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Weiter Kämpfe in Berg-Karabach Russland sichert Armenien Hilfe zu

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Ladenbesitzer entfernen Trümmer aus ihrem Geschäft in der beschossenen Hauptstadt Stephanakert.

(Foto: picture alliance/dpa)

Während Armenien und Aserbaidschan über eine friedliche Lösung des Konflikts verhandeln, gehen die Gefechte in Berg-Karabach weiter. Und sie rücken immer näher an die armenische Grenze heran. Regierungschef Paschinjan bittet daher Moskau um Unterstützung.

Moskau hat Armenien im Konflikt um die Südkaukasus-Region Berg-Karabach seine Unterstützung zugesagt. "Russland wird Eriwan alle notwendige Unterstützung leisten, falls es direkt auf armenischem Territorium zu Auseinandersetzungen kommt", erklärte das russische Außenministerium in Moskau. Zuvor hatte der armenische Regierungschef Nikol Paschinjan den russischen Präsidenten Wladimir Putin offiziell um Hilfe gebeten.

Paschinjan verwies demnach darauf, dass die Kämpfe immer näher an die armenische Grenze heranrückten. Er habe Putin um den Beginn "dringender Konsultation" gebeten, teilte das Außenministerium in Eriwan mit. Dabei solle über "Art und Umfang der Hilfe" gesprochen werden, "die die Russische Föderation Armenien zur Verfügung stellen kann, um seine Sicherheit zu gewährleisten".

Putin: Fast 5000 Tote durch Gefechte

Berg-Karabach hatte während des Zerfalls der Sowjetunion einseitig seine Unabhängigkeit erklärt. Darauf folgte in den 90er-Jahren ein Krieg mit 30.000 Toten. Die selbsternannte Republik Berg-Karabach wird bis heute international nicht anerkannt und gilt völkerrechtlich als Teil Aserbaidschans. Sie wird aber mehrheitlich von Armeniern bewohnt.

Der Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan um die umstrittene Kaukasus-Region war Ende September wieder voll entbrannt. Seit Beginn der Kämpfe wurden nach offiziellen Angaben beider Konfliktparteien mehr als 1200 Menschen getötet. Tatsächlich dürfte die Zahl der Toten aber deutlich höher liegen. Putin hatte vergangene Woche von fast 5000 Toten durch die Gefechte gesprochen.

Beobachter fürchten, dass sich der Konflikt zu einem Stellvertreterkrieg zwischen Russland und der Türkei im Kaukasus ausweiten könnte. Die Türkei unterstützt in dem Konflikt das Nachbarland Aserbaidschan. Russland unterhält gute Beziehungen zu beiden Seiten, gilt aber als militärische Schutzmacht Armeniens und unterhält dort eine Militärbasis. Ein Vertrag regelt, in welchen Fällen Moskau seinen Verbündeten bei einer Bedrohung unterstützt.

Hauptstadt erneut beschossen

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Versuche der internationalen Gemeinschaft, eine dauerhafte Waffenruhe zu erreichen, scheiterten bislang. Eine von Russland, Frankreich und den USA vermittelte Feuerpause scheiterte bereits kurz nach ihrem Inkrafttreten am Montag. Die Behörden in der Südkaukasus-Region meldeten am Samstag einen Beschuss der Hauptstadt Stephanakert und der Stadt Schuschi. Sie machten Aserbaidschan dafür verantwortlich. Bei Twitter verbreitete Fotos zeigten zerstörte Fenster und Türen eines Hauses. In Stephanakert seien ein Markt und ein Wohnhaus angegriffen, in Schuschi Bewohner verletzt worden, hieß es.

Bei Gesprächen in Genf hatten sich Armenien und Aserbaidschan am Freitag nicht auf eine neue Feuerpause einigen können. Der armenische Außenminister Sohrab Mnatsakanjan und sein aserbaidschanischer Kollege Jeyhun Bayramow einigten sich nach Angaben der Vermittler aber darauf, nicht mehr gezielt Zivilisten anzugreifen. Auch über die Bergung von Toten und einen möglichen Gefangenenaustausch wurde den Angaben zufolge gesprochen.

Quelle: ntv.de, chf/dpa/AFP