Politik

"Totaler Krieg" gegen Muslime Pentagon setzt Planspiel ab

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Soldaten in Fort Bragg in North Carolina.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ein Offizier bezieht in eine Lehrstunde an einem College in Virginia auch den Massenmord an Muslimen mit ein. Das Planspiel wir nun abgesetzt, der Offizier allerdings nicht versetzt. "Das war vollkommen verwerflich", sagt Generalstabschef Dempsey. Man wolle den Vorgang prüfen.

Das US-Verteidigungsministerium hat ein umstrittenes Planspiel für Soldaten mit fiktiven Vorgaben wie etwa Massenmorden an Muslimen abgesetzt. Das bestätigte das Pentagon. Der für die Lehrstunde zuständige Offizier bleibe zwar am Joint Forces Staff College in Norfolk im US-Bundesstaat Virgina, unterrichte aber vorerst nicht mehr, wie ein Sprecher des Militärstabs mitteilte.

Der Oberstleutnant hatte nach Informationen des Magazins "Wired" in Planspielen und Simulationen Massenmorde an Muslimen ins Auge gefasst. Dabei war von einem "totalen Krieg" gegen Muslime sowie von deren "Ausrottung" die Rede.

Zwar räumte der Offizier in dem Planspiel vom vergangenen Sommer selbst ein, dass solche Überlegungen "in den Augen vieler, sowohl innerhalb der USA als auch außerhalb, nicht 'politisch korrekt'" seien. Dennoch führt er Möglichkeiten an, wonach etwa "Saudi-Arabien mit einer Hungersnot gedroht" und die heiligen Städte Mekka und Medina zerstört werden könnten.

"Das war vollkommen verwerflich"

Ausdrücklich werden die Bombardierung Dresdens sowie die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki als "Modell" erwähnt. Die Genfer Konvention sei angesichts des Vorgehens islamistischer Terroristen nicht mehr relevant. "Dies würde erneut die Option eröffnen, den Krieg auf zivile Bevölkerung zu richten, wo immer dies notwendig ist", heißt es.

Generalstabschef Martin Dempsey verurteilte das Planspiel auf das Schärfste. "Das war vollkommen verwerflich, gegen unsere Werte." Zudem sei ein solches Modell "akademisch unverantwortlich", sagte er. Er habe davon durch einen Studenten erfahren, der daran Anstoß genommen habe. Der Ausbilder lehre nicht mehr. Zudem werde untersucht, wie es dazu kommen konnte und wie solche Auswüchse vermieden werden könnten.

In den vergangenen Monaten hatten US-Soldaten mehrere Skandale in Afghanistan ausgelöst. Unter anderem hatten Soldaten auf Fotos mit Leichen von Aufständischen posiert. Bereits im Januar war ein Video aufgetaucht, auf dem amerikanische Soldaten auf tote Taliban-Kämpfer urinierten. Im Februar waren auf einer US-Basis Koranexemplare verbrannt worden. Ein US-Soldat ist derzeit angeklagt, bei einem Massaker im März 17 afghanische Zivilisten ermordet zu haben.

Quelle: ntv.de, dpa

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