Politik

"USA eng mit Europa verbunden"Rubio schlägt moderate Töne vor seiner Rede in München an

13.02.2026, 16:47 Uhr
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Noch vor Rubios Rede am Samstag treffen sich Bundeskanzler Merz und Außenminister Wadephul mit dem US-Chefdiplomaten. (Foto: picture alliance/dpa/Reuters/Pool)

2025 sorgt US-Vizepräsident Vance in München mit seiner Kritik an Europa für viel Aufregung. Das hat auch zur Folge, dass sich Bundeskanzler Merz von den Vereinigten Staaten distanziert. US-Außenminister Rubio versucht nun bereits vor seiner Rede, die Wogen zu glätten.

US-Außenminister Marco Rubio hat vor seinem Auftritt auf der Münchner Sicherheitskonferenz einen wohlgesinnten Ton angeschlagen. "Die USA sind eng mit Europa verbunden, unsere Zukunft war schon immer eng verknüpft und wird es auch bleiben", sagte Rubio. Er äußerte sich damit deutlich moderater als US-Vizepräsident JD Vance auf der Sicherheitskonferenz 2025. Damals griff Vance die Europäer frontal an. Auch Außenminister Johann Wadephul betonte die Bedeutung der transatlantischen Beziehungen.

Während seiner Eröffnungsrede ist Bundeskanzler Merz nun allerdings auf Distanz zum langjährigen Verbündeten USA gegangen. Durch eine wachsende Entfremdung habe die transatlantische Partnerschaft "offenbar ihre Selbstverständlichkeit verloren, erst in den Vereinigten Staaten, dann auch hier in Europa und auch vermutlich hier im Saal". In seiner Rede rief Merz daher dazu auf, dass sich Europa von einer selbst verschuldeten Abhängigkeit lösen solle, um "eine neue transatlantische Partnerschaft zu begründen."

Ähnlich hatte sich bereits der BDI-Präsident Peter Leibinger auf einer Veranstaltung am Rande der Sicherheitskonferenz geäußert. "Europas Verteidigung muss mit, ohne und gegebenenfalls gegen Washington gedacht und vorbereitet werden", so Leibinger.

Europa mit gemeinsamer Botschaft

US-Vizepräsident Vance hatte 2025 mit seinen scharfen Angriffen Schockwellen ausgesandt. In seiner Rede hatte er unter anderem die Migrationspolitik vieler europäischer Staaten als unkontrolliert bezeichnet und die Praxis vieler europäischer Parteien kritisiert, nicht mit radikalen und extremen Parteien zusammenzuarbeiten. US-Präsident Donald Trump hatte danach einen Zollkonflikt auch mit der EU losgetreten und sogar mit einer Annexion des zum Nato-Partner Dänemark gehörenden Grönland sowie weiteren Zöllen gedroht. Diese Drohung nahm er nach der Ankündigung europäischer Gegenmaßnahmen zurück.

Noch diese Woche hatte der MSC-Vorsitzende Wolfgang Ischinger, ehemaliger deutscher Spitzendiplomat, von einer "Politik der Abrissbirne" gesprochen. Grund dafür sei, dass die US-Administration jahrzehntelange Bindungen und Zugehörigkeiten zu internationalen Organisationen infrage stelle.

Zusammen mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, dem britischen Premierminister Keir Starmer und weiteren europäischen Staats- und Regierungschefs will Bundeskanzler Merz daher eine selbstbewusste Botschaft aussenden, bevor Rubio am Samstagvormittag spricht. Außerdem treffen sich der Bundeskanzler und sein höchster Diplomat am Nachmittag mit dem US-Außenminister.

Mehr Verantwortung in "neuer Ära der Geopolitik"

Kurz nach seiner Ankunft betonte US-Außenminister Rubio nun: "Die alte Welt, die Welt, in der ich aufgewachsen bin, ist verschwunden, und wir leben in einer neuen Ära der Geopolitik. Das wird uns alle dazu zwingen, neu zu überdenken, wie diese aussieht und welche Rolle wir dabei spielen werden", sagte er. Wadephul mahnte: "Wir werden Umbrüche nur bestehen, wenn wir Allianzen bewahren." Er unterstrich wie Nato-Generalsekretär Mark Rutte die Bedeutung des transatlantischen Verteidigungsbündnisses, in dem die Europäer aber mehr Verantwortung übernehmen müssten.

Auch BDI-Präsident Leibinger betonte, dass er sich weiter zur transatlantischen Partnerschaft bekenne und sie erhalten wolle. Er hoffe, dass der Wert dieser Beziehungen zwischen Amerikanern und Europäern "auch in Washington bald wieder klar erkannt und beherzigt wird". Die Europäer könnten sich aber nicht darauf verlassen, dass dies der Fall sei. Stark sei man nur, wenn man die eigenen Grenzen selbst verteidigen könne.

Quelle: ntv.de, gri/rts

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