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Wikileaks-Gründer hört Stimmen Psychiater sieht bei Assange Suizid-Gefahr

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Seine Unterstützer fordern, Assange unter keinen Umständen an die USA auszuliefern.

(Foto: AP)

Seit Jahren lebt Julian Assange auf engstem Raum und größtenteils von der Außenwelt abgeschirmt. Nach seiner Flucht in die ecuadorianische Botschaft sitzt er nun seit 2019 in einem Londoner Hochsicherheitsgefängnis. Der Gesundheitszustand des Wikileaks-Gründers bereitet einem Gutachter Sorgen.

Der in Großbritannien inhaftierte Wikileaks-Gründer Julian Assange ist nach Aussagen eines Psychiaters suizidgefährdet und könnte sich das Leben nehmen, wenn er an die USA ausgeliefert würde. Assange sei hochgradig depressiv und zeige "psychotische Symptome" wie Halluzinationen, sagte Michael Kopelman im Auslieferungsverfahren vor dem Zentralen Strafgerichtshof in London.

Assange habe ihm im Hochsicherheitsgefängnis erzählt, er habe Musik sowie "Stimmen" gehört, die zu ihm gesagt hätten: "Du bist Staub, du bist tot, wir kommen, um dich zu holen", berichtete Kopelman, der den Australier rund 20 Mal in der Haft gesprochen hatte. Hinter Assanges Suizidgedanken stünden zwar "klinische Faktoren", doch könnte ihn eine bevorstehende Auslieferung zur Tat schreiten lassen. In jedem Fall aber werde sich sein Zustand bei einer Auslieferung "deutlich verschlechtern", sagte der Psychiater.

Die Richter in London müssen derzeit entscheiden, ob Assange an die USA ausgeliefert wird. Dort ist der 49-jährige Wikileaks-Gründer wegen der Veröffentlichung geheimer Dokumente und Verstößen gegen das Anti-Spionage-Gesetz angeklagt. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 175 Jahre Haft. Derzeit ist er in einem britischen Hochsicherheitsgefängnis inhaftiert.

Wegen Verstoßes gegen Kautionsauflagen verhaftet

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Die Enthüllungsplattform Wikileaks hatte 2010 und 2011 Hunderttausende geheime Papiere vor allem zum Irak-Krieg ins Internet gestellt, die ihr von der früheren US-Soldatin Chelsea Manning zugespielt worden waren. Die Dokumente enthielten brisante Informationen über die US-Einsätze in dem Land, unter anderem über die Tötung von Zivilisten und die Misshandlung von Gefangenen.

Assange war 2012 aus Angst vor einer Auslieferung an die USA in die ecuadorianische Botschaft in London geflüchtet. Damals lag gegen ihn ein europäischer Haftbefehl wegen Vergewaltigungsvorwürfen in Schweden vor. Die Ermittlungen wurden eingestellt. Die britische Polizei verhaftete Assange im April 2019, da er mit der Flucht in die Botschaft gegen Kautionsauflagen verstoßen hatte. Er wurde zu einem knappen Jahr Haft verurteilt. Seine Unterstützer und auch seine Lebensgefährtin fürchten um die Gesundheit des 49-Jährigen, der durch seinen jahrelangen Aufenthalt auf beengtem Raum in Ecuadors Botschaft und anschließend im Gefängnis schwer angeschlagen ist.

Rat und Nothilfe bei Suizid-Gefahr und Depressionen
  • Bei Suizidgefahr: Notruf 112
  • Beratung in Krisensituationen: Telefonseelsorge (0800/111-0-111 oder 0800/111-0-222 oder 116-123, Anruf kostenfrei) oder Kinder- und Jugendtelefon (Tel.: 0800/111-0-333 oder 116-111; Mo-Sa von 14 bis 20 Uhr)
  • Bei der Deutschen Depressionshilfe sind regionale Krisendienste und Kliniken zu finden, zudem Tipps für Betroffene und Angehörige.
  • In der deutschen Depressionsliga engagieren sich Betroffene und Angehörige. Dort gibt es auch eine E-Mail-Beratung für Depressive.
  • Eine Übersicht über Selbsthilfegruppen zur Depression bieten die örtlichen Kontaktstellen (KISS).

Quelle: ntv.de, fzö/AFP/dpa