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80 Prozent der Bars weiter verqualmt "Nichtraucherschutz gescheitert"

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(Foto: dpa)

Erstmals wertet eine Studie den Erfolg der Nichtraucherschutz-Gesetze aus. Ihr Fazit ist verheerend, in vier von fünf Kneipen wird unverändert gequalmt. "Wer abends ein Bier trinken will, muss vielerorts lange suchen, wenn er nicht zum Passivrauchen gezwungen werden will", so die Forscher. Spitzenreiter im Qualmen ist Düsseldorf, besonders rauchfrei München.

Mehr als 80 Prozent der Kneipen und Bars in Deutschland sind trotz der Nichtraucherschutzgesetze nach wie vor verqualmt. Und im Gros der Fälle wird gegen Vorgaben verstoßen. Das geht aus einer großen Evaluationsstudie des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) hervor. Fast 3000 Gastronomiebetriebe in den Innenstädten von Düsseldorf, Hannover, Kiel, Mainz, Magdeburg, Schwerin, Stuttgart und Wiesbaden sowie in Berlin und München suchten die Forscher dazu auf. Sie sprachen von von einem "alarmierenden Ergebnis". Es ist die erste Studie dieser Art in Deutschland.

"In der getränkegeprägten Gastronomie sind auch heute noch vier von fünf Betrieben verraucht", lautet das Fazit der Forscher nach dem Besuch von insgesamt 2939 gastronomischen Betrieben. "Die meisten Landesgesetze zum Nichtraucherschutz dürfen als gescheitert angesehen werden", folgerte Martina Pötschke-Langer, Leiterin der Krebsprävention des DKFZ sowie des WHO-Zentrums für Tabakkontrolle. Durch die unterschiedlichen Landesgesetze und die Vielzahl von Ausnahmeregelungen sei der Nichtraucherschutz schwer umzusetzen und zu kontrollieren.

Biertrinker bleiben Passivraucher

Auch in 90 Prozent der Spielhallen wird demnach weiterhin geraucht. In den Speisegaststätten sieht es zwar besser aus - hier darf nur noch in manchen Ländern und mit Ausnahmeregelung geraucht werden. Doch: "Acht Prozent aller untersuchten Restaurants waren faktisch Rauchergaststätten", berichteten die Forscher. Ihr Fazit: "Wer abends ein Bier trinken will, muss vielerorts lange suchen, wenn er nicht zum Passivrauchen gezwungen werden will." Generelle Rauchverbote in Gaststätten gibt es nur in Bayern und im Saarland.

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(Foto: dpa)

München rangiert mit 95 Prozent rauchfreier Gaststätten an erster Stelle der untersuchten Landeshauptstädte. Schlusslicht im Ranking ist die "Rauchermetropole" Düsseldorf mit den meisten Ausnahmeregelungen. Dort sind weniger als 60 Prozent der Gaststätten rauchfrei. "Hier gibt es die meisten Raucherkneipen und auch die meisten Verstöße gegen die Kennzeichnungspflicht", berichtete Ute Mons vom DKFZ. Nur 8 Prozent der Rauchergaststätten und knapp 30 Prozent der Raucherräume waren dort ohne Beanstandung: "In den anderen Fällen fehlten Kennzeichnungsschilder, es wurden unerlaubterweise Speisen angeboten oder es war mehr als ein Gastraum vorhanden. In Gaststätten mit Raucherraum fehlten dort Türen oder sie standen dauerhaft auf", resümierte Mons.

Vorbild EU?

Bei den Kneipen und Bars steht Schwerin am verqualmtesten da: In 93 Prozent dieser Gaststätten wird geraucht. In Berlin ist das Bild zweigeteilt. Von den Landeshauptstädten mit Ausnahmeregelung gibt es den insgesamt höchsten Anteil rauchfreier Gaststätten (80 Prozent) - allerdings nur in den gehobenen Bezirken. In ärmeren Gegenden wird in vielen Eckkneipen weiter gequalmt.

Die Experten forderten deshalb eine umfassende und einheitliche Regelung zum Nichtraucherschutz in der Gastronomie, so wie sie bereits in anderen EU-Ländern eingeführt wurde. Nichtraucherschutzgesetze gelten in allen Bundesländern. Bayern hat die schärfste Regelung, dort gilt seit einem Volksentscheid im Jahr 2010 ein striktes Rauchverbot für alle Gaststätten. In den meisten anderen Bundesländern existieren Ausnahmeregelungen etwa für Festzelte oder Einraumgaststätten, in denen keine warmen Speisen angeboten werden.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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