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Kriegerische Doppelbelastung Schulden bedrohen US-Sicherheit

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Die Militäreinsätze werden mehr und mehr zu einer Bürde für die USA.

(Foto: AP)

Der Kampf gegen den Terror kostet die USA Billionen Dollar. Der Staatshaushalt, zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September fast ausgeglichen, liegt heute tief im Minus. Die Folgen der Überschuldung nehmen das Land schwer mit.

Im Namen des "Krieges gegen den Terror" schickte der frühere US-Präsident George W. Bush nach den Anschlägen vom 11. die Streitkräfte seines Landes nacheinander auf zwei Schlachtfelder. Im Oktober 2001 begann der Einsatz in Afghanistan, im März 2003 der Angriff auf den Irak. In beiden Ländern hoffte die Bush-Regierung auf einen schnellen Sieg, doch sowohl am Hindukusch als auch im Zweistromland verstrickte sich die mächtigste Militärmaschine der Welt in zähe Kämpfe. Für die USA sind die Feldzüge über die zehn Jahre hinweg zu einer immer größeren Bürde auch finanzieller Art geworden - die teuren Militäreinsätze haben ihren Teil zur Schuldenkrise beigetragen.

Als Folge der kriegerischen Doppelbelastung hat sich das US-Verteidigungsbudget stark aufgebläht. Für 2011 hat das Pentagon 685 Milliarden Dollar, rund 480 Milliarden Euro, veranschlagt, das entspricht etwa 40 Prozent der weltweiten Militärausgaben. Statistiken der Weltbank zufolge haben die USA gemessen an der Wirtschaftskraft eines der höchsten Militärbudgets der Welt: Im Jahr 2009 verschlang die Armee 4,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Nur wenige Länder, vor allem Staaten im Pulverfass Nahost wie Israel und Saudi-Arabien, verwenden einen noch höheren Anteil ihres BIP auf die Verteidigung.

Haushalt tief im Minus

Von der Spendierfreudigkeit im Pentagon profitierte vor allem die Rüstungsindustrie in den USA. Unternehmen wie Boeing, Lockhead Martin und Raytheon erhielten ständig neue Großaufträge. "Die für Waffenkäufe ausgegebenen Summen sind in den vergangenen zehn Jahren enorm angestiegen", sagt Loren Thompson von der in der Rüstungsbranche tätigen Beratungsfirma Source Associates.

Für die USA insgesamt lief es dagegen weniger gut. Der Staatshaushalt, der zum Zeitpunkt der Anschläge vom 11. September so gut wie ausgeglichen war, liegt heute tief im Minus. Angesichts der Schuldenlast entzog die Ratingagentur Standard & Poor s den USA Anfang August erstmals in der Geschichte die Bestnote für die Kreditwürdigkeit.

Forscher der Brown University in Providence im Bundesstaat Rhode Island berechneten die vergangenen und künftigen Kosten der Kriege in Afghanistan und im Irak sowie der Drohneneinsätze in Pakistan auf zwischen 3,2 und vier Billionen Dollar. Der Wirtschaftswissenschaftler Ryan Edwards kam in einer im Juni veröffentlichten Studie zu den ökonomischen Folgen von 9/11 zu dem Schluss, dass der Schuldenstand der USA gemessen am BIP ohne die Kriege heute um neun bis zehn Prozentpunkte niedriger liegen würde.

Überschuldung als nationale Bedrohung

Das Budget des Pentagon beträgt mittlerweile ein Fünftel der jährlichen Staatsausgaben. Über Jahre verwöhnte die Politik die Verantwortlichen der Streitkräfte und finanzierte großzügig die Militäreinsätze. Der Kongress habe regelmäßig sogar Gelder über das bereits sehr hoch veranschlagte Verteidigungsbudget der Regierung hinaus bewilligt, sagt der Verteidigungsexperte William Hartung von der Denkfabrik New America Foundation. Afghanistan und Irak waren dabei nicht der einzige dicke Posten im Verteidigungshaushalt: Wegen der terroristischen Bedrohung führte das Pentagon eine Reihe aus der Zeit des Kalten Krieges stammender Sicherheitsprogramme fort und schuf zugleich eine Vielzahl neuer Abteilungen.

Weite Teile der politischen Klasse in Washington trugen die ständige Ausweitung des Verteidigungsbudgets mit - nicht zuletzt weil sich Kritiker schnell dem Vorwurf des mangelnden Patriotismus ausgesetzt sehen. Doch von den nun geplanten Sparmaßnahmen bleibt auch das Pentagon nicht verschont. Außerdem setzt bei den Militärs ein Umdenken ein. Der Generalstabschef der US-Armee, Admiral Mike Mullen, bezeichnete die Überschuldung kürzlich als die "größte Bedrohung für unsere nationale Sicherheit".

Quelle: n-tv.de, Hugues Honoré, AFP

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