Politik

CDU-Chef Laschet will auch Söder: "Ich bin bereit zu dieser Kandidatur"

Das Rätselraten hat ein Ende: CSU-Chef Markus Söder will tatsächlich Kanzlerkandidat von CDU und CSU werden - wenn denn die große Schwesterpartei ihn will. Da aber auch der CDU-Vorsitzende Laschet weiterhin die Kandidatur anstrebt, bleibt die Frage vorerst ungeklärt.

Das Schattenduell in der Union um die Kanzlerschaft ist ab diesem Sonntag ein offizielles Wettringen: "Ich bin bereit zu dieser Kandidatur", sagte CSU-Chef Markus Söder während einer Pause der Klausurtagung des geschäftsführenden Unionsfraktionsvorstands. Söder begründete seine Bereitschaft damit, dass ihn "unglaublich viele Menschen aus beiden Parteien und auch darüber hinaus" darauf angesprochen hätten. Wenn dies Partei und Fraktion und die Mitglieder wollen, dann ist das für mich dann auch eine klare Sache, dass man dann nicht kneifen darf." Söder und der CDU-Vorsitzende Armin Laschet, der seine bekannte Bereitschaft zur Kandidatur bekräftigte, beteuerten, die Entscheidung in Einigkeit treffen zu wollen.

Damit bestätigte Bayerns Ministerpräsident Informationen von ntv und anderen Medien, dass er zuvor vor der Fraktionsspitze erstmals sein Interesse offiziell gemacht hat. "Wenn die CDU bereit wäre, mich zu unterstützen, wäre ich bereit. Wenn die CDU es nicht will, bleibt ohne Groll eine gute Zusammenarbeit", sagte Söder während der Klausurtagung, wie ntv aus Teilnehmerkreisen erfuhr. Laschet sagte demnach in der Runde: "Es gibt zwei potenzielle Kandidaten. Wir haben uns gegenseitig attestiert, dass wir es beide könnten. Und: "Wir werden die Frage gut, miteinander auch in persönlicher Wertschätzung, die es gegenseitig gibt beantworten. Wichtig ist Rückendeckung der Parteien und Geschlossenheit der Union." Anschließend traten Laschet und Söder sowie Fraktionschef Ralph Brinkhaus und der CSU-Landesgruppechef Alexander Dobrindt gemeinsam vor die Presse.

Söder bekräftigt Bereitschaft

"Die Umfragen zeigen, es ist deutlich Luft nach oben", sagte Söder mit Blick auf die näher rückende Bundestagswahl. "Deswegen kommt es jetzt schon darauf an, die Weichen richtig zu stellen." Er und Laschet hätten miteinander geredet. "Das Gespräch war nicht abschließend", sagte Söder. "Wir haben festgestellt, dass beide geeignet und beide bereit sind."

In allen Umfragen ist der Politiker Söder deutlich beliebter als Laschet und liegt anders als Laschet auch im direkten Vergleich zu beiden möglichen Grünen-Kandidaten, Annalena Baerbock und Robert Habeck, vorn. Söder erinnerte vor Journalisten an eine Interview-Aussage Laschets, die er "wichtig und beeindruckend" gefunden habe: "Es soll dann am Ende derjenige Kanzlerkandidat sein, der die besten Wahlchancen für unsere gemeinsame Idee hat", zitierte Söder seinen Konkurrenten. "Die Parameter kann jeder unterschiedlich interpretieren", sagte Söder weiter. "Ich jedenfalls kann für mich sagen, ich bin bereit zu dieser Kandidatur."

Schnelle Entscheidung gefordert

Die Spitzen der Gemeinschaftsfraktion aus CDU und CSU waren am Sonntag mit Laschet, Söder und Kanzlerin Angela Merkel zusammengekommen. Laschet und Söder diskutierten unter dem Motto "Wie gestalten wir die Zukunft?" mit den Abgeordneten. Zuvor hatten sowohl Laschet als auch Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus, CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sowie die CDU-Ministerpräsidenten Volker Bouffier und Michael Kretschmer eine schnellstmögliche Entscheidung angemahnt.

Am Montagvormittag kommt das CDU-Präsidium zusammen - und zwar ausnahmsweise persönlich. Das deutet darauf hin, dass Laschet die Unterstützung seiner Parteispitze suchen wird. "Ich würde ungern dem, was das Präsidium berät, vorgreifen", sagte Laschet auf die Frage, ob er sich bei der Sitzung die Unterstützung seiner Partei zur Kandidatur einholen wolle. Söder kündigte an, dass das CSU-Präsidium ebenfalls am Montagabend zusammenkomme.

"Unser Hauptgegner ist klar definiert: Das sind die Grünen im Wettbewerb um die Nummer eins, die Kanzlerschaft", sagte Söder. Es brauche deshalb ein modernes Programm, in dem "ein Stück weit eine neue Union zu definieren ist", und einen zum Programm passenden Kandidaten. "Personen sind nicht alles, aber spielen eine unglaublich wichtige Rolle." Söder sagte weiter: "Inhaltlich haben wir keine Differenzen, ganz im Gegenteil." Und, egal wie die Entscheidung ausgehe: "Wir werden beide sehr, sehr gut persönlich zusammenarbeiten", sagte Söder.

Beide betonen Einigkeit

Söder und Laschet betonten beide, dass sie die Parteien zusammenführen und nicht spalten wollten. "Das, was für mich, glaube ich, ganz entscheidend ist: Wir sind nicht Helmut Kohl und Franz Josef Strauß ; schon optisch nicht und auch inhaltlich nicht", sagte Söder mit Blick auf die legendäre aber auch den Zusammenhalt der Union gefährdende Rivalität der beiden Partei-Ikonen in den 80er Jahren. "Wir wollen am Ende dieses Prozesses keine Spaltung, sondern Geschlossenheit", sagte Söder.

Laschet erinnerte daran, dass er die vergangenen Wochen seit seiner Wahl zum CDU -Vorsitzenden für die "Kraftanstrengung" genutzt habe, die Partei zu einigen. "Mein Ziel war es, alle so zusammenzuführen, dass die CDU geschlossen in diese Wahl gehen kann", sagte der NRW-Ministerpräsident. "Das ist keine Selbstverständlichkeit."

Schäuble gegen Fraktionsentscheid

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble sprach sich während des Treffens dagegen aus, der Fraktion die Entscheidung zwischen den Kandidaten zu überlassen. Dies wäre ein großer Fehler, sagte Schäuble nach Angaben von Teilnehmerkreisen. Er erinnere sich an die Entscheidung in der Unionsfraktion zugunsten des damaligen CSU-Chefs Franz Josef Strauß im Jahr 1979 und die schweren Wunden, die dies hinterlassen habe. Eine schnelle Einigung der Parteien wäre gut, machte Schäuble demnach zugleich deutlich.

Zuvor hatte sich Merkel nach Angaben aus Teilnehmerkreisen hinter den umstrittenen Vorstoß des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Laschet für einen "Brücken-Lockdown" gegen die dritte Corona-Welle gestellt. Das exponentielle Wachstum der Corona-Infektionen müsse gebrochen werden. Merkel hatte laut Teilnehmerkreisen das Treffen alsbald verlassen.

Quelle: ntv.de, mit dpa

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