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Stellungnahme zu Datendiebstahl Seehofer lobt Effizienz der Sicherheitsbehörden

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Sind durchaus zufrieden mit der Arbeit ihrer Behörden (von links): Holger Münch, Horst Seehofer und Arne Schönbohm.

(Foto: picture alliance/dpa)

Rund 48 Stunden nach Bekanntwerden des Hackerangriffs, von dem Hunderte Politiker und Prominente betroffen sind, nehmen die Behörden einen Tatverdächtigen fest. Für Innenminister Seehofer ist das Vorgehen der zuständigen Ermittler löblich.

Innenminister Horst Seehofer hat sich nach der vorübergehenden Festnahme eines 20-Jährigen im Zusammenhang mit der Online-Attacke auf Politiker und Prominente gegen den Vorwurf zu langer Untätigkeit gewehrt. Die zuständigen Behörden hätten "sehr rasch, sehr effizient und sehr gut rund um die Uhr gehandelt", betonte der CSU-Politiker in Berlin bei einem gemeinsamen Auftritt mit dem Präsidenten des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Arne Schönbohm, und dem Präsidenten des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch.

Der Tatverdächtige sei schon am vergangenen Sonntag identifiziert worden, sagte Seehofer weiter. "Wir machen in so wichtigen Angelegenheiten also unsere Arbeit." Zugleich betonte der Innenminister, die Löschung der von dem mutmaßlichen Täter ins Internet gestellten Daten dauere weiterhin an. Da eine Verbreitung durch Dritte allerdings nicht auszuschließen ist, dürften wohl einige Informationen niemals vollständig zu löschen sein.

Der verdächtige 20-Jährige soll über das inzwischen gesperrte Twitter-Konto @_0rbit im Dezember zahlreiche persönliche Daten von knapp 1000 Politikern und Prominenten als eine Art Adventskalender veröffentlicht haben. Die verschiedenen involvierten Behörden bekamen nach Aussage Seehofers auf unterschiedlichen Wegen am vergangenen Donnerstagabend von dem Vorfall Kenntnis. BKA-Chef Münch zufolge meldete sich das Büro der SPD-Vorsitzenden Andrea Nahles, um auf ein Datenleck aufmerksam zu machen.

Noch in der Nacht seien dann das BSI, BKA und andere Behörden umfassend involviert gewesen. Landesbehörden und die Parteien wurden wenige Stunden später informiert. Am nächsten Vormittag sei bei Twitter auf die Deaktivierung der Accounts hingewirkt worden, die mit der Datenverbreitung in Verbindung standen. Diesem Ersuchen sei der Kurznachrichtendienst rund anderhalb Stunden später nachgekommen.

Keine Schadsoftware eingesetzt

Am Wochenende sei man dann durch verschiedene Vernehmungen dem Tatverdächtigen auf die Spur gekommen. "Wir kannten ihn am Sonntagmittag", berichtete Münch. Der Mann war nach der Durchsuchung seiner Wohnung am selben Abend zunächst vorläufig festgenommen worden, wurde nach einem umfassenden Geständnis wegen fehlender Haftgründe am Montagabend aber wieder auf freien Fuß gesetzt.

In seiner Vernehmung offenbarte der 20-Jährige, er habe im gesamten vergangenen Jahr Daten gesammelt. Als Motiv nannte er Münch zufolge eine Unzufriedenheit angesichts der Äußerungen mancher Politiker. In der Folge habe er verschiedene Accounts gehackt. "Er setzte dabei keine Schadsoftware ein", so Münch. Demnach habe er gewisse Methoden angewandt, um Passwörter zu überwinden.

Nach Angaben des BSI wurden mehrere Gigabyte Daten sichergestellt. Insgesamt seien 425 Personen im Umfeld der CDU/CSU von dem Diebstahl betroffen. Bei der SPD seien es 318, bei der Linken 112, bei den Grünen 111 und bei der FDP 28. AfD-Politiker seien nach bisherigen Erkenntnissen nicht unter den Opfern. "Die Größenordnung des Vorfalls ist durchaus bemerkenswert", sagte Schönbohm. Insbesondere im Hinblick auf den betroffenen Personenkreis und die Daten, die veröffentlicht wurden. So seien bei 116 Personen Dokumente online gestellt worden, bei 878 lediglich Telefonnummern, Anschriften oder E-Mail-Adressen.

Sicherheitslage bleibt gleich

Durch die massenhafte Veröffentlichung der privaten Daten hat sich die Sicherheitslage in Deutschland nach Behördeneinschätzung allerdings nicht geändert. Die Sicherheit bei den Bundesbehörden, in Verwaltung und Bundestag sei nach bisherigen Erkenntnissen nicht gefährdet gewesen, sagte Seehofer. Absolute Sicherheit könne gerade im Bereich der Cybersicherheit jedoch nicht versprochen werden. Jeder Bürger müsste sich der individuellen Verletzlichkeit bewusst sein, so Seehofer. "Im privaten Bereich trägt jeder selbst Verantwortung", so der Minister.

In Zukunft solle aber verstärkt auch auf Frühwarnsysteme und eine entsprechende präventive Arbeit hingewirkt werden. Es werde ein höchst mögliches Maß an Sicherheit aufgrund neuer Möglichkeiten und technischer Erkenntnisse, angestrebt. "Im ersten Halbjahr soll ein IT-Sicherheitsgesetz 2.0 das Bundeskabinett passieren", kündigte Seehofer an.

Quelle: n-tv.de, fzö/dpa

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