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Dienstag, 19. April 2016

Fünf Festnahmen in Freital: Mutmaßliche rechte Terrorzelle enttarnt

Im sächsischen Freital geht die Polizei mit Spezialeinheiten gegen fünf mutmaßliche Rechtsextremisten vor. Zusammen mit anderen sollen sie eine Terrorgruppe gegründet haben. Ihnen werden Anschläge auf Flüchtlinge und Linke zur Last gelegt.

Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt haben fünf mutmaßliche Rechtsterroristen im sächsischen Freital festnehmen lassen. Es handelt sich nach Angaben der Bundesanwaltschaft um vier Männer im Alter von 18 bis 39 Jahren und eine 27-jährige Frau. Sie stehen im Verdacht, zusammen mit weiteren Personen die rechtsterroristische "Gruppe Freital" gegründet und Asylbewerberheime sowie Wohnprojekte politischer Gegner angegriffen zu haben.

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Spezialeinheiten der Bundespolizei, die Antiterroreinheit GSG9, durchsuchten mehrere Wohnungen und andere Räumlichkeiten in Sachsen. Vier Beschuldigte werden des versuchten Mordes und der gefährlichen Körperverletzung verdächtigt. Außerdem sollen sie für zwei Explosionen und Sachbeschädigungen verantwortlich sein. Dem fünften Verdächtigen werfen die Behörden unter anderem versuchte gefährliche Körperverletzung vor. Drei weitere Verdächtige, darunter die mutmaßlichen Rädelsführer Timo S. und Patrick F., befinden sich bereits in Untersuchungshaft.

Den Ermittlungen zufolge war es das Ziel der "Gruppe Freital", Sprengstoffanschläge auf Asylbewerberunterkünfte und Wohnprojekte von politisch Andersdenkenden zu verüben. Dazu sollen sich die Mitglieder eine große Menge pyrotechnischer Sprengkörper aus Tschechien beschafft haben. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe sollen Mitglieder der Gruppe drei Sprengstoffanschläge begangen haben.

Nach Einschätzung von Bundesinnenminister Thomas de Maizière wurden durch die Festnahmen weitere mögliche Attacken verhindert. "Mit den heutigen Maßnahmen ist den Sicherheitsbehörden ein entscheidender Schlag gegen eine regionale rechtsterroristische Struktur gelungen", sagte er in Berlin. Durch den Zugriff seien weitere mögliche Anschläge der Gruppe gegen Asylunterkünfte und politische Gegner verhindert worden.

Angriffe auf Flüchtlinge und Andersdenkende

Bei den Festgenommenen handelt es sich um Justin S., Rico K., Maria K., Sebastian W., und Maik S. Neben den mutmaßlichen Rädelsführern Timo S. sowie Patrick F. sitzt ein dritter Beschuldigter namens Philipp W. schon seit einiger Zeit in Untersuchungshaft sitzen.

In der Nacht zum ersten November explodierten mehrere Sprengsätze an dieser Unterkunft.
In der Nacht zum ersten November explodierten mehrere Sprengsätze an dieser Unterkunft.(Foto: dpa)

Den acht Beschuldigten werden insgesamt drei Taten zur Last gelegt: Patrick F. soll in der Nacht zum 20. September einen Feuerwerkskörper an einem Fenster einer Flüchtlingsunterkunft angebracht und angezündet haben. Dass niemand von umherfliegenden Glassplittern verletzt wurde, sei Zufall gewesen.

Rund einen Monat später soll Patrick F. zusammen mit Mike S., Timo S., Justin S., Rico K. und Maria K. das alternative Wohnprojekt "Mangelwirtschaft" in Dresden attackiert haben. Dabei hätten die Angreifer Steine und Feuerwerk gezielt auf erleuchtete Fenster geworfen.

In der Nacht zum 1. November habe die Gruppe drei Spengsätze an einer weiteren Flüchtlingsunterkunft in freital angebracht und angezündet. Einer der Bewohner sei durch Schnittwunden leicht verletzt worden. Die übrigen Bewohner hätten sich rechtzeitig in Sicherheit gebracht.Die Ermittler prüfen zudem, ob der Gruppe weitere Anschläge zuzurechnen sind.

Ermittlungen gegen weitere Gruppierung

Erst vor wenigen Tagen hatte die Bundesanwaltschaft in Freital gegen Mitglieder einer rechtsextremen Bürgerwehr Ermittlungen wegen Terrorverdachts aufgenommen. Sie würden verdächtigt, eine terroristische Vereinigung gebildet zu haben, bestätigte eine Sprecherin. Es geht demnach um die "Bürgerwehr FTL/360". Ermittelt wird gegen fünf Männer und eine Frau. Sie sollen Flüchtlingsunterkünfte sowie Unterstützer von Asylbewerbern angegriffen haben.

Neben den Angriffen auf Asylunterkünfte und das alternative Wohnprojekt werden ihnen auch Angriffe auf ein Parteibüro der Linken sowie ein Sprengstoffanschlag auf das Auto eines Freitaler Stadtrats vorgeworfen.

Im vergangenen Sommer hatten in Freital wochenlang Fremdenfeinde vor einem Flüchtlingsheim in einem ehemaligen Hotel demonstriert. Immer wieder kam es zu Angriffen und Anschlägen auf Asylbewerber und ihre Unterstützer. Anfang November und zuletzt im März waren bei zahlreichen Razzien in Wohnungen in Freital und Dresden Sprengmittel und Nazi-Devotionalien gefunden worden. Auch Computer wurden sichergestellt.

Quelle: n-tv.de