Politik

Die Perchten wüten in Österreich Strache kann doch noch Wahlen gewinnen

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1998 war Dieter Nuhr noch nicht Greta-geschädigt und Österreich bei der WM. "Ich habe mir Kamerun gegen Österreich angeschaut", frotzelte Nuhr damals. "Auf der einen Seite Exoten, fremde Kultur, wilde Riten, auf der anderen: Kamerun."

Eine besonders merkwürdige Tradition sind die Perchtenläufe. Maskierte Gesellen versetzen das Publikum in Schrecken - und einigen Zuschauern auch mitunter handfeste Hiebe. Alle Jahre wieder brechen Tumulte aus. Ende November wurde in Tirol ein 16-Jähriger ins Krankenhaus geprügelt - alles andere als ein Einzelfall.

Mit dem Blaue-Flecken-Brauchtum beschäftigen wir uns in dieser Ausgabe von "Jetzt ist schon wieder was passiert". Außerdem: Ein Favoritensieg bei der Kür zum "Wort des Jahres".

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Perchten: Maskierte Gestalten, die den Winter austreiben

"Perchtenlauf außer Kontrolle", "Kinder bei Perchtenlauf verletzt" - so dramatisch diese Schlagzeilen klingen: Sie sind normal für diese Jahreszeit. Ab November ziehen in Österreich maskierte Gestalten in Umzügen durch die Städte und Dörfer, mit riesigen Glocken behängt und mit Ruten in der Hand, die wahlweise Perchten oder auch den Krampus darstellen sollen, finstere Gesellen jedenfalls.

Wie so oft, wenn wir von Traditionen sprechen, geht so einiges durcheinander: Ursprünglich begleitete der Krampus - so wie Knecht Ruprecht - als Schreckensgestalt den Nikolaus und bestrafte die unartigen Kinder. Das ist heute noch so, allerdings vermischt sich die Krampus-Tradition mit den Perchten, mit heidnischen Wesen, die in den Raunächten umherzogen, um die Wintergeister zu vertreiben.

Ursprünglich existierten auch gute Perchten, mittlerweile ähneln Perchten und Krampusse eher Horrorgestalten aus Filmen, immer öfter treten sie gemeinsam auf, egal ob Perchten- oder Krampus-Lauf. Was noch Tradition ist, was nur Spektakel und Gaudi, lässt sich schwer entscheiden.

Früher gerieten die Läufe regelmäßig zu Prügelorgien, Frauen galten als Freiwild. Heute herrscht vielerorts sicherheitshalber Alkoholverbot und die meisten der 300 Perchtenvereine achten darauf, dass niemand ernsthaft verletzt wird, auch wenn der Schlag mit der Rute einfach dazugehört - er soll Glück und Reichtum bringen und Fruchtbarkeit für die Frauen.

Trotzdem heizt sich die Stimmung oft genug auf und die Tradition wird zur Sache für die Polizei: In Neumarkt an der Ybbs etwa wurde einer der Krampusse so heftig an den Hörnern gezogen, dass er mit einer Halswirbelverletzung ins Krankenhaus kam. Die Polizei berichtete außerdem von Schlägereien und beschädigten Autos. Unter normalen Umständen ein Fall für Boulevard-Titelseiten, Talkshows und Law-and-Order-Politiker. Nicht aber in der Vorweihnachtszeit in Österreich.

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"Es war a b'soffene G'schicht."
Heinz-Christian Strache über seine Big Night Out in Ibiza

In der FPÖ, die er einst führte, würden die meisten Funktionäre Heinz-Christian Strache am liebsten ausschließen und vergessen. Aber Strache hat seiner Bald-Ex-Partei (der Ausschluss ist nur noch eine Sache von Tagen) seinen Stempel aufgedrückt. Und nicht nur der FPÖ: Auch die österreichische Sprache hat er wesentlich beeinflusst.

