Politik

Ex-Abgeordneter verurteilt Sex-Telefonate auf Staatskosten

Der Anruf bei Sex-Hotlines kann einen Mann teuer zu stehen kommen. Das musste jetzt auch der frühere CSU-Landtagsabgeordnete Hans Wallner erfahren - und zwar im doppelten Sinne.

Wegen seiner Sex-Telefonate auf Kosten des bayerischen Steuerzahlers verurteilte ihn das Landgericht München zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr. Außerdem muss Wallner 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und mit Monatsraten von 50 Euro den Schaden von 26.800 DM ersetzen. Mit seiner Entscheidung bestätigte das Landgericht ein Urteil des Amtsgerichts.

Der ehemalige Abgeordnete aus dem niederbayerischen Deggendorf hatte von Januar bis April 1997 von seinem Parlamentsappartement im Landtag 405 Mal mit Flirthotlines telefoniert. Im April 1999 wurde er deshalb in erster Instanz wegen Betruges verurteilt. Sowohl der 51-jährige Politiker als auch die Staatsanwaltschaft gingen in Berufung.

Der Vorsitzende Richter Alois Hundhammer sagte, der Fall sei "eine menschliche Tragödie", es gehe "nicht um die Aburteilung eines Sexmonsters". Strafmildernd habe sich der "Suchtcharakter" seiner Straftaten ausgewirkt. Wallners Hemmungsvermögen sei erheblich gestört. Aber der 1998 von der CSU nicht wieder als Landtagskandidat nominierte Politiker sei ein "ehrenwerter, tüchtiger" Mann, sagte Hundhammer.

Besonders brisant: Das Gericht kam zu dem Schluss, dass Wallner nach Bekanntwerden seiner Sex-Telefonate fünf vernommene Zeugen zu einer Falschaussage angestiftet und damit "ein Komplott geschmiedet" habe. Die Zeugen hatten dem Angeklagten ein Alibi verschaffen sollen.

Wallner und die Staatsanwaltschaft prüfen eine Revision des Urteils.

Quelle: n-tv.de