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Elektronischer Seefernaufklärer vom Typ Il-20 beim Start: Russland vermisst eine Maschine über dem Mittelmeer (Archivbild).
Elektronischer Seefernaufklärer vom Typ Il-20 beim Start: Russland vermisst eine Maschine über dem Mittelmeer (Archivbild).(Foto: © Kirill Naumenko, Moscow City Spotters (CC BY-SA 3.0))
Dienstag, 18. September 2018

Vor Syriens Küste abgeschossen?: Russland vermisst Militärflugzeug

Brisanter Zwischenfall vor der syrischen Küste: Über dem östlichen Mittelmeer reißt der Kontakt zu einem Aufklärungsflugzeug der russischen Streitkräfte ab. In der Nähe sollen israelische Kampfjets operiert haben. Die Suche nach der 15-köpfigen Besatzung dauert an.

Ein elektronischer Seefernaufklärer der russischen Streitkräfte ist über dem Mittelmeer vom Radar verschwunden. Zu befürchten sei, dass das Militärflugzeug abgestürzt ist. An Bord der viermotorigen Maschine vom Typ Iljuschin Il-20 sollen sich neuesten Informationen zufolge insgesamt 15 Besatzungsmitglieder befunden haben.

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Das Flugzeug sei am späten Montagabend ohne Vorwarnung von den Radarschirmen der russischen Luftraumüberwachung verschwunden, wie ein Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums in Moskau laut Angaben der Nachrichtenagentur Tass bestätigte. Russland habe eine Suche nach dem rund 36 Meter langen Turboprop-Flieger eingeleitet. Die Such- und Rettungsaktion wird demnach von der russischen Militärbasis Hmeimim in Syrien geleitet.

Die Umstände des Vorfalls sind noch unklar. Jedoch gehen russische Stellen offenbar nicht von einem Unfall, sondern von einem Abschuss der Maschine aus. Das Flugzeug sei plötzlich nicht mehr zu orten gewesen, hieß es aus Moskau. Spekuliert wird über die politisch brisante Frage, inwieweit Streitkräfte anderer Staaten in den Zwischenfall verstrickt sein könnten.

Zum fraglichen Zeitpunkt hätten israelische Kampfjets des Typs F-16 Ziele in der syrischen Küstenprovinz Latakia angegriffen, erklärte der Mitarbeiter des russischen Verteidigungsministeriums. Außerdem habe die französische Fregatte "Auvergne" in dem Seegebiet zur gleichen Zeit Raketen abgefeuert. Um welche Art von Raketen es sich dabei gehandelt haben soll, blieb in den russischen Darstellungen offen.

Von der syrischen Flugabwehr getroffen?

Das syrische Staatsfernsehen berichtete ebenfalls von einem Angriff durch Raketen oder Marschflugkörper, die von mehreren Stellen auf See aus in Richtung der syrischen Küstenprovinz abgefeuert worden seien. Die syrische Luftabwehr habe die Geschosse jedoch vor Latakia abgefangen. Dabei könnte den regimetreuen Truppen ein Fehler unterlaufen sein: Wie es in einem Bericht von CNN heißt, dürfte der russische Seefernaufklärer versehentlich in das Feuer syrischer Flugabwehrkanonen geraten sein.

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Der Kontakt zu dem russischen Militärflieger sei gegen Mitternacht Moskauer Zeit (23.00 Uhr MESZ) abgerissen, hieß es aus Moskau. Das Flugzeug habe sich zu diesem Zeitpunkt auf dem Rückweg zur Basis Hmeimim nahe der Küste im Westen Syriens befunden. Die russischen Streitkräfte unterhalten dort ihre wichtigste Luftwaffenbasis zur Unterstützung der Regierungstruppen in Syrien. Auch das Hauptquartier des russischen Militärkontingents in Syrien befindet sich hier. Der Einsatz des Seefernaufklärers diente offenbar dazu, den Luftraum im syrischen Küstengebiet elektronisch zu überwachen.

Wie es bei CNN weiter heißt, wurde das US-Militär auf den brisanten Vorfall in der Region erst durch Notrufe aufmerksam, die über die internationale Seenotfrequenz empfangen wurden. Zum fraglichen Zeitpunkt befanden sich demnach tatsächlich vier israelische F-16-Kampfjets über Syrien im Einsatz. Das israelische Militär wollte zu dem Vorfall keine Stellungnahme abgeben. US-Einheiten waren an den Raketenschlägen auf Bodenziele in Syrien angeblich nicht beteiligt.

Tote und Verletzte am Boden

Nach Informationen der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte galten die Raketenschläge einem Waffenlager in der syrischen Küstenprovinz Latakia. Den Aktivisten zufolge kamen mindestens zwei Soldaten bei dem Luftangriff ums Leben. Zehn weitere Soldaten der syrischen Regierungstruppen seien zudem verletzt worden, hieß es. Die Beobachtungsstelle unterhält ein Netz aus Informanten vor Ort.

Die nächtlichen Luftschläge seien offenbar gegen ein Waffendepot nahe eines Industriegebiets außerhalb der Stadt Latakia gerichtet gewesen, hieß es. Die Aktivisten gingen davon aus, dass Israel für den Angriff verantwortlich ist. Augenzeugen des Angriffs berichteten, die Raketen seien aus Richtung des Mittelmeers gekommen. Die israelische Armee wollte sich auch dazu nicht äußern. "Wir kommentieren keine Berichte in ausländischen Medien", sagte eine Sprecherin.

Die Küstenprovinz Latakia am Mittelmeer ist eine der wichtigsten Hochburgen der Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Östlich der Provinzhauptstadt Latakia waren Anwohnern zufolge am späten Montagabend eine Reihe von Explosionen zu hören. Ein Feuer brach aus. Aus Militärkreisen hieß es, insgesamt drei Stellungen seien angegriffen worden, darunter eine Tankstelle und ein wissenschaftliches Forschungszentrum.

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete, feindliche Raketen seien von der Küste aus auf die Stadt Latakia abgefeuert worden. Raketenabwehrsysteme der Regierung hätten einige von ihnen abfangen können.

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Quelle: n-tv.de