Seit 1999 wählt die "Gesellschaft für Österreichisches Deutsch" die Wörter und Sprüche des Jahres und 2019 war das Jahr des "HC": Strache entschied quasi zweieinhalb von fünf Kategorien für sich. Sowohl für das "Unwort des Jahres" ("B'soffene G'schicht") als auch den "Unspruch des Jahres" ("Zack, zack, zack") darf Strache die alleinige Urheberschaft geltend machen; für das "Wort des Jahres" ist er mindestens mitverantwortlich: Ibiza.

Schon wieder eine Wahl unter dem Eindruck von Ibiza also, davon hatte Österreich ja eigentlich mehr als genug in diesem Jahr. Da kommt der "Spruch des Jahres" ganz recht, ein Trostspender von Bundespräsident Alexander Van der Bellen, intoniert mit seinem Märchenonkel-Charme: "Nur Mut und etwas Zuversicht, wir kriegen das schon hin."

* Die fünfte Kategorie soll hier nicht unter den Tisch fallen: Das "Jugendwort des Jahres" lautet "brexiten". Soll wohl so viel heißen wie: Man verabschiedet sich von der Party, geht aber einfach nicht nach Hause. Jede Wette, dass noch kein Mensch unter 30 dieses Wort je benutzt hat.

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++ Alles in trockenen Tüchern bei ÖVP und Grünen, vermeldete das Gratisblatt "Heute" am Dienstag - angeblich steht die Koalition schon nächste Woche. ÖVP und Grüne dementierten eiligst. Also: Abwarten und Glühwein trinken. ++ Olympiasieger in Haft: In Wien wurde der Ex-Judoka Peter Seisenbacher wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Der zweifache Goldmedaillengewinner und spätere Trainer wurde schon 2016 angeklagt, tauchte allerdings unter und wurde im September an der polnisch-ukrainischen Grenze aufgegriffen. ++ Der Verfassungsgerichtshof hat den Antrag von Shisha-Bar-Betreibern auf eine Ausnahme vom Rauchverbot in der Gastronomie abgewiesen. Das bedeutet faktisch das Aus für die gesamte Branche in Österreich - einige Bars klammern sich noch an juristisch wacklige Alternativ-Konstruktionen wie geschlossene "Raucherclubs". ++ Salzburgs Super-Knipser zum BVB? Die "Bild"-Zeitung berichtet über eine 20-Millionen-Euro-Klausel beim Norweger Erling Haaland von Red Bull Salzburg, den Dortmund wohl schon im Winter in die Bundesliga locken will. Die beeindruckende Torquote Haalands bislang: 27 Treffer in 20 Pflichtspielen. ++ E-Scooter not welcome: Österreichs zweitgrößte Stadt Graz hat sich gegen ein kommerzielles Elektro-Roller-Angebot entschieden. Der Grund: Chaos in anderen Städten und Zweifel an der Nachhaltigkeit. ++ Der erste Trailer zu "Keine Zeit zu sterben" enthüllt ein ohnehin schlecht gehütetes Geheimnis: Daniel Craig trifft in seinem persönlichen James-Bond-Finale noch einmal auf Blofeld, gespielt vom Österreicher Christoph Waltz. ++

Noch ohne Trailer, aber sicher auch spannend: Jan Böhmermann will die "Ibiza-Affäre" verfilmen. Mithilfe von, und das ist eine sehr gute Nachricht, David Schalko. Der Österreicher hat zuletzt eine verstörende wie faszinierende Neuinterpretation von "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" vorgelegt. Egal, wie Sie zu Böhmermann stehen - das Ibiza-Projekt liegt also mindestens in zwei guten Händen. Wenn Sie sich selbst überzeugen wollen, hier mein Tipp für ein Wochenende auf der Couch: "Braunschlag", eine Mini-Serie über ein niederösterreichisches Nest an der Grenze zu Tschechien und zum Wahnsinn. Inklusive all der Zutaten, die Österreich zu einem dankenswerten Stoff machen: Katholische Kirche, Klüngel, Keller.

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Servus und Baba, bis nächsten Freitag

Ihr Christian Bartlau

Quelle: ntv.de