Politik

Reaktionen auf die Landtagswahl Schulz ärgert sich, Kraft will kämpfen

Mit dieser Schlappe hat die SPD nicht gerechnet, das zeigt sich an den ersten Reaktionen. Parteichef Schulz ärgert sich "höllisch". NRW-Spitzenkandidatin Kraft hofft, dass es bei ihr anders läuft. Ihr Konkurrent von der CDU spürt Rückenwind aus dem Norden.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat das schlechte Wahlergebnis seiner Partei in Schleswig-Holstein betroffen aufgenommen. "Ich ärgere mich höllisch", sagte Schulz. "Das ist etwas, was unter die Haut geht und was uns traurig macht. Wir hatten alle mit einem besseren Ergebnis gerechnet." Der CDU-Kandidat Daniel Günther habe eine "beachtliche Aufholjagd hingelegt", sagte Schulz. Für den Vorsprung von sechs bis sieben Prozentpunkten gebührten ihm Glückwünsche.

Der Vorsitzende der SPD-Bundestagfraktion, Thomas Oppermann, forderte eine rasche Aufarbeitung der Niederlage. "Die Fehler, die in Schleswig-Holstein gemacht wurden, müssen jetzt schnell analysiert werden", sagte Oppermann den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Es handele sich um eine "schwere Niederlage". Die SPD habe die Wahl "in den letzten zwei, drei Wochen verloren".

Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel zeigte sich ebenfalls tief enttäuscht über den Ausgang der Landtagswahl. "Wir sind in Schleswig-Holstein angetreten, um stärkste Kraft zu werden. Dieses Ziel haben wir nicht erreicht", sagte er der Funke Mediengruppe. "Ein Ergebnis ist immer bitter, wenn man als Favorit reingeht und auf Platz 2 landet." Allerdings fange der Bundestagswahlkampf erst an.

Auch Schulz gab sich mit Blick auf die Bundestagswahl im September kämpferisch. "Man verliert schon mal Etappen", sagte Schulz in der Parteizentrale in Berlin. "Aber es kommt am Ende auf den langen Atem für den Gesamtsieg an. Und deshalb: Die SPD steckt solche Abende weg." Er rief seine Partei auf, sich nun auf die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am kommenden Sonntag zu konzentrieren. "Da haben wir ab morgen die Arbeit vor uns." Es gehe darum, "den Zusammenhalt in diesem Land" zu bewahren. Dafür stehe die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft.

SPD und CDU in Nordrhein-Westfalen fast gleichauf

Hannelore Kraft bezeichnete das Ergebnis der Wahl in Schleswig-Holstein als "bittere Niederlage und eine schwere Enttäuschung für die SPD". Da gebe es nichts zu beschönigen, erklärte Kraft. Die NRW-SPD werde die kommenden sieben Tage bis zur Landtagswahl nutzen und "rund um die Uhr kämpfen". Es komme jetzt vor allem darauf an, die vielen noch unentschiedenen Wähler zu erreichen.

Bei der SPD-Niederlage an der Küste hätten "spezielle Gegebenheiten vor Ort eine wichtige Rolle gespielt", sagte Kraft. "Schleswig-Holstein ist nicht Nordrhein-Westfalen." Auch in Nordrhein-Westfalen ist eine Fortsetzung der rot-grünen Koalition Umfragen zufolge zweifelhaft. SPD und CDU in NRW liegen Umfragen zufolge etwa gleichauf.

Der CDU-Spitzenkandidat in NRW, Armin Laschet, kündigte an, er wolle bis zuletzt für einen Sieg am kommenden Sonntag arbeiten. "Dieser starke Rückenwind aus dem Norden befeuert uns, noch einmal alles zu geben, damit der Wechsel auch in Nordrhein-Westfalen gelingt", sagte Laschet. "Wir kämpfen um Platz 1."

Günther will mit FDP reden

Der abgewählte schleswig-holsteinische SPD-Ministerpräsident Torsten Albig sagte in Kiel, er trage die Verantwortung für das Wahlergebnis. "Wir werden in den nächsten Wochen und Monaten sehen, wer die nächste Regierung führt", sagte er. Zur Möglichkeit einer von ihm geführten Ampel-Koalition mit Grünen und FDP sagte Albig: "Wenn es uns weiter braucht als SPD, was wir heute noch gar nicht sehen, werden wir auch das machen."

Der Wahlsieger, CDU-Spitzenkandidat Daniel Günther, kündigte an, er wolle versuchen, mit der FDP eine Koalition in Schleswig-Holstein zu schmieden. "Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich die FDP als Wunsch-Koalitionspartner habe, aber immer auch für Gespräch mit den Grünen zur Verfügung stehe und an der Prioritätensetzung hat sich auch heute Abend nichts geändert", sagte Günther im ZDF. Nach ersten Hochrechnungen von fehlt einem rein schwarz-gelben Bündnis zunächst jedoch noch eine Mehrheit.

FDP-Spitzenkandidat Wolfgang Kubicki freute sich über den gestoppten Hype um SPD-Chef Schulz. "Und wenn es je einen Schulz-Hype gegeben haben sollte, der mehr war als ein medialer Hype, dann ist Herrn Schulz in Schleswig-Holstein die Luft rausgelassen worden", sagte Kubicki.

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Quelle: n-tv.de, nsc/dpa/rts/AFP

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