Politik

Vollbremsung kurz vor dem Start Österreich stoppt E10-Einführung

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(Foto: REUTERS)

Wachsende Zweifel in Europa am Biosprit E10 schaffen in Österreich Fakten: Der für Anfang Oktober geplante Start des Agrarsprits wird ausgesetzt. Zunächst soll Brüssel Klarheit über künftige Regeln schaffen. Umweltverbände warnen schon lange vor den Risiken und Nebenwirkungen von E10.

Vollbremsung in Österreich beim Thema Biosprit E10: Zwei Wochen vor der geplanten Einführung des Kraftstoffs kündigte das Land nach Beratungen mit EU-Vertretern die Aussetzung des Vorhabens an. Zunächst müsse die Position Europas zu E10 klar sein, erklärte Umweltminister Nikolaus Berlakovich.

Die EU-Kommission hatte zuvor die erwartete Kehrtwende bei E10 vollzogen. So soll der Anteil von Getreide an Biokraftstoffen nicht erhöht und bis 2020 bei fünf Prozent bleiben. Die EU gibt damit Forderungen von Umweltverbänden nach. Die Produktion von Sprit aus Mais, Sojaöl oder Raps soll nicht mehr ausgeweitet werden, die Subventionen dafür 2020 ganz auslaufen.

Umweltverbände hatten mit dem Slogan "Teller statt Tank" gegen die Nutzung von Anbauflächen für die Spritproduktion aus Getreide Front gemacht. Stattdessen will die EU nun Treibstoffe aus Abfällen oder Algen stärker fördern. Der Gesetzentwurf muss noch von der Kommission verabschiedet und dann von den Regierungen und dem europäischen Parlament beraten werden.

Oxfam: Biosprit "fahrlässig"

Der Verzicht auf den Anbau von Biokraftstoffen für die EU könnte einer Studie zufolge jährlich die Ernährung von weit über hundert Millionen Menschen sichern. Die jetzige Landnutzung sei daher "fahrlässig", urteilte die Organisation Oxfam. Die EU-Kommission verwies darauf, dass sie ein Gesetz plane, das die Nutzung von Nahrungsmittelpflanzen für Biosprit begrenze.

Würde das nötige Land statt für Pflanzen, die letztlich im Biosprit landen, zum Anbau von Weizen und Mais für die Nahrungsmittelproduktion genutzt, könnten davon 127 Millionen Menschen ein Jahr satt werden, erklärte Oxfam. Die Entwicklungsorganisation bilanzierte, 90 Prozent der erneuerbaren Energien für Transport und Verkehr in der EU würden aus Grundnahrungsmitteln hergestellt.

"In Zeiten einer globalen Ernährungskrise ist das fahrlässig", urteilte Oxfam-Geschäftsführerin Marion Lieser. Der Biosprit-Verbrauch in der EU und den USA sei "ein zentrale Ursache für steigende Nahrungsmittelpreise auf den Weltmärkten". Daneben würden in Anbauländern - etwa in Afrika, Asien oder Lateinamerika - kleinere Bauernhöfe durch Plantagen exportorientierter Biosprit-Hersteller verdrängt. Die EU müsse deshalb die verpflichtende Beimischung von Biokraftstoffen zu herkömmlichem Sprit ganz abschaffen.

Die Dürre in den Sommermonaten in einer Reihe von Ländern hat die Kritik an der Nutzung von Ackerflächen für den Anbau von Biokraftstoffen massiv ansteigen lassen. Es wird befürchtet, durch das knappe Angebot von Nahrungsrohstoffen könnten die Preise an den Weltmärkten stark steigen, worunter vor allem Menschen in armen Ländern zu leiden hätten.

Quelle: ntv.de, nne/AFP/rts