Politik

Wasserstoffexplosion und Druckanstieg Pannen in deutschen Meilern

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In Brunsbüttel kam es zu einer Wasserstoffexplosion.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Vergessene Ventile, Wasserstoffexplosionen, Störungen im Hochspannungsnetz: In Deutschland gab es bereits mehrere schwere Störfälle in Atommeilern. Im schlimmsten Fall hätte es Umweltschützern zufolge sogar zu einer Kernschmelze kommen können.

Auch in hat es im Laufe der Jahre verschiedene, schwerwiegende Pannen gegeben. Mit den Geschehnissen in dem japanischen Unglücksreaktor Fukushima sind diese zwar nicht annähernd zu vergleichen. Aber zumindest nach Einschätzung atomkritischer Experten hätten die Pannen bei anderen Verläufen das Potenzial zu schweren Störfällen gehabt:

Wasserstoffexplosion im Atomkraftwerk Brunsbüttel

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Karte von www.stepmap.de

(Foto: Stepmap)

14. Dezember 2001: Im schleswig-holsteinischen Atomkraftwerk Brunsbüttel sprengt eine Wasserstoffexplosion ein Kühlwasserrohr, das unmittelbar am Reaktordruckbehälter ansetzt. Zwischen diesem und der Explosionsstelle befindet sich glücklicherweise noch ein Ventil, sodass es nicht zum unkontrollierten Entweichen von radioaktiven Wasserdampf aus dem Inneren des Meilers kommt.

Nach Einschätzung der renommierten atomkritischen Ärzteorganisation IPPNW und von Umweltschutzverbänden hätte es andernfalls eventuell zum Zusammenbruch des Kühlsystems des Siedewasserreaktors und damit schlimmstenfalls sogar zu einer Kernschmelze kommen können. Die Organisation Robin Wood hält den Vorfall in dem Akw an der Elbe für den "wohl schwersten Störfall, der sich in den letzten 20 Jahren in einem deutschen Atomkraftwerk ereignete".

Kühlmittelverlust im Reaktor Biblis

17. Dezember 1987: Beim Wiederanfahren des Akw Biblis vergessen Techniker nach einer Reparatur, ein Absperrventil im einem Not- und Nachkühlsystem des Druckbehälters von Reaktorblock A zu schließen. Der Fehler fällt erst nach mehr als 15 Stunden auf. Der Reaktor wird daraufhin wieder heruntergefahren. Aber währenddessen wird an der Leitung unsachgemäß ein weiteres Ventil geöffnet, so dass Kühlwasserdampf aus dem Reaktorkern unter hohem Druck ausströmt. 107 Liter werden freigesetzt, bevor die Leitung nach wenigen Sekunden wieder geschlossen wird.

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In Biblis vergaßen Techniker, ein Ventil zu schließen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Umweltschutzorganisationen Greenpeace und Robin Wood bezeichnen die schnelle Schließung des Reaktorlecks als glücklich. Ebenso gut hätte es zur Beschädigung der für hohen Druck nicht ausgelegten Leitung und einem massiven, nicht beherrschbaren Kühlwasserverlust im Kern des Atommeilers kommen können - wobei im Extremfall ebenfalls eine Kernschmelze gedroht hätte.

Bedrohlicher Druckanstieg im Reaktor Gundremmingen

13. Januar 1977: Nach einer witterungsbedingten Störung im Hochspannungsnetz außerhalb der eigentlichen Anlage kommt es im Atomkraftwerk Gundremmingen in Bayern zu massiven Problemen. Beim Herunterfahren des Reaktorsblocks A wird die Notstromversorgung aktiviert. Der Druck im Dampf- und Kühlwassersystem steigt, weshalb als Notmaßnahme Dampf aus dem Reaktorsystem abgelassen wird - ähnlich wie es der Betreiber anfangs offenbar im beschädigten Meiler Fukushima machte.

Was damals in Grundremmingen genau vor sich geht, ist bisher nicht im Detail öffentlich bekannt. Im Störfall-Jahresbericht des Bundesinnenministeriums von 1977 ist später von der "Überspeisung des Reaktordruckbehälters" und Schäden an Primärsicherheitsventilen die Rede. Auf der Homepage des Kraftwerksbetreibers KGG heißt es heute, "ein Fehler in der Regelung der Turbine" habe zu "einem erheblichen Schaden in der Anlage" geführt. Fakt ist, dass der Reaktorblock A nie wieder ans Netz geht. Bis heute aber produzieren die Blöcke B und C Strom.

Quelle: n-tv.de, AFP