Politik

Corona-Demos nicht nur in Kassel Tausende Europäer protestieren gegen "Tyrannei"

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Auf Abstände und Masken wurde in Rumänien nicht geachtet.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

In Kassel kann die "Querdenken"-Bewegung Zehntausende mobilisieren, aber nicht nur hierzulande wehren sich die Menschen gegen Corona-Maßnahmen: In Kroatien protestieren Tausende gegen die "Tyrannei" der Maskenpflicht und selbst in Schweden lassen sich Anlässe zum Protest finden.

Während in Kassel mit mehr als 20.000 von der Polizei gezählten "Querdenkern" eine der größten Kundgebungen des Jahres stattfindet, wird auch in anderen europäischen Ländern gegen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie protestiert. In Amsterdam zum Beispiel vertrieb die Polizei Teilnehmer einer nicht genehmigten Protestkundgebung mit Wasserwerfern vom zentralen Platz vor dem Reichsmuseum. Wie die niederländische Nachrichtenagentur ANP berichtete, wurden rund 1000 Demonstranten am Rand des historischen Grachtenviertels von Einsatzkräften eingekesselt, viele von ihnen wurden dann mit Bussen zu Gegenden am Stadtrand gebracht. Zuvor seien Schutzmasken an sie verteilt worden. Über Festnahmen gab es zunächst keine Angaben.

In den Niederlanden gab es in den vergangenen Wochen immer wieder Protestaktionen gegen Corona-Maßnahmen, bei denen es teilweise zu gewalttätigen Übergriffen kam. Auch dort ist die Zahl der täglichen Neuinfektionen erneut gestiegen - allein von Freitagmorgen bis Samstagmorgen seien 7668 neue Corona-Fälle registriert worden, teilte die Gesundheitsbehörde mit. Das sei die höchste Zahl an Neuinfektionen innerhalb eines Tages seit Anfang Januar.

Auch in der Schweiz gingen Tausende Menschen gegen die Corona-Einschränkungen der Regierung auf die Straße. Zwischen 3000 und 5000 Demonstranten, die meisten ohne Schutzmasken, beteiligten sich nach Schätzungen von Journalisten vor Ort an der Kundgebung in der Kleinstadt Liestal im Kanton Baselland.

Die Teilnehmer zeigten Schilder mit Aufschriften wie "Impfstoffe töten" oder "Lasst euch von Liebe leiten, nicht von Angst". Zu der Kundgebung aufgerufen hatte das Bündnis "Stiller Protest". Die Schweizer Regierung hatte am Freitag eine für kommende Woche erwartete Lockerung der Corona-Schutzmaßnahmen abgesagt. Gesundheitsminister Alain Berset begründete die Entscheidung mit der Gefahr einer dritten Corona-Welle.

In Großbritannien hatte Premierminister Boris Johnson eine Lockerung der Auflagen in Aussicht gestellt. Die derzeitigen Corona-Maßnahmen in England gelten seit Anfang Januar. Seither hat sich die Lage auch dank der erfolgreichen Impfkampagne deutlich verbessert. Dennoch marschierten Tausende Demonstranten vom Hyde Park durch das Zentrum der britischen Hauptstadt. Nach dem Ende des Protestmarsches kehrten rund 100 Demonstranten in den Hyde Park zurück, lieferten sich Handgemenge mit Polizisten und bewarfen die Beamten mit Flaschen und Dosen. Bis zum Abend wurden nach Polizeiangaben 33 Menschen festgenommen, die meisten wegen Verstößen gegen die Corona-Auflagen.

"Tyrannei" der Masken

Selbst im für seine besonders laxe Corona-Politik bekannten Schweden wurden mehrere Demonstrationen von der Polizei aufgelöst. Sowohl in der Hauptstadt Stockholm als auch in Göteborg und Malmö wurden Proteste gegen die Corona-Maßnahmen von den Beamten gestoppt, weil sie gegen die maximal zulässige Teilnehmerzahl für öffentliche Versammlungen verstoßen haben. Das teilten die Polizeidienststellen der drei größten Städte Schwedens jeweils am Nachmittag mit. In Göteborg waren demnach 50 bis 70 Menschen dabei gewesen, in Malmö etwa 200. In Stockholm sprach die Zeