadt zum ersten Mal in ihrer Geschichte einen grünen Oberbürgermeister. Das Wahlergebnis wird absehbar ein historischer Einschnitt für die SPD. Seit 1948 war fast immer ein Sozialdemokrat Münchner Oberbürgermeister - mit Ausnahme der Jahre 1978 bis 1984, als CSU-Mann Erich Kiesl den Posten innehatte.
Die Wahl war so spannend wie seit Jahrzehnten nicht mehr in München. Lange galt Reiter als unangefochtener Favorit. Doch dann wurde bekannt, dass er schon seit Jahren Geld vom FC Bayern München für einen Posten in dessen Verwaltungsbeirat bekommen hatte und sich dies nicht - wie er es hätte tun müssen - vom Stadtrat genehmigen ließ. Vor allem wegen seines Umgangs damit stand Reiter massiv in der Kritik.
Nach großem öffentlichem Druck räumte er Fehler ein und trat vom Posten des Verwaltungsbeirates und auch von dem des Aufsichtsrates, den er gerade erst übernommen hatte, zurück. Im ersten Wahlgang am 8. März hatte er zwar mit 35,6 Prozent vor Krause mit 29,5 Prozent gelegen. Im Vergleich zu 2020 war das aber ein Minus von mehr als zwölf Prozentpunkten für Reiter. Und dass Reiter überhaupt noch vor Krause gelegen hatte, war vor allem auf die Briefwähler zurückzuführen, von denen ein Großteil noch vor Bekanntwerden der Affäre abgestimmt hatte. Nach den nur am Wahltag selbst abgegebenen Stimmen lag Krause vor Reiter.
Nach 12 Jahren im Amt muss der 67 Jahre alte Reiter, der einen komplett auf ihn zugeschnittenen Wahlkampf mit dem Slogan "München. Reiter. Passt" geführt hatte, sich nun wohl dem 35 Jahre alten Krause geschlagen geben. Der Grünen-Kandidat hatte deutlich mehr auf Inhalte wie den Kampf gegen Wohnungsnot und hohe Mieten gesetzt und für frischen Wind im Münchner Rathaus geworben.
Auch Augsburg vor Machtwechsel
Insgesamt finden in 29 Landkreisen und in mehr als 250 Städten und Gemeinden Bayerns Stichwahlen um Landrats-, Oberbürgermeister- und Bürgermeister-Posten statt. In Nürnberg kommt es zur Stichwahl zwischen Amtsinhaber Marcus König von der CSU und dem SPD-Herausforderer Nasser Ahmed - mit deutlich besseren Chancen für König.
In Augsburg könnte Oberbürgermeisterin Eva Weber von der CSU ihren Posten verlieren. Nach Auszählung von 248 von 254 Gebieten lag SPD-Bewerber Florian Freund mit rund 57 zu 43 Prozent vorne. Im ersten Wahlgang vor zwei Wochen lag Weber noch deutlich vorn und holte im Feld der zehn OB-Kandidatinnen und -Kandidaten 34 Prozent, während Freund mit 19,9 Prozent weit dahinter lag. Weber ist seit 2020 Oberbürgermeisterin. Die Christsozialen stellen den Rathauschef seit 2008, davor gab es einen SPD-OB.