Politik

Diplomatisches Desaster für Kiew "Präsident als Lügner dargestellt": Südkorea droht der Ukraine ein Nachspiel an

02.10.2026, 08:24 Uhr
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Der südkoreanische Präsident Lee. (Foto: picture alliance / Kyodo)

Der ukrainische Präsident Selenskyj berichtet öffentlich von nordkoreanischen Kriegsgefangen. Damit verstößt er offenbar gegen eine Geheimhaltungsvereinbarung mit Südkorea. Statt sich einsichtig zu zeigen, legt die Ukraine nach. Jetzt wird der südkoreanische Präsident deutlich.

Südkorea hat der Ukraine im diplomatischen Streit um die Übergabe nordkoreanischer Kriegsgefangener mit Konsequenzen gedroht. Es handele sich um eine Angelegenheit, die das Ansehen der Bürger und des Staates der Republik Korea betreffe, erklärte der südkoreanische Präsident Lee Jae Myung auf X. "Das können wir nicht hinnehmen." Sollte die ukrainische Regierung weiterhin die Existenz einer Vertraulichkeitsvereinbarung leugnen und sich nicht öffentlich entschuldigen, werde die Regierung in Seoul zusätzliche Maßnahmen ergreifen.

Der südkoreanische Präsident reagierte damit auf Aussagen des ukrainischen Außenministers Andrij Sybiha. Dieser hatte sich am Donnerstag um Schadensbegrenzung bemüht und am Donnerstag erklärt, er wolle nicht von einem Zwischenfall sprechen, sondern eher von einem diplomatischen Missverständnis. Die Regierung in Kiew arbeite an einer raschen Lösung.

Präsident als Lügner dargestellt

Auslöser des diplomatischen Eklats war eine Rede des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Dieser hatte vergangene vor der UN-Vollversammlung öffentlich gemacht, dass die Ukraine zwei gefangengenommene nordkoreanische Soldaten an Südkorea überstellt habe. Die Regierung in Seoul warf Kiew daraufhin vor, eine Abmachung zur Geheimhaltung gebrochen zu haben, um die Sicherheit der Soldaten und ihrer Familien nicht zu gefährden. Ukrainische Regierungsvertreter bestritten die Existenz einer solchen Vereinbarung.

Durch diese Leugnung habe die Ukraine den Präsidenten eines anderen Landes als Lügner dargestellt, schreibt Lee auf X weiter. "Als wir die Anerkennung der Vereinbarung und Entschuldigung forderten, sprach die ukrainische Seite stattdessen von einem unmittelbar bevorstehenden militärischen Konflikt zwischen Nord- und Südkorea und betete förmlich um einen Krieg auf der koreanischen Halbinsel."

Die beiden Soldaten waren im Januar vergangenen Jahres von ukrainischen Streitkräften gefangen genommen worden, als sie in der Region Kursk auf russischer Seite kämpften. Anschließend wurden sie in der Ukraine inhaftiert und baten nach Angaben von Aktivisten darum, in Südkorea leben zu dürfen. Laut der südkoreanischen Verfassung gelten alle Nordkoreaner zugleich als südkoreanische Bürger. Die Regierung in Seoul hat erklärt, dass dies auch für in der Ukraine gefangene Soldaten gelte.

Nach Angaben des südkoreanischen Parlamentariers Yoo Yeong Ha gab es tatsächlich wie von der Ukraine dargestellt keine offizielle Geheimhaltungsvereinbarung zwischen Kiew und Seoul. Allerdings hätten Diplomaten beider Seiten im Zuge ihrer Kommunikation Vertraulichkeit vereinbart - ausgerechnet auf Wunsch der ukrainischen Seite, wie es scheint: "Von Beginn der Gespräche an bat die ukrainische Seite von sich aus um strikte Vertraulichkeit", sagte der Abgeordnete. "Sie verwies dabei auf mögliche Auswirkungen auf künftige Gefangenenaustausche mit Russland", fügte er hinzu.

Seoul prüft Anfragen für Abwehrwaffen

Südkorea leistet seit dem russischen Einmarsch 2022 humanitäre und finanzielle Unterstützung und hatte im Juli weitere 100 Millionen Dollar zugesagt. Seoul liefert der Ukraine keine tödlichen Waffen und verweist dabei auf ein geltendes Verbot militärischer Unterstützung für Länder, die sich im Krieg befinden. Dennoch hatte Seoul nach Angaben von Experten Anfragen zu Abwehrwaffen geprüft - insbesondere seit Nordkorea seinen Verbündeten Russland mit Soldaten unterstützt.

Nordkorea ist einer der wichtigsten Unterstützer Russlands beim Angriffskrieg gegen die Ukraine. Nach Erkenntnissen südkoreanischer und westlicher Geheimdienste hatte Pjöngjang im vergangenen Jahr mehr als 10.000 Soldaten nach Russland entsandt, die vor allem in der Grenzregion Kursk eingesetzt wurden. Nordkorea bestätigte im April erstmals, Soldaten nach Russland geschickt zu haben. Nach Angaben des südkoreanischen Geheimdienstes wurden rund 2000 von ihnen in dem Krieg getötet.

Quelle: ntv.de, chr/rts

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