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Missernte und neue Atompläne? Nordkorea leidet unter "Lebensmittel-Lücke"

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Dieser Reisfarmer bereitet sein Feld für den Sommer 2018 vor.

(Foto: AP)

Fast die Hälfte der nordkoreanischen Bevölkerung ist auf humanitäre Hilfe angewiesen. Der Grund sind erhebliche Ernteausfälle. Ungeachtet dessen nimmt das Kim-Regime neue Sanktionen in Kauf: Offenbar will es eine frühere Raketenanlage wiederbeleben.

Die Vereinten Nationen haben angesichts der schlechtesten Ernten in Nordkorea seit mehr als einem Jahrzehnt Alarm geschlagen. Laut einem UN-Bericht ging die Gesamterntemenge im vergangenen Jahr um 500.000 Tonnen auf 4,95 Millionen Tonnen zurück. UN-Nordkorea-Koordinator Tapan Mishra warnte, dadurch sei eine große "Lebensmittel-Lücke" entstanden.

Nordkorea hat seit Langem mit Lebensmittelknappheit zu kämpfen. Die Lage habe sich nun aber weiter zugespitzt, warnten die Vereinten Nationen. Die Zahl der Nordkoreaner, die auf humanitäre Hilfe angewiesen sind, sei um 600.000 auf 10,9 Millionen angestiegen. Das entspricht 43 Prozent der Bevölkerung. Zugleich fehle es an Geld für Hilfslieferungen. Mishra erklärte, im vergangenen Jahr sei nur knapp ein Viertel des Finanzbedarfs gedeckt worden.

Als Gründe für die schlechte Ernte werden Naturkatastrophen, ein Mangel an landwirtschaftlich nutzbarem Land und ineffiziente Landwirtschaft angeführt. So hatte Nordkorea im Juli und August mit Hitzewellen zu kämpfen. Es folgten heftige Regenfälle und Überschwemmungen durch einen Taifun. In dem international isolierten Land fehlt es zudem an moderner landwirtschaftlicher Technologie und an Düngemitteln. In dem bergigen Land gelten nur 20 Prozent der Fläche als landwirtschaftlich nutzbar.

Kritiker werfen der Führung in Pjöngjang zudem vor, jahrzehntelang den Ausbau der Armee und des Atomwaffenprogramms auf Kosten der Bevölkerung vorangetrieben zu haben. Bei seinem Gipfeltreffen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un sagte US-Präsident Donald Trump vergangene Woche, bei Aufgabe seines Atomprogramms könne das Land wirtschaftlich aufblühen.

Befindet sich Raketenanlage im Wiederaufbau?

Der Gipfel in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi scheiterte aber. Nordkorea hatte eine Aufhebung der Sanktionen gefordert, die USA verlangten eine atomare Abrüstung. Es gelang keine Einigung. Zwei Tage nach dem abgebrochenen Gipfel wurden auf einer nordkoreanischen Raketenanlage neue Aktivitäten ausgemacht, wie US-Experten jetzt erklärten. Laut dem in Washington ansässigen Zentrum für strategische und internationale Studien (CSIS) liefern Satellitenaufnahmen vom Sohae-Gelände im Westen des Landes Hinweise darauf, dass Pjöngjang die Anlage wieder aufbauen wolle.

Dies könnte den Experten zufolge ein Zeichen dafür sein, dass Nordkorea nach dem Scheitern des Gipfeltreffens von Hanoi "Entschlossenheit" zeigen wolle. Die Anlage habe seit August 2018 stillgelegen. Dies deute darauf hin, dass die nun registrierten Aktivitäten "absichtlich und zielgerichtet" seien. Auch die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap veröffentlichte einen entsprechenden Bericht. Sie berief sich dabei auf Informationen des südkoreanischen Geheimdienstes. Der auf die Beobachtung Nordkoreas spezialisierten US-Website 38 North zufolge wurden Strukturen auf der Sohae-Startrampe zwischen dem 16. Februar und dem 2. März wieder aufgebaut.

Von der Anlage aus waren 2012 und 2016 Trägerraketen mit Satelliten gestartet. International wurden die Starts aber als verschleierte Tests ballistischer Raketen gewertet und scharf verurteilt. Auf dem Sohae-Gelände befinden sich eine Testanlage für Raketenantriebe und eine Abschussrampe. Laut CSIS wurde bei den Satelliten-Trägerraketen Technologie von interkontinentalen ballistischen Raketen verwendet. Bei einem Gipfeltreffen mit Südkoreas Präsident Moon Jae hatte Kim im vergangenen Jahr zugesagt, die Anlage zu schließen.

Nach dem Scheitern des zweiten Gipfels von Trump und Kim in der vergangenen Woche drohten die USA mit neuen Sanktionen. Die US-Regierung wolle nach dem Treffen in Hanoi sehen, ob die Führung in Pjöngjang bereit sei, ihr "Atomwaffenprogramm und alles, was damit verbunden ist" aufzugeben, sagte Trumps Sicherheitsberater John Bolton dem TV-Sender Fox Business Network. Wenn Nordkorea nicht dazu bereit sei, werde es keine Lockerung der Sanktionen, sondern womöglich eine weitere Verschärfung der Strafmaßnahmen geben.

Quelle: n-tv.de, fzö/AFP/rts

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