Politik

Völkermord-Vorwurf Serbien verklagt Kroatien

Von 1991 bis 1995 tobte im ehemaligen Vielvölkerstaat Jugoslawien der Bürgerkrieg. Der serbische Staatschef Tadic kündigt nun an, Kroatien vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag zu verklagen. Der Nachbar war seinerseits bereits 1999 vor das Gericht gezogen – gegen Serbien.

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Boris Tadic ist in seiner zweiten Amtszeit und gilt als liberal.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Das Juristenteam Serbiens habe im Dezember die Vorbereitungen für die Klage vor dieser höchsten Rechtsinstanz der UN abgeschlossen, sagte Boris Tadic. Serbien legt seinem Nachbarn Völkermord während des Bürgerkrieges (1991-1995) zur Last, in dem weit über 200.000 Serben vertrieben worden waren.

Es handelt sich um eine Gegenklage Serbiens vor dem IGH, der für Konflikte zwischen Staaten zuständig ist. Kroatien hatte seinerseits schon 1999 eine Völkermordklage gegen Belgrad eingereicht, die von diesem Gericht im Jahr 2008 angenommen worden war. Darin wird Serbien beschuldigt, mit so genannten ethnischen Säuberungen und schwersten Kriegsverbrechen Völkermord begangen zu haben. Im Krieg sind nach Zagreber Darstellung wenigstens 20 000 Kroaten umgekommen. ein Urteil steht noch aus.

Serbien handelt gegen Empfehlung der EU

Die Europäische Gemeinschaft (EU) und die USA hatten Serbien gedrängt, auf die jetzt bekanntgegebene Gegenklage zu verzichten, weil dadurch die ohnehin angespannte Lage zwischen den beiden Nachbarn nochmals verschärft wird. Serbien liegt ohnehin auch mit einigen Nachbarn wie Bosnien und Montenegro über Kreuz.

Vor knapp drei Jahren hatte der IGH eine Völkermordklage Bosnien-Herzegowinas gegen Serbien abgewiesen. Es könne kein direkter Befehl Belgrads zum Massaker an bis zu 8000 muslimischen Männern und Jungen im ostbosnischen Srebrenica im Jahr 1995 nachgewiesen werden, hatte das Gericht geurteilt. Serbien habe jedoch nicht genügend getan, um dieses größte Kriegsverbrechen seit 1945 zu verhindern.

Quelle: n-tv.de, dpa