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298 Tote in der Ukraine Rebellen wegen MH17-Abschuss angeklagt

Beim Flug über die umkämpfte Ostukraine wird eine Malaysia-Airlines-Maschine mit fast 300 Menschen an Bord abgeschossen. Internationale Ermittler wollen nun vier prorussische Separatisten wegen Mordes anklagen. Einer von ihnen, der Russe Igor Girkin, äußert sich.

Fünf Jahre nach dem Absturz des Passagierflugs MH17 im Osten der Ukraine sollen doch noch die Täter zur Verantwortung gezogen werden: Ein von den Niederlanden geleitetes internationales Ermittlerteam macht vier prorussische Rebellen für den Abschuss verantwortlich. Die niederländische Justiz werde Mordanklage gegen die drei Russen und einen Ukrainer erheben, teilten die Ermittler in Nieuwegein bei Utrecht mit. Unter den vier Beschuldigten ist auch der prorussische Rebellenkommandant Igor Girkin - auch unter dem Namen Strelkow bekannt.

Die vier Hauptverdächtigen werden seit Mittwoch mit internationalem Haftbefehl gesucht: Der Kommandant der pro-russischen Rebellen Girkin, der frühere russische Geheimdienstoffizier Sergej D., Oleg P., ebenfalls ein hoher Offizier bei den Rebellen, sowie Leonid K., ein Kommandant der Rebellen in Donezk. Zwei der Verdächtigen sollen sich den Ermittlungen zufolge in Russland aufhalten, ein weiterer Mann sei zuletzt in der Ostukraine gesichtet worden. Weitere Haftbefehle wurden nicht ausgeschlossen. 

Prozess in Abwesenheit wahrscheinlich

Der Hauptverdächtige Girkin hat die Vorwürfe nun erneut kategorisch zurückgewiesen. "Die Rebellen haben mit dieser Katastrophe nichts zu tun - weder ich noch andere", sagte Girkin der Agentur Interfax. Girkin hatte das Kriegsgebiet in der Zeit nach dem Absturz verlassen und war in seine russische Heimat zurückgekehrt. Er hatte dies bereits früher beteuert. Ein zweiter Verdächtiger ließ über einen Sprecher ebenfalls eine Beteiligung zurückweisen. Beide Beteiligte lehnen eine Teilnahme an dem für März 2020 angesetzten Gerichtsverfahren ab.

Der Strafprozess solle am 9. März 2020 beginnen, erklärten die Leiter der Ermittlungen. Es scheint bisher unwahrscheinlich, dass die Verdächtigen auch zum Prozess erscheinen werden. Der Prozess kann in den Niederlanden aber auch in Abwesenheit der Angeklagten stattfinden. Russland lehnt die Auslieferung eigener Staatsbürger ab.

Die Männer sollen verantwortlich dafür sein, dass die Luftabwehrrakete, mit der das Flugzeug abgeschossen wurde, aus Russland in die Ostukraine transportiert worden sei. Bei dem Abschuss der Malaysia-Airlines-Maschine am 17. Juli 2014 mit einer Buk-Rakete waren 298 Menschen getötet worden, die meisten waren Niederländer. Die Ermittler hatten zuvor die Angehörigen über die neuen Erkenntnisse informiert. Am internationalen Ermittlerteam JIT beteiligen sich die Niederlande, Malaysia, die Ukraine, Australien und Belgien.

Kreml bezeichnet Ermittlungen als einseitig

Sie sei "glücklich, dass der Prozess endlich beginnen wird und dass die Namen verkündet wurden", sagte Opferangehörige Silene Fredriksz, deren Sohn und Schwiegertochter unter den Opfern waren. Sie machte den russischen Präsidenten Wladimir Putin persönlich für den Absturz verantwortlich. "Weil er dies möglich gemacht hat. Er hat die Situation geschaffen. Er ist der Hauptverantwortliche."

Russland kritisiert die neuesten Ermittlungen zum Abschuss als einseitig. "Russland hatte keine Möglichkeit, an den Ermittlungen zu dieser furchtbaren Katastrophe teilzunehmen, obwohl wir das von Anfang an angeboten hatten", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge. Zu den in Medien genannten vier mutmaßlichen Verantwortlichen sagte er, dass Moskau die offizielle Mitteilung der Untersuchungskommission abwarte.

Separatisten sehen Ukraine als Urheber

Die von Russland unterstützten Separatisten wiesen erneut kategorisch zurück, dass Russland etwas mit dem Abschuss zu tun habe. Es habe nicht einmal die technische Möglichkeit gegeben, das Buk-System von Russland in den Donbass zu transportieren, sagte Andrej Purgin. Er bezeichnet sich als Vize-Regierungschef in der selbst ernannten Volksrepublik Donezk. Das für den Abschuss benutzte Buk-System stamme vielmehr aus den Beständen der ukrainischen Streitkräfte. "In Donezk gab es einfach niemanden, der das hätte bedienen können", sagte Purgin. Die Anschuldigungen seien daher absurd.

Bereits vor einem Jahr hatten die Ermittler bekannt gegeben, dass die Maschine mit einer Luftabwehrrakete des Typs Buk abgeschossen worden war. Das Waffensystem stammte demnach von der 53. Brigade der russischen Armee bei Kursk. Es war zuvor von Russland in die Ostukraine gebracht und anschließend wieder zurücktransportiert worden. Die Regierung der Niederlande machte Russland daraufhin auch formell für den Abschuss verantwortlich. Der Kreml wies dies verärgert zurück und machte ukrainische Kräfte für den Abschuss verantwortlich.

Quelle: n-tv.de, jpe/dpa

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