Politik

Al-Kaida bestätigt Tod Bin Ladens Obama trifft Navy Seals

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Obama muss dem Eindruck vorbeugen, er nutze Bin Ladens Tod politisch aus.

(Foto: AP)

Das Terrornetzwerk bestätigt den Tod seines Gründers und Chefs. Gleichzeitig kündigt es Vergeltung an. Derweil trifft sich US-Präsident Obama hinter verschlossenen Türen mit den Elitesoldaten des Sonderkommandos, das Bin Laden erschossen hat. Das ist der letzte offizielle Termin Obamas im Zusammenhang mit der Tötung Bin Ladens.

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Die Erschießung des Terroristenführers hat in islamistischen Gruppierungen den Ruf nach Vergeltung ausgelöst.

(Foto: AP)

Wenige Tage nach der US-Operation gegen Al-Kaida-Chef Osama bin Laden hat das Terrornetzwerk den Tod seines Führers erstmals bestätigt. Gleichzeitig kündigte Al-Kaida Vergeltung an. In einer Erklärung, die in mehreren islamistischen Internet-Foren auftauchte, wird Bin Laden als Märtyrer gefeiert und mit Attacken gegen die USA gedroht. An das pakistanische Volk ergeht der Aufruf, "sich zu erheben und zu revoltieren", wie die auf Terrorabwehr spezialisierte Internetseite SITE und US-Medien aus der Botschaft zitieren. Unterdessen dankte US-Präsident Barack Obama den Elitesoldaten für ihren Einsatz.

"Du hast huldvoll gelebt und bist als Märtyrer gestorben", heißt es demnach nach ersten Übersetzungen in dem Text. "Scheich Osama bin Laden - Gott möge ihn segnen - ist kein Prophet des 20. Jahrhunderts, sondern ein Mann islamischen Glaubens aus der gesegneten Gemeinschaft der Muslime, der den Koran mit Kraft in die Welt trug und das diesseitige Leben gegen das Jenseits eintauschte."

Bin Ladens Tod werde als "Fluch" dienen, "der die Amerikaner und ihre Agenten verfolgt, innerhalb und außerhalb ihrer Länder", zitiert der Sender CNN. Und weiter: "Bald, mit der Hilfe von Allah, wird ihr Glück sich in Trauer umwandeln, und ihr Blut wird sich mit ihren Tränen mischen".

Al-Kaida kündigt an, dass sie den "Heiligen Krieg" fortsetzen werde, "auf dem Pfad, den unsere Führer ohne Zögern gegangen sind", allen voran Bin Laden. Die Amerikaner würden sich "niemals der Sicherheit erfreuen, bis sich unser Volk in Palästina ihrer erfreut".

Pakistaner verbrennen US-Flagge

Im pakistanischen Quetta haben unterdessen rund 1500 Menschen gegen die Tötung Bin Ladens protestiert. "Der Heilige Krieg gegen Amerika wird nicht gestoppt werden durch den Tod von Osama", sagte der Geistliche Fazal Mohammad Baraich bei der Kundgebung. Bin Laden sei ein Märtyrer, durch sein vergossenes Blut würden Tausende neuer Osamas geboren. Die Protestierenden riefen "Nieder mit Amerika" und verbrannten US-Flaggen.

Weitere Kundgebungen, zu denen die größte islamistische Partei des Landes, Jamaat-e-Islami, aufruft, werden erwartet. Die Erschießung des Al-Kaida-Chefs hat in islamistischen Gruppierungen den Ruf nach Vergeltung ausgelöst. Allerdings sind auch weite Teile der pakistanischen Öffentlichkeit empört darüber, dass die USA die Souveränität des Landes mit dem unerlaubten Eindringen der Spezialeinheit verletzt haben.

Persönlicher Dank hinter verschlossenen Türen

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Obama bei seiner Ankunft auf dem Militärstützpunkt Fort Campbell im Bundesstaat Kentucky.

(Foto: REUTERS)

US-Präsident Barack Obama hat sich derweil hinter verschlossenen Türen mit Elitesoldaten des Sonderkommandos getroffen, das Bin Laden erschossen hat. Obama kam direkt nach seiner Ankunft auf dem Militärstützpunkt Fort Campbell im Bundesstaat Kentucky mit beteiligten Soldaten zusammen und dankte ihnen für ihren Einsatz. Einzelheiten wurden nicht bekannt.

Bereits am Mittwoch hatte Obama dem Chef des US-Kommandos für Spezialkräfte (USSOCOM), Admiral William McRaven, im Weißen Haus für den erfolgreichen Einsatz in Abbottabad gedankt. Am Donnerstag war der Präsident nach New York gereist, wo er einen Kranz am Ground Zero niederlegte und in einer Feuerwache eine kurze Ansprache vor Rettungskräften hielt. Der Besuch auf dem Stützpunkt in Kentucky sollte nach Angaben aus Regierungskreisen der letzte offizielle Termin Obamas im Zusammenhang mit der Tötung Bin Ladens sein. Der Präsident wolle den Eindruck vermeiden, dass er den erfolgreichen Militäreinsatz für politische Zwecke ausschlachtet.

Keine Rede an Ground Zero

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Obama setzte bei den Angehörigen der Anschläge auf die persönliche Begegnung.

(Foto: REUTERS)

Obama gedachte wenige Tage nach der Tötung Bin Ladens der Opfer der Terroranschläge vom 11. September in New York. Er legte an Obama trauert am Ground Zero einen Kranz nieder - dort, wo vor fast zehn Jahren Terroristen zwei Flugzeuge in die Zwillingstürme des World Trade Center steuerten und die Gebäude zum Einsturz brachten. 2600 Menschen starben damals in New York.

Jetzt war es ein stiller Besuch Obamas. An Ground Zero selbst wandte er sich nur an die Menschen, die bei dem Terrorakt Familienmitglieder oder Freunde verloren hatten. Es gab keine öffentliche Ansprache und nur geladene Gäste kamen näher an den Ort heran. Tausende säumten die Straßen, durch die Obamas Fahrzeugkolonne fuhr. Sie jubelten dem Präsidenten zu, viele schwenkten Fahnen.

Auch beim vorherigen Besuch der Feuerwache "Pride of Midtown" mussten die Journalisten nach einer Weile nach draußen. Mit 15 toten Feuerwehrleuten hatte es diese Wache besonders schlimm getroffen - eine komplette Schicht starb. Insgesamt verloren 343 Feuerwehrleute und 60 Polizisten ihr Leben, als die Türme einstürzten. "Als wir sagten, wir werden niemals vergessen, meinten wir das auch so", rief Obama den Feuerwehrleiten nun zu.

Auch am Pentagon vor den Toren Washingtons wurde der Toten gedacht. Vizepräsident Joe Biden ehrte sie mit einer Kranzniederlegung und traf Hinterbliebene der 184 Opfer, die beim gezielten Absturz eines weiteren von Terroristen entführten Flugzeugs ums Leben kamen. Insgesamt starben bei den Anschlägen am 11. September 2976 Menschen.

Quelle: n-tv.de, rts/dpa/AFP

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