Politik

"Grundsätzliche Bedrohung des amerikanischen Traums" Obama fordert höheren US-Mindestlohn

obama.jpg

"Die verstärkte Ungleichheit und die abnehmende Mobilität stellen zusammen eine grundsätzliche Bedrohung des amerikanischen Traums", sagt US-Präsident Obama.

(Foto: REUTERS)

"Seit 1979 ist unsere Produktivität um mehr als 90 Prozent gestiegen. Das Einkommen einer typischen Familie ist aber nur um weniger als 8 Prozent gewachsen" sagt US-Präsident Obama. Der Mindestlohn, derzeit 7,25 Dollar, soll angehoben werden.

US-Präsident Barack Obama will nach dem monatelangen Streit um die Gesundheitsreform wieder mehr Augenmerk auf die Wirtschaft legen. In einer Rede sagte Obama, die wachsende Ungleichheit in den USA schade der amerikanischen Wirtschaft. Er forderte den Kongress auf, den Mindestlohn zu erhöhen.

"Die verstärkte Ungleichheit und die abnehmende Mobilität stellen zusammen eine grundsätzliche Bedrohung des amerikanischen Traums, unserer Lebensart und dessen dar, für das wir weltweit stehen", sagte Obama in der Rede im Center for American Progress, einem dem Weißen Haus nahestehender Thinktank.

Derzeit 7,25 Dollar

Obama erneuerte viele Forderungen, mit denen er die Ungleichheit verringern will: Steuerschlupflöcher sollen geschlossen und das gesparte Geld in die Infrastruktur gesteckt werden. Die als "Sequester" bekannten pauschalen Ausgabenkürzungen will er beenden und den bei derzeit 7,25 US-Dollar liegenden Mindestlohn erhöhen. In deutschland hat sich die geplante Große Koalition auf die Einführung eines Mindestlohns von 8,50 Euro ab 2015. Umgerechnet wären das etwa 11,55 Dollar.

Viele Demokraten fordern seit langem eine Erhöhung des Mindestlohns. Obama hatte im Februar den Kongress in seiner Rede zur Lage der Nation dazu gedrängt, ihn auf 9 Dollar zu erhöhen und künftig der Inflation anzupassen. Etwas bewegt hat er damit bisher kaum.

Mehr als 90 zu weniger als 8

Der Präsident nannte eine Reihe von Statistiken, um die besorgniserregenden Ungleichheit in den USA zu illustrieren. "Seit 1979, als ich die High School abgeschlossen habe, ist unsere Produktivität um mehr als 90 Prozent gestiegen. Das Einkommen einer typischen Familie ist aber nur um weniger als 8 Prozent gewachsen", sagte Obama.

Es sei für Amerikaner schwieriger geworden, gesellschaftlich aufzusteigen. Dies sei in Ländern wie Kanada, Deutschland oder Frankreich einfacher. Obama zitierte Papst Franziskus, der in der vergangenen Woche mit seinem apostolischen Schreiben "Freude des Evangeliums" den globalen Kapitalismus kritisiert hatte. Franziskus hatte geschrieben, es sei "unglaublich, dass es kein Aufsehen erregt, wenn ein alter Mann, der gezwungen ist, auf der Straße zu leben, erfriert, während eine Baisse um zwei Punkte an der Börse Schlagzeilen macht".

Obama erklärte, angesichts des politischen Stillstands im Kongress sei nicht zu erwarten, dass die Probleme der Ungleichheit in diesem oder dem kommenden Jahr gelöst werden könnten. Er werde aber weiter für seine wirtschaftspolitischen Ideen kämpfen.

Quelle: ntv.de, Jared A. Favole, DJ