Politik

"Sofort. Nicht irgendwann." Tafel-Chef dringt auf Corona-Soforthilfe

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Anhand der Tafel-Kunden sieht man, wo die Pandemie-Hilfe zu spät kommt, so Tafel-Chef Brühl.

(Foto: imago images/Christian Ditsch)

Die Corona-Krise und die hohe Inflationsrate gefährden in Deutschland gerade arme Menschen. Tafel-Chef Brühl fordert deshalb kurzfristige Soforthilfe-Programme von der Regierung. Seit Pandemie-Beginn besuchen immer mehr Kurzarbeiter die Tafel, während Senioren zu Hause vereinsamen, so Brühl.

Der Dachverband der Tafeln in Deutschland hat die neue Bundesregierung aufgefordert, Corona-Soforthilfen für Menschen mit wenig Geld auf den Weg zu bringen. "Sofort. Nicht irgendwann", sagte Verbandschef Jochen Brühl der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Da reichen keine 20 bis 25 Euro aus, das müssen kurzfristig mindestens 100 Euro im Monat sein", fügte er hinzu.

Arme oder von Armut bedrohte Menschen seien nicht nur wegen der Pandemie finanziell "und oft auch psychisch" am Limit, sagte Brühl. Es komme derzeit verschärfend die Inflation hinzu, die viele Dinge des täglichen Lebens verteuere. "Die Inflation ist für arme Menschen eine echte Bedrohung", sagte der Tafel-Chef.

Die anhaltende Corona-Pandemie mache sich auch bei der Zusammensetzung der Tafel-Kunden bemerkbar. Der Anteil an Kurzarbeitern sei "enorm gestiegen", sagte Brühl. "Wir können sehen, wer in der Pandemie unzureichende oder zu späte Hilfen bekommen hat: Viel mehr Studenten, aber auch Menschen aus der Gastro-Szene oder aus dem Kultursektor kommen nun zu den Tafeln."

"Die vierte Corona-Welle ist auch eine Vereinsamungswelle"

Ältere Menschen blieben den Einrichtungen indes häufiger fern, Mittagstische und Senioren-Cafés müssten aufgrund von Corona ausfallen. Es säßen jetzt viele alte Menschen ohne Lebensmittel und ohne soziale Kontakte allein zu Hause, vermutete Brühl. "Die vierte Corona-Welle ist auch eine Vereinsamungswelle", sagte der Tafel-Chef.

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Auch der Armutsforscher Christoph Butterwegge forderte unlängst in der "Süddeutschen Zeitung", dass die Politik angesichts der hohen Inflation einen Ausgleich schaffen müsse. Die Regelsätze für Hartz IV müssten um eine Inflationskomponente erweitert werden, nötig sei zudem ein Heizkostenzuschuss, sagte er.

Die Erhöhung des Mindestlohnes auf zwölf Euro pro Stunde, den die Ampel-Koalition gerade beschlossen hat, sei ein erster Schritt, dem weitere folgen müssten. "Der Trend, dass sich die Kluft zwischen Arm und Reich immer weiter vertieft, wird durch die Inflation beschleunigt", sagte Butterwegge. Wenn die Geldpolitik es nicht schaffe, diesen Trend durch höhere Zinsen zu stoppen, müsse der Sozialstaat für einen Ausgleich sorgen.

Quelle: ntv.de, mbu/AFP

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