Politik

Bericht über dramatische Flucht Polizei ließ Al-Bakr mehrmals entwischen

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(Foto: dpa)

Neue Details zur Flucht des Terrorverdächtigen Al-Bakr werfen kein gutes Licht auf die sächsische Polizei. Laut einem Medienbericht traf der Syrer mehrmals auf Beamte - entkommen konnte er trotzdem.

Bei der Fahndung nach dem mutmaßlichen Terroristen Jaber Al-Bakr soll es zu mehreren Pannen gekommen sein. Wie der "Spiegel" unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtet, spielte sich die Flucht des Syrers dramatischer ab als bisher bekannt. Gleich zweimal sei er direkt auf Polizeikräfte gestoßen, konnte jedoch beide Male entkommen.

Dem Bericht zufolge soll Al-Bakr am Tag des misslungenen Zugriffs bereits um kurz nach sieben Uhr morgens seine Wohnung in einer Plattenbausiedlung in Chemnitz verlassen haben. Dabei sei er auch auf zwei Polizeibeamte getroffen. Diese seien sich allerdings nicht einig darüber gewesen, wen sie vor sich hatten. Während einer von ihnen glaubte, Al-Bakr zu erkennen, soll sein Kollege anderer Meinung gewesen sein. Offenbar konnte Al-Bakr daraufhin ungehindert weitergehen.

Warnung wegen Sprengstoffweste

Ganz in der Nähe traf der 22-jährige Terrorverdächtige dann erneut auf Polizeibeamte. Anders als bei der ersten Begegnung soll nun kein Zweifel geherrscht haben, dass es sich um den Gesuchten handelte. Da die Beamten jedoch vorgewarnt waren, dass der Syrer womöglich eine Sprengstoffweste tragen könnte, verhielten sie sich äußerst vorsichtig.

Laut "Spiegel" riefen sie dem mutmaßlichen Attentäter auf Englisch und auf Deutsch zu, er solle sich auf den Boden legen. "No, no, no", habe Al-Bakr daraufhin gerufen und sich trotz eines Warnschusses hinter einem Auto versteckt haben. Von dort sei er schließlich erneut entkommen.

Berliner Hotel half bei der Suche

Der "Spiegel" berichtet außerdem über Details, die zur Identifizierung des Terrorverdächtigen geführt haben sollen. Demzufolge hat ein Berliner Hotel eine tragende Rolle dabei gespielt. Der Ausgangshinweis soll allerdings von ausländischen Nachrichtendiensten gekommen sein. Sie wiesen die deutschen Behörden im September wiederholt auf mögliche Terroranschläge auf Verkehrsknotenpunkte hin.

So soll irgendwann auch ein Vorname in den Warnmeldungen aufgetaucht sein: "Jaber". Die Identität des Verdächtigen soll jedoch zunächst unbekannt gewesen sein. Eine Telefonnummer führte das Bundesamt für Verfassungsschutz schließlich laut dem Zeitungsbericht zu Khalid A., dem inzwischen inhaftierten Mieter der Wohnung in Chemnitz. Dort stellte die Polizei, wie inzwischen bekannt ist, etwa 1,5 Kilogramm des Sprengstoffs TATP sicher. Die Behörden sollen A. zuvor abgehört haben.

Erst kurz vor dem gescheiterten Zugriff in Chemnitz soll laut "Spiegel" der entscheidende Hinweis auf Al-Bakr eingegangen sein. Der mutmaßliche Attentäter habe ein Hotelzimmer in Berlin gebucht, hieß es nun. Bei einer Überprüfung hätten die Beamten festgestellt, dass Al-Bakr tatsächlich unter seinem eigenen Namen reserviert hatte.

Berliner Flughafen mögliches Ziel

Der Gesuchte war damit offenbar enttarnt: Ein Auszug aus dem Ausländerzentralregister soll ein Foto des Syrers sowie die Umstände, unter denen Al-Bakr 2015 als Flüchtling nach Deutschland kam, enthalten haben. Dank einer Funkzellenauswertung seien die Beamten dann schließlich auf die Plattenbausiedlung in Chemnitz gestoßen.

Einen Hinweis darauf, wie weit die Anschlagsplanung bereits fortgeschritten war, liefert die Aufzeichnung einer Videokamera: Darauf soll zu sehen sein, wie Al-Bakr den Flughafen Tegel ausspähte. Auch US-Medien berichteten bereits darüber, dass Berliner Flughäfen als mögliche Anschlagsziele in Frage gekommen seien.

Al-Bakr wurde schließlich von syrischen Flüchtlingen in deren Wohnung überwältigt und der Polizei übergeben. Er erhängte sich am vergangenen Mittwoch in seiner Zelle in Leipzig. Die Ermittler gehen davon aus, dass er einen islamistischen Anschlag auf einen Berliner Flughafen plante.

Quelle: ntv.de, jgu

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