Politik

Mit Zelt und Pistole Spektakuläre Auftritte vor UNO

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Juni 2009 in Rom: Auf dem Gelände der Villa Doria Pamphili wird ein Zelt für die Ankunft des libyschen Staatschefs vorbereitet.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Der libysche Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi oder der Iraner Mahmud Ahmadinedschad sorgen mit ihren Reden immer wieder für Aufsehen. So wurden ihre Ansprachen vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York denn auch mit Spannung erwartet. Für Gaddafi war es zudem der erste Auftritt bei der Generaldebatte, die mehrfach auch zur Bühne für Propagandareden und spektakuläre Aktionen geworden ist.

Gaddafi mit Hotelsuite gestraft

Anlass für Spötteleien ist immer wieder der unbedingte Wunsch Gaddafis, im Beduinenzelt statt in der Hotelsuite zu nächtigen. In New York allerdings findet er wohl keinen geeigneten Campingplatz. Die Kleinstadt Bedford unweit von New York City stoppte den Aufbau des Zeltes, das Gaddafi zur Bewirtung von Gästen am Rand der UN-Generalversammlung in Manhattan nutzen wollte. CNN berichtete,  dass sich der umstrittene Libyer ausgerechnet ein Anwesen des New Yorker Baulöwen Donald Trump für sich und seine Gäste ausgesucht hatte.

Der Anwalt der Stadt, Joel Sachs, führte mehrere Verstöße gegen die Grundstücksnutzung zur Begründung für das Einschreiten der Behörden auf. Die Trump-Organisation sagte dem Sender auf Anfrage, dass das Anwesen in der Tat kurzfristig an Geschäftspartner aus dem Nahen Osten vermietet worden war. "Diese könnten eine Verbindung zu Gaddafi haben oder auch nicht", hieß es von Seiten des Unternehmens.

Ursprünglich wollte der libysche Führer sein Zelt in dem New Yorker Vorort Tenafly (New Jersey) auf dem Anwesen des libyschen UN-Botschafters aufschlagen. Doch die benachbarte jüdische Religionsschule schlug Alarm und veranlasste die Stadtverwaltung einzuschreiten. Danach habe Gaddafi klein beigegeben und ganz gegen seine Gewohnheit beschlossen, in einer Hotelsuite zu ziehen.

Chruschtschow und die Schuhe

Legendär ist die Schuh-Einlage des damaligen Kremlchefs Nikita Chruschtschow. Am 12. Oktober 1960 hatte Chruschtschow verlangt, das Plenum solle über die Unabhängigkeit von Kolonialländern diskutieren. Als daraufhin die Frage nach der Unabhängigkeit der osteuropäischen Völker gestellt wurde, begann Chruschtschow zunächst, lautstark mit der Faust auf sein Pult zu schlagen. Schließlich ließ er seiner Wut freien Lauf und trommelte heftig mit einem Schuh auf die Tischplatte.

Der Präsident der Vollversammlung zerbrach in der stürmischen Sitzung seinen Hammer, als er damit den erbosten Chruschtschow zur Ordnung rufen wollte. Ungeklärt blieb, ob dieser damals einen seiner eigenen Schuhe benutzte, ob er das lederne Corpus Delicti von dem neben ihm sitzenden Außenminister Andrej Gromyko lieh oder gar vorsorglich einen Reserveschuh mitgebracht hatte.

Bush riecht nach Schwefel

Nur drei Jahre ist es her, dass der für seine Attacken gegen die USA bekannte venezolanische Präsident Hugo Chávez den damaligen US- Präsidenten George W. Bush vor der UN-Vollversammlung als "Teufel" beschimpfte. "Gestern war der Teufel hier, genau hier" sagte Chávez am 20. September 2006 und zeigte auf ein Pult, von dem Bush 24 Stunden zuvor seine Rede gehalten hatte. "Und es riecht hier noch immer nach Schwefel", fügte er hinzu und bekreuzigte sich dabei. Die USA seien "die größte Gefahr für unseren Planeten" und bedrohten "das Überleben der Spezies Mensch", ergänzte Chávez in seiner Rede.

Arafat als Freischärler

Mit umgeschnalltem Pistolenhalfter trat einst Jassir Arafat vor die Vollversammlung, um erstmals vor diesem Forum sein politisches Anliegen, die Gründung eines palästinensischen Staates offiziell zu präsentieren. Die Rede des Palästinenserführers am 13. November 1974 war jedoch trotz drohender Untertöne ein wenig konzilianter, als der martialische Auftritt mit Kufija-Kopftuch und Freischärlerjacke zunächst erwarten ließ. Der PLO-Chef bezeichnete sich als einen Mann, der "einen Ölzweig und die Waffe des Freiheitskämpfers" in der Hand halte. Die Vorstellung habe so auf ihn gewirkt, als ob der Gangsterboss Al Capone vor dem Obersten Gericht der USA über Moral und Anstand dozieren würde, urteilte ein israelischer Diplomat damals über den Arafat-Auftritt.

"Schlächter von Kampala" will Israel "auslöschen"

Zu einem der schwärzesten Momente der UN-Vollversammlung wurde der Auftritt des als "Schlächter von Kampala" bekannten Diktators Idi Amin im Jahr darauf. Der damalige Präsident Ugandas forderte am 1. Oktober 1975 in seiner Ansprache nicht nur den Ausschluss Israels aus den Vereinten Nationen, sondern forderte die "Auslöschung" Israels als Staat. Der Despot verlangte die Wiederherstellung der "territorialen Integrität Palästinas".

In der ordensgeschmückten Uniform eines Feldmarschalls sprach Idi Amin, während dessen Gewaltherrschaft von 1971 bis 1979 hunderttausende Menschen ermordet wurden, einige einleitende Worte in seiner Muttersprache. Den Rest der Rede ließ er auf Englisch von seinem UN-Botschafter verlesen. Anschließend richtete Amin, der damalige Präsident der Organisation für Afrikanische Einheit, noch einige Worte an die Delegierten. Viele verabschiedeten den Afrikaner mit tosendem Beifall. Westliche UN-Botschafter reagierten empört.

Quelle: ntv.de, Peer Körner, dpa

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