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Sexueller Missbrauch von Kindern Fünf Jahre Haft für Ex-Judo-Olympiasieger

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Seisenbacher als georgischer Judo-Nationaltrainer bei der WM 2011.

(Foto: imago sportfotodienst)

Der zweifache österreichische Judo-Olympiasieger und spätere Nationalteamtrainer Georgiens, Peter Seisenbacher, soll in seiner Rolle als Judo-Coach Minderjährige teilweise über Jahre sexuell missbraucht haben. Nun wird er zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Der Richterspruch löst Entsetzen aus.

Der österreichische Judo-Olympiasieger Peter Seisenbacher ist wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger zu einer fünfjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Der 59-Jährige wurde am Wiener Landesgericht in vollem Umfang für schuldig befunden.

Seisenbacher zeigte bei der Urteilsverkündung keine Emotionen. Einige seiner Anhänger aus Judo-Kreisen wirkten entsetzt. Richter Christoph Bauer sagte, die Belastungszeuginnen hätten einen "außerordentlich glaubwürdigen" Eindruck gemacht. "Wir haben nicht den Eindruck gehabt, dass die drei lügen, sich geirrt oder abgesprochen haben", sagte Bauer.

Seisenbacher, der zu Beginn des Verfahrens auf nicht schuldig plädiert hatte, wurde sexueller Missbrauch von drei Minderjährigen während seiner Zeit als Trainer vorgeworfen, zudem Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses. Zwei mittlerweile erwachsene Frauen (eine davon lebt jetzt als Mann, Anm.) sagten aus, als Kinder von Seisenbacher sexuell missbraucht worden zu sein. Eine davon über mehrere Jahre. Das jüngste Opfer war neun Jahre alt. Eine weitere Frau berichtete von einem Missbrauchsversuch. Die genauen Zeiträume der Missbrauchsvergehen sind nicht bekannt, aber der abgewehrte Versuch soll schon 2001 stattgefunden haben. Gegen das Urteil kann von beiden Seiten noch Berufung eingelegt werden.

Seisenbacher tauchte unter

Seisenbacher, der 1984 in Los Angeles und 1988 in Seoul Olympiagold im Mittelgewicht geholt hatte, war am 19. Dezember 2016 dem ersten Verhandlungstermin am Wiener Straflandesgericht unentschuldigt ferngeblieben und anschließend untergetaucht. Zunächst wurde er in der ukrainischen Hauptstadt Kiew festgenommen, später jedoch wieder freigelassen. Erst vor wenigen Wochen wurde er beim Grenzübertritt von der Ukraine nach Polen erneut aufgegriffen.

Im Netz regten sich Proteste, dass die Strafe für ein solch schweres Verbrechen zu gering ausfiel. Nach Österreichischem Gesetz wäre eine Strafe von bis zu zehn Jahren möglich gewesen. Mildernd waren Seisenbachers bisherige Unbescholtenheit, der lange zurückliegende Deliktszeitraum und dass seit rund 15 Jahren keine weiteren strafbaren Handlungen des Judo-Olympiasiegers bekannt geworden sind. Der Verteidiger hatte einen Freispruch verlangt. Erschwerend wertete der Senat demgegenüber das Zusammentreffen mehrerer Verbrechen und Vergehen, dass es mehrere Opfer gegeben hat und den langen Deliktszeitraum.

Quelle: n-tv.de, dbe/dpa