Politik

Streit um Ringtausch Polen: Deutsche Panzerangebote reichen nicht

15 Leopard-Kampfpanzer sind laut Bratislava nicht genug.

Die Bundesregierung soll Polen 20 Panzer vom Typ Leopard 2A4 angeboten haben - "Nicht genug", heißt es aus Warschau.

(Foto: imago/StockTrek Images)

Der Streit zwischen Polen und Deutschland um den Panzer-Ringtausch für die Ukraine geht in die nächste Runde. Aus Warschau kommt Kritik an einem neuen Angebot. Außenministerin Baerbock weist dies zurück.

Der polnische Verteidigungsminister Mariusz Blaszczak hat die bisherigen deutschen Angebote für einen Panzer-Ringtausch als unzureichend kritisiert. Die Bundesregierung habe Warschau vor kurzem ein Angebot über die Lieferung von 20 Leopard 2A4-Panzern unterbreitet, sagte der Politiker der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) in einem Interviewauszug, den das Nachrichtenportal "wPolityce.pl" veröffentlichte.

Blaszczak bemängelte, dass es rund 12 Monate dauern würde, die Panzer in einen betriebsfähigen Zustand zu versetzen. Zudem rechne die polnische Seite mindestens mit einem Panzerbataillon, das 44 Kettenfahrzeuge umfassen müsse. Blaszczak ließ offen, wie die Verhandlungen weitergehen werden. "Sicherlich gibt es Geschenke, die man nur mit großer Vorsicht annehmen sollte", sagte der 52-Jährige. "Ihr geringer Wert dient später als nützlicher Vorhang, um die viel brutalere Realität zu verschleiern." Der NATO-Mitgliedstaat Polen hatte das Nachbarland Ukraine mit mehr als 200 Panzern sowjetischer Konstruktion im Kampf gegen den russischen Aggressor unterstützt.

"Die deutschen Versprechen zum Panzer-Ringtausch haben sich als Täuschungsmanöver erwiesen", hatte Vize-Außenminister Szymon Szynkowski vel Sek zuvor dem "Spiegel" gesagt. Zunächst hätten die Deutschen den Polen Panzer angeboten, "die älter waren als diejenigen, die wir der Ukraine gaben". Diese Offerte sei "nicht zu akzeptieren, denn wir haben kein Interesse daran, den Zustand unserer Bewaffnung zu verschlechtern und unsere Soldaten auf Gerät aus den Sechzigerjahren zu schulen". Daher setze man nun auf die Hilfe anderer NATO-Partner.

Baerbock: War klar, dass es nicht mit einem Fingerschnips geht

Aus Kreisen des Verteidigungsministeriums in Berlin hieß es bereits am Freitag, schon in einer frühen Phase seien Polen als Kompensation 100 verfügbare Panzer vom Typ Leopard 1 in gutem Zustand angeboten worden. Diese habe Polen als zu alt abgelehnt. Es sei deutlich geworden, dass Polen auf dem Leopard 2 bestehe. Aus Beständen der Bundeswehr seien diese aber nicht zu liefern.

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock hatte am Freitagabend eingeräumt, dass der Ringtausch für Waffenlieferungen an die Ukraine nicht so funktioniere wie geplant, die scharfe Kritik der polnischen Regierung aber zurückgewiesen. "Von Anfang an war klar, dass wir natürlich nicht von heute auf morgen mit einem Fingerschnips jeden einzelnen Panzer ersetzen können", entgegnete Baerbock bei der "Bild"-Zeitung die Vorwürfe aus Polen. "Natürlich können die sagen, wir wollen mehr von euch haben, aber trotzdem können die Panzer, die sie haben, auch direkt in die Ukraine geliefert werden."

(Dieser Artikel wurde am Samstag, 23. Juli 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de, vpe/dpa

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