Politik

Kein Tagestrip nach Österreich Söder droht Skifahrern mit Quarantäne

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Bis auf Pistenraupen darf in Skigebieten wie hier auf der Zugspitze in Bayern gerade niemand unterwegs sein - die Skilifts stehen vorerst still.

(Foto: dpa)

Um den Skiurlaub in Europa ist ein Streit entbrannt. Während man in Österreich die Schneepisten zumindest in den Ferien erlauben will, hält Bayerns Ministerpräsident Söder am Verbot fest und stellt klar: Wer auch nur für einen Tag für ein Skivergnügen über die Grenze fährt, muss in Quarantäne.

Wintersportler und andere Tagestouristen, die auch nur kurz in ein Risikogebiet im Ausland reisen, sollen in Bayern künftig verpflichtend in Quarantäne müssen. Eine Ausnahmeregelung für Aufenthalte unter 24 Stunden soll nur noch bei Vorliegen triftiger Gründe gelten, insbesondere Arbeit, Schule, Arztbesuche, familiäre Angelegenheiten und Geschäfte des täglichen Bedarfs. Das hat das bayerische Kabinett nach Angaben der Staatskanzlei in München beschlossen. Die Entscheidung ist jedoch auch innerhalb der Landesregierung nicht unumstritten.

"Wer nach Österreich fährt, muss danach zehn Tage in Quarantäne. Das ist das neue Gesetz des Bundes. Das gilt auch für Tagesausflüge", sagte Ministerpräsident Markus Söder und verteidigte die Entscheidung, die Skilifte in Bayern vorerst stillzulegen. Der CSU-Politiker und Bundeskanzlerin Angela Merkel wünschen sich europaweit eine Schließung der Skigebiete mindestens bis zum 10. Januar, um eine Ausbreitung des Coronavirus während der Weihnachtsferien einzudämmen. "Wir werden uns in Europa um eine Abstimmung bemühen, ob wir alle Skigebiete schließen könnten", sagte Merkel.

Während der ursprünglich aus Italien kommende Vorschlag also auch in Deutschland auf Resonanz trifft, wollen sich Österreich und die Schweiz nicht auf ein europaweites Verbot einlassen. Als "übertrieben" hatte Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz Bestrebungen für eine Abstimmung auf internationaler Ebene bezeichnet. Ob die Skipisten für Winterurlauber in den Ferien öffnen, werde man vom Infektionsgeschehen in der Alpenrepublik abhängig machen. Österreichs Finanzminister Gernot Blümel hatte Entschädigungen in Milliardenhöhe von der EU gefordert, falls Skilifte über die Weihnachtsferien stillstehen sollen. Österreich rechne dadurch mit einem Umsatzausfall von 800 Millionen Euro für jede der Ferienwochen.

Auch für die Schweiz ist eine Schließung aktuell kein Thema. "Der Ansatz einer europaweit koordinierten Betriebszeit/Saisoneröffnung der Wintersportdestinationen wurde im Kreise der Alpenländer informell bereits im Spätsommer diskutiert und als ungeeignet nicht weiter verfolgt", teilte Markus Berger, Sprecher von Schweiz Tourismus, mit. In der Schweiz sind deutsche Urlauber immens wichtig für die Skisaison. Deutsche machen knapp zehn Prozent der Winterurlauber in der Schweiz aus - ähnlich ist die Lage in Österreich.

Finanzielle Katastrophe für Skigebiete

Derweil schlägt Frankreich einen Mittelweg ein und will zwar die Wintersportorte offen lassen, aber die Skilifte während der Weihnachtsfeiertage schließen. "Natürlich wird es für jeden möglich sein, in die Ferienorte zu gehen, um die reine Luft unserer schönen Berge, die Geschäfte, die geöffnet sein werden - außer Bars und Restaurants - zu genießen", sagte Premierminister Jean Castex. Es sei aber ganz einfach: "Alle Skilifte und öffentlichen Einrichtungen werden für die Öffentlichkeit geschlossen sein."

Söder zieht mit der Entscheidung nicht nur den Zorn der Skifahrer, sondern auch den von Hotelbetreibern, Gastonomen und Liftbetreibern in den betroffenen Regionen auf sich. Ein Wintersportverbot wäre für die betroffenen Regionen katastrophal und zudem unverständlich, sagte Matthias Stauch, Vorstand des Verbandes Deutscher Seilbahnen. Bewegung an der frischen Luft sei gesund und das Infektionsgeschehen in Ischgl sei nicht vom Skibetrieb ausgegangen.

"Es kommt nicht vom Skisport. Wir wollen bei uns kein Halligalli." Ein Wintersportverbot würde viele Betreiber an ihre Grenzen bringen. "Das ist für unsere Betriebe existenzbedrohend", sagte Stauch. "Wenn uns jetzt zwischen den Weihnachtsfeiertagen und dem 10. Januar das Geschäft wegbricht, ist das katastrophal." Die Liftbetreiber forderten eine einheitliche Regelung. Ihnen bleibt jetzt nur noch, den Dezembertermin von Bund und Ländern abzuwarten, wo sich vielleicht doch noch etwas ändern könnte.

Einen Fürsprecher haben sie in der bayerischen Landesregierung: Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger von den Freien Wählern würde die Skigebiete ebenfalls gerne öffnen. Das Skifahren sei nicht das Problem, betonte der Wirtschaftsminister vor der Kabinettssitzung im BR, vorausgesetzt, man organisiere es richtig, zum Beispiel mit Imbissen im Freien. "Beim Skifahren ist man ja an der frischen Luft. Das ist ja genau das, was wir eigentlich wollen", so Aiwanger.

Bei der anschließenden Pressekonferenz widersprach er zumindest ein bisschen den Äußerungen Söders. Er hoffe auf die Dezember-Sitzung zwischen Bund und Ländern und auf ein Signal, dass "wir Ende Dezember und spätestens im neuen Jahr voll durchstarten können, auch bei der Gastro", so der bayerische Wirtschaftsminister.

Quelle: ntv.de, joh/dpa/AFP

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