Politik

Kanzlerkandidatur der Union Söder stellt Vorrecht des CDU-Chefs infrage

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Auch eine Kandidatur Söders als Bundeskanzler gilt als möglich.

(Foto: imago images/Stefan Zeitz)

Traditionell ist der CDU-Chef der erste Anwärter auf die Kanzlerkandidatur der Union. Die CSU stellt das nun aber für die Bundestagswahl 2021 infrage. Bei der in Präsenz durchgeführten Klausurtagung der Landesgruppe gibt es jedoch Uneinigkeit über mögliche Koalitionspartner.

Führende CSU-Politiker wollen die Auswahl des Unions-Kanzlerkandidaten an dessen Chancen bei der Bundestagswahl im kommenden September knüpfen. CSU-Chef Markus Söder erklärte bei der trotz der gestern verschärften Kontaktbeschränkungen in Präsenz durchgeführten Klausurtagung der CSU-Landesgruppe im Bundestag, man müsse darauf achten, dass "Person, Programm und Herausforderungen der Zeit" synchron sein müssten.

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt betonte, CDU und CSU würden entscheiden, mit wem die Union die größten Chancen habe. "Danach wird sich eine Personalentscheidung richten müssen, ganz unabhängig davon, wer am 16. Januar der neue Vorsitzende der CDU wird", betonte Dobrindt. Söder sagte: "Es gibt jetzt einen Konsens bei allen Beteiligten, es eher spät denn früh zu machen und eher vorher zu schauen, alles zusammenzuführen." Der Parteichef wollte ausdrücklich keine Präferenz für einen der drei Kandidaten für den CDU-Vorsitz abgeben. "Ich kann mit allen drei gut", sagte er zu den Kandidaten Armin Laschet, Friedrich Merz und Norbert Röttgen.

Sind die Grünen eine Option oder nicht?

Die CDU wählt Mitte Januar ihren neuen Vorsitzenden. Traditionell gilt er als erster Anwärter auf den Posten des Kanzlerkandidaten. Allerdings gilt auch CSU-Chef Söder als potenzieller Kanzlerkandidat. Es sei Konsens mit allen CDU-Kandidaten, dass man die Frage der Kanzlerkandidatur erst nach den Landtagswahlen im März kläre, sagte Söder. Dobrindt plädierte dafür, die Frage erst im April zu klären: "Die Zeit nach Ostern ist dafür eine gute Zeit." Man sollte dem "Hang zur Eile" widerstehen und den gemeinsamen Kanzlerkandidaten der Union deutlich später als üblich, aber noch vor der Sommerpause aufstellen.

Differenzen zeigten sich zwischen Söder und Dobrindt bei der Frage möglicher Koalitionspartner. Der Landesgruppenchef sagte, er habe "keine romantischen Gefühle" für die Grünen entwickelt. Diese wollten ein Bündnis ohne die Union und seien der "natürliche Gegner" von CDU und CSU. Söder sagte dagegen, dass ein schwarz-grünes Bündnis für die Bevölkerung "eine Inspiration" sein könne.

Die Entscheidung der CSU, die eigentlich im Kloster Seeon angesetzte Tagung trotz des erst am Vortag von Söder wiederholt betonten Bedeutung der Kontaktvermeidung in Präsenz durchzuführen, stieß auf zahlreiche Kritik. Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Kevin Kühnert etwa twitterte zu einem Foto des Tagungsortes ohne weiteren Kommentar Söders eigene Worte: "Die [...] Kontakte müssen weiter reduziert werden, um Corona zu bremsen."

Quelle: ntv.de, tsi/rts

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