Politik

Pulverfass in Fernost Der Koreakrieg und seine Nachwirkungen

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Der Koreakrieg ist zwar seit 1953 vorbei, den Waffenstillstand hat Nordkorea aber 2013 einseitig aufgekündigt.

(Foto: imago images/UPI Photo)

Der Kontrast zwischen Süd- und Nordkorea könnte nicht stärker sein: auf der einen Seite eine hochindustrialisierte Demokratie, auf der anderen Seite das letzte vollständig isolierte Land der Erde. Gibt es Hoffnung auf eine Wiedervereinigung?

Nachdem Korea 1948 geteilt wird, vollzieht sich im Norden eine Sowjetisierung unter Kim Il Sung, während die US-Amerikaner sich aus dem Süden zurückziehen und dadurch ein Machtvakuum entstehen lassen. "Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Besetzung durch Japan ist es die Idee der Koreaner, einen eigenen Staat zu bekommen - ob westlich-demokratisch oder kommunistisch ist zu diesem Zeitpunkt offen", fasst Bernd Stöver, Professor für internationale Geschichte an der Universität Potsdam im ntv-Podcast "Wir sind Geschichte" zusammen.

Der 25. Juni 1950 ist das zentrale Datum. An diesem Tag überschreitet die nordkoreanische Armee die Grenze zum Süden. Es ist der Anfang des Koreakriegs, der etwa viereinhalb Millionen Menschen das Leben kosten sollte - und dessen Nachwirkungen bis heute zu spüren sind.

Der Süden hat dem Angriff der nordkoreanischen Truppen nichts entgegenzusetzen. Die Menschen flüchten bis nach Busan, wo ein Brückenkopf errichtet und verteidigt wird. US-amerikanische Soldaten und UN-Truppen kommen gerade noch rechtzeitig zur Hilfe und treiben die Angreifer zurück in den Norden des Landes. Ab diesem Punkt sind über 20 Nationen an dem Krieg beteiligt: "Es ist ein UN-Krieg, bei dem die Amerikaner die größte Truppenstärke aufweisen", analysiert Stöver.

Schlimmste Kriegsphase beginnt

Doch der Krieg ist damit nicht vorbei - im Gegenteil: Nach dem nun folgenden Eintritt Chinas in den Konflikt entwickelt sich ein Stellungskrieg mit Kesselschlachten. "Die Veteranen des Koreakriegs betrachten das als schlimmste Phase. Sie zieht sich drei Jahre hin, bis man wieder am 38. Breitengrad landet und nach Millionen Toten nichts erreicht hat, außer dass Nordkorea nicht den Süden erobert hat und das Land vollkommen zerstört ist", erklärt Bernd Stöver.

Die Verhandlungen für einen Waffenstillstand beginnen bereits 1951, doch sie werden erst durch den Tod Stalins am 5. März 1953 konkret. Am 27. Juli 1953 wird das Abkommen unterzeichnet.

Im Jahr 2013 jedoch kündigt Nordkorea den Waffenstillstand einseitig auf. Seitdem befindet sich der Krieg formal gesehen in einer aktiven Phase. Es gibt einige Orte auf der Welt, von denen bekannt ist, dass sich dortige Konflikte hochschaukeln könnten. Die koreanische Grenze gehört dazu.

Südkorea entwickelt sich zum Hightech-Staat

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"Wenn in Korea eine ernsthafte militärische Auseinandersetzung beginnen würde, wäre die Eskalation direkt sehr schnell und sehr global, weil dort amerikanische Truppen stehen. Sie stehen auf der Grenzlinie, haben einen eigenen Stützpunkt. Insofern wäre bei einem Angriff die USA mit im Konflikt", zeigt Bernd Stöver auf. Und so leben die Südkoreaner auch heute im Schatten des aggressiven Bruderlandes im Norden, das immer wieder Raketentests durchführt und darüber hinaus an der Atombombe baut.

Innerhalb einer Generation hat sich der Süden von einer Agrarnation zu einem Hightech-Staat entfaltet - eine beispiellose Entwicklung, die aber auch ihre Schattenseiten hat, wie Podcast-Host Moritz Harms und Bernd Stöver feststellen. Außerdem diskutieren sie, wie nah die USA am Einsatz der Atombombe im Koreakrieg standen und, wie ähnlich sich die deutsche und die koreanische Geschichte wirklich sind.

Wir sind Geschichte - ein ntv Podcast

In "Wir sind Geschichte" steuert Moritz Harms seinen Zeitreisebus in zehn Episoden über die interessantesten Routen, die unser historisches Straßennetz zu bieten hat. Die Olympischen Spiele in Deutschland, Feminismus, politische Attentate, das atomare Wettrüsten und vieles mehr. "Wir sind Geschichte" - der ntv History-Podcast erscheint ab 1. April jeden Freitag in der ntv App und überall, wo es Podcasts gibt: Audio Now, Amazon Music, Apple Podcasts, Google Podcasts und Spotify. Mit dem RSS-Feed auch in anderen Apps.

Quelle: ntv.de

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