Politik

"Dies ist eine Krise zuviel" Religiöse Unruhen in Nigeria

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Autos brennen in Jos.

(Foto: Reuters)

Bei blutigen Kämpfen zwischen Muslimen und Christen sind in der zentralnigerianischen Stadt Jos seit Sonntag mindestens 200 Menschen getötet worden. Diese Zahl nannte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Nachdem die Regierung Soldaten nach Jos entsandt hatte, war die Lage dort weitgehend unter Kontrolle. Mittlerweile wurden jedoch aus dem 100 Kilometer entfernten Ort Pankshin neue Unruhen gemeldet. Auch in den angrenzenden Bundesstaaten waren die Sicherheitskräfte in erhöhter Alarmbereitschaft.

In Jos gilt weiterhin eine 24-stündige Ausgangssperre, um die Gewalt einzudämmen. Bewohner berichteten dem britischen Sender BBC, dass außer den Soldaten auch Gewalttäter in gefälschten Uniformen in den Straßen der Stadt unterwegs seien. Sicherheitskräfte nahmen mehr als 100 mutmaßliche Gewalttäter fest und beschlagnahmten Schusswaffen, Macheten und Äxte. Auch Maschinenpistolen wurden sicher gestellt, berichtete die nigerianische Zeitung "The Guardian".

"Unsere Blutvorräte sind erschöpft"

John Sarki, ein Arzt im städtischen Krankenhaus von Jos, sagte der Online-Zeitung "Next", die Klinik habe nicht genügend Mitarbeiter, um den Andrang der zahlreichen Patienten mit Schuss- und Stichverletzungen zu bewältigen. "Unsere Blutvorräte sind erschöpft, die Operationsräume überfüllt", sagte er. "Wegen der Spannungen kann niemand zum Blut spenden kommen." Auch der Vorrat an Schmerzmitteln und anderen Medikamenten sei dramatisch geschrumpft.

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Von den 800 Verletzten sollen 90 Menschen schwer verwundet sein.

(Foto: Reuters)

"Dies ist eine Krise zuviel", betonte der nigerianische Vizepräsident Goodluck Jonathan in einer Stellungnahme. Die wiederholten Ausbrüche religiöser Gewalt in Jos seien inakzeptabel und bedrohten die Einheit des Staates. "Das Land kann sich diese ständigen Gewaltausbrüche nicht leisten", sagte Jonathan, der seit zwei Wochen die Amtsgeschäfte für den erkrankten Präsidenten Umaru Yar'Adua führt, aber nicht formal die Macht übertragen bekam. Eine dauerhafte Lösung müsse gefunden werden.

Zuletzt waren Ende 2008 mehr als 200 Menschen bei ähnlichen Unruhen getötet worden, 2001 wurden mehr als 1000 Menschen in Jos Opfer religiöser Gewalt. Auslöser der jüngsten Unruhen soll ein Grundstückstreit christlicher und muslimischer Nachbarn gewesen sein. Jos liegt an der Nahstelle zwischen dem mehrheitlich muslimischen Norden und dem christlich geprägten Süden Nigerias. In dem Land leben etwa gleich viele Christen und Muslime. Insgesamt hat das Land mehr als 200 Volksgruppen.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP