Politik

Material bei Edathy "im Grenzbereich" Staatsanwalt bestätigt Kinderpornoverdacht

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Jörg Fröhlich rechtfertigt die Aufnahme der Ermittlungen gegen Edathy.

(Foto: dpa)

Neun Bestellungen, 31 Filme und Fotosets von nackten Jungen: Die Staatsanwaltschaft Hannover weiß von Kontakten Edathys zu einem kanadischen Kinderporno-Ring und ermittelt deshalb gegen ihn. Ob sich der Innenpolitiker strafbar gemacht hat, ist noch offen.

In der Affäre um den SPD-Politiker Sebastian Edathy hat die Staatsanwaltschaft Hannover erstmals bestätigt, dass gegen den früheren Bundestagsabgeordneten wegen des Verdachts des Besitzes von Kinderpornografie ermittelt wird. Der Leiter der Staatsanwaltschaft, Jörg Fröhlich, sagte, Edathy habe nach Erkenntnissen seiner Behörde zwischen Oktober 2005 und Juni 2010 neun Mal im Onlineshop eines kanadischen Unternehmens insgesamt 31 Filme und Fotosets von unbekleideten Jungen zwischen neun und 13 bis 14 Jahren bestellt. Dabei habe es sich um Material an der Grenze zur Strafbarkeit gehandelt.

Die ersten sieben Bestellungen seien Edathy per Post geschickt worden, die beiden letzten als Downloads, die über die Server des Bundestages gelaufen seien. Die Zahlungsvorgänge ließen sich Kreditkartenbuchungen Edathys zuordnen, sagte er. Ob es sich um eindeutig kinderpornografisches Material nach der Kategorisierung des Bundeskriminalamts handele, sei schwierig abzuwägen, so Fröhlich.

Seine Behörde habe sich zu der Aufnahme von Ermittlungen entschlossen, weil sie wie zahlreiche andere deutsche Staatsanwaltschaften auch davon ausgehe, dass wer grenzwertiges kinderpornografisches Material bestelle, dabei konspirativ vorgehe und dies bei einer Firma im Ausland tue, auch im Besitz von Material sein dürfte, das in Deutschland strafbar sei.

Fröhlich berichtete auch vom Ergebnis der Durchsuchungen bei Edathy, wenngleich unter dem Vorbehalt, dass die Auswertung noch laufe. So seien zwei Computer sichergestellt worden, auf denen die Ermittler jedoch kein weiteres belastendes Material erwarten. Fröhlich schilderte, dass in den Räumen Hinweise zu finden waren, dass früher weitere Rechner zu finden gewesen wären. Zudem verfolgten die Staatsanwälte "weitere Ermittlungsansätze", über die Fröhlich keine Angaben machen wollte.

Über die Information von Innenminister Hans-Peter Friedrich sagte Fröhlich, seine Behörde sei fassungslos. Dass trotz der überaus großen Zurückhaltung der Staatsanwaltschaft Hannover derart viele Informationen in die Öffentlichkeit gelangt sind, die Ermittlungsakten teilweise sogar vollständig wiedergegeben wurden, erschüttert mich, erschüttert meine Behörde zutiefst." Es werde geprüft, welche strafrechtlichen Konsequenzen denkbar sind.

Quelle: ntv.de, jog/rts/AFP