Politik

US-Immunologe vor AusschussRepublikaner versuchen Fauci mit Tagebucheinträgen unter Druck zu setzen

29.07.2026, 19:51 Uhr
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Zu den Anwürfen der Republikaner sagte Fauci nichts. (Foto: picture alliance/dpa/FR172296 AP)

Der US-Präsident wettert schon während der Corona-Pandemie gegen den Chef-Immunologen Fauci. Unter Nachfolger Biden wird der zu einer zentralen Figur der Covid-Bekämpfung. Vor einem Ausschuss machen ihm Republikaner Vorwürfe und konfrontieren ihn mit Tagebucheinträgen.

Nach der Veröffentlichung von Tagebucheinträgen des durch die Corona-Pandemie bekannt gewordenen US-Immunologen Anthony Fauci ist in den USA erneut eine Debatte zum Ursprung des Virus entflammt. In einer Anhörung des Senatsausschusses für Innere Sicherheit und Regierungsangelegenheiten versuchten vor allem republikanische Senatoren, Fauci Antworten zu entlocken. Fauci hingegen berief sich auf den fünften Zusatzartikel der US-Verfassung und machte von seinem Schweigerecht Gebrauch. Dieses sieht vor, dass niemand sich selbst belasten muss.

Fauci war medizinischer Chefberater von Ex-US-Präsident Joe Biden und Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten. Zuvor war er in den USA zu einer zentralen Figur im Kampf gegen das Coronavirus geworden. Der renommierte Wissenschaftler leitete das Nationale Institut für Infektionskrankheiten fast vier Jahrzehnte lang und arbeitete unter insgesamt sieben US-Präsidenten. Für die Republikaner steht Fauci dagegen für die Pandemie - und alles, was im Kampf gegen das Coronavirus falsch gelaufen ist. Fauci wies die Vorwürfe zurück.

Der demokratische Senator Richard Blumenthal warf dem Ausschussvorsitzenden Rand Paul in der jetzigen Anhörung vor, "dass das laufende Verfahren lediglich ein Versuch ist, Dr. Fauci eines strafrechtlichen Fehlverhaltens zu bezichtigen". Dies sei nicht der legitime Zweck von Ausschussanhörungen.

Woher kommt die plötzliche Untersuchung? Senator Paul hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Ursprung des Coronavirus zu ermitteln. Im vergangenen Jahr ließ der Vorsitzende des Senatsausschusses dazu Personen aus 14 US-Behörden vorladen. Mit Fauci erschien nun eine der prominentesten Figuren während der Pandemie vor dem Ausschuss.

Paul ist seit Jahren davon überzeugt, dass Fauci die Theorie eines natürlichen Ursprungs des Virus verbreitet hat und damit versuchen wollte zu verschleiern, dass das Virus eigentlich aus einem Labor in der chinesischen Metropole Wuhan kam. Auch US-Präsident Donald Trump glaubt, dass der Wissenschaftler "stets versuchte, China zu beschützen".

Fauci hielt auch Labortheorie für möglich

Kurz vor Faucis Anhörung hatte Paul Auszüge aus Tagebucheinträgen von Fauci veröffentlicht. Laut "Wall Street Journal" schrieb der Immunologe darin etwa im Januar 2020 über chinesische Märkte: "Jetzt wissen wir, dass der Markt nicht der Ursprung, sondern der Verstärker war." Im darauffolgenden Jahr beklagte Fauci dann, dass "radikale Rechte" behaupteten, dass er absichtlich das Virus entwickelt habe, um es dann in die Welt zu setzen.

Im Mai 2021 schrieb er dann: "Ich habe immer gesagt, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass das Virus natürlichen Ursprungs ist und von einem Tier auf den Menschen übergesprungen ist. Angesichts der vielen Spekulationen über ein mögliches Laborleck in den letzten Tagen habe ich jedoch betont, dass niemand, mich eingeschlossen, sich hundertprozentig sicher über den Ursprung ist, und fordere daher eine gründliche Untersuchung."

Bereits im vergangenen Jahr hatte die US-Regierung ihre Einschätzungen zum Ursprung des Coronavirus geändert. Der Direktor des US-Auslandsgeheimdienstes CIA, John Ratcliffe, geht mittlerweile von einer Laborpanne aus. Die CIA schätze, wenn auch mit geringer Sicherheit, dass ein forschungsbedingter Ursprung der Covid-19-Pandemie wahrscheinlicher sei als ein natürlicher Ursprung. Anfang Dezember hatte bereits ein Unterausschuss des US-Repräsentantenhauses einen Bericht vorgelegt, in dem ebenfalls die Labortheorie gestützt wird.

Auch der ehemalige Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, hält die Laborthese mit dem aktuellen Wissensstand für wahrscheinlicher, wie er vor einem Monat der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" sagte. Wieler war während des Corona-Ausbruchs und bis März 2023 RKI-Präsident. Ein eindeutiges Ergebnis liegt bis heute nicht vor.

Trump zieht über Fauci her

Biden hatte im Januar 2025 kurz vor Ende seiner Amtszeit eine Reihe von präventiven Begnadigungen erlassen, unter anderem für Fauci. Biden wollte Trump-Kritiker und -Gegner damit vor möglicher politisch motivierter Strafverfolgung schützen. Trump hatte im Wahlkampf wiederholt Rache gegen politische Gegner angekündigt. Der Republikaner hatte die Begnadigungen nach seinem Amtsantritt nach eigenen Angaben wieder aufgehoben. Er behauptete auf Truth Social, Biden habe diese nicht selbst unterschrieben. Vielmehr seien die entsprechenden Dokumente mit einem Unterschriftenautomaten signiert worden. Belege dafür legte er allerdings nicht vor.

Derweil befeuerte US-Präsident Trump die Debatte um Fauci auf Truth Social. Seiner Meinung nach waren dessen Ideen verrückt. Er habe viel zu viele falsche Entscheidungen getroffen, so Trump. Angeblich habe er Fauci dann "aus dem Spiel genommen". Bis Joe Biden US-Präsident wurde. Angeblich, so behauptete Trump, seien unter Biden mehr Menschen am Coronavirus gestorben als unter seiner Präsidentschaft. Das ist grundsätzlich richtig. Allerdings war Trump nach Ausbruch der Pandemie Anfang März 2020 im Anschluss nur noch rund zehn Monate lang US-Präsident. Joe Biden übernahm im Januar 2021 das Amt und hatte damit deutlich länger mit der Bekämpfung der Pandemie zu tun als sein Vorgänger. Betrachtet man die Sterberate, so ist diese unter Trump deutlich höher gewesen als unter Biden.

Quelle: ntv.de, als/dpa

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