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Saudisches Konsulat durchsucht Saudi-Arabien will Tod Khashoggis zugeben

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Bei der Durchsuchung des saudi-arabischen Konsulats in Istanbul wurden Bodenproben und eine Metalltür sichergestellt.

(Foto: REUTERS)

Seit zwei Wochen ist der regimekritische Journalist Jamal Khashoggi verschwunden. Zuletzt wurde er im Konsulat Saudi-Arabiens in Istanbul gesehen. Kam er dort ums Leben? Berichten zufolge will Riad nun genau das einräumen.

Saudi-Arabien steht Medienberichten zufolge vor dem Eingeständnis, dass der verschwundene Journalist Jamal Khashoggi bei einem schief gelaufenen Verhör ums Leben gekommen sei. Eine entsprechende Erklärung sei in Arbeit, berichteten der US-TV-Sender CNN und die "New York Times" unter Berufung auf Insider.

Im Zusammenhang mit dem Verschwinden des regimekritischen Journalisten wurde ab Montagabend das saudi-arabische Konsulat in Istanbul durchsucht. Nach neun Stunden verließen die Teams türkischer und saudi-arabischer Ermittler am Dienstagmorgen die diplomatische Vertretung wieder.

Bei der Durchsuchung waren auch Experten zur Spurensicherung mit vier Spezialfahrzeugen vor Ort. Sie stellten Bodenproben aus dem Garten des Konsulats und eine Metalltür zur weiteren Untersuchung sicher. Außerdem seien laut staatlicher Nachrichtenagentur Anadolu zwei Müllwagen der Gemeinde ins Konsulat gefahren, unklar war zunächst warum. Auch ein Spürhund der Polizei war im Einsatz.

Von Sonderkommando getötet?

Die türkischen Behörden gehen nach Medienberichten davon aus, dass er von einem aus Saudi-Arabien angereisten Sonderkommando getötet wurde. Es soll demnach Video- und Tonaufnahmen von dem Mord geben. Eine offizielle Erklärung haben die türkischen Ermittler aber bislang nicht abgegeben.

US-Außenminister Mike Pompeo reiste auf Geheiß von Präsident Donald Trump nach Saudi-Arabien, um mit König Salman über den Fall zu sprechen. Der zuletzt in den USA lebende Khashoggi ist seit einem Besuch des saudi-arabischen Konsulats in Istanbul am 2. Oktober verschwunden. Die Türkei beschuldigt Saudi-Arabien, Khashoggi getötet und seine Leiche fortgeschafft zu haben. Die Regierung in Riad hat dies zurückgewiesen. Trump hatte Saudi-Arabien mit ernsten Konsequenzen gedroht. Er entsandte am Montag Pompeo nach Riad.

CNN berichtete, Saudi-Arabien bereite eine Erklärung vor, dass Khashoggi ohne Genehmigung verhört worden sei. Demnach soll das Verhör des "Washington Post"-Kolumnisten außer Kontrolle geraten und der Regierungskritiker dabei gestorben sein. Die Verantwortlichen sollten zur Rechenschaft gezogen werden. CNN berichtete unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen, der Plan sei gewesen, den Saudi zu entführen, aber nicht zu töten.

Kronprinz Salman für Verhör?

Die "New York Times" berichtete dagegen, dass Kronprinz Mohammed bin Salman einem Verhör oder einer Überstellung von Khashoggi zurück nach Saudi-Arabien zugestimmt habe. Die Regierung in Riad wolle den Prinzen schützen, indem sie einen Geheimdienstmitarbeiter für den vermasselten Einsatz verantwortlich mache, hieß es in dem Blatt weiter.

Das Versprechen zur Durchsuchung des Konsulats hatte die saudi-arabische Regierung nach türkischen Angaben schon vergangene Woche gegeben, zunächst aber nicht erfüllt. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Sonntagabend erstmals mit dem saudischen König Salman am Telefon über das Verschwinden des saudischen Journalisten gesprochen. US-Präsident Donald Trump telefonierte ebenfalls mit Salman.

An den saudi-arabischen Märkten sorgt der Fall für Unruhe, da er Befürchtungen nährt, ausländische Investoren könnten sich aus dem Königreich zurückziehen. Die saudi-arabische Währung stürzte am Montag auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren, und auch die Anleihenkurse gaben nach.

Quelle: n-tv.de, cam/rts/dpa

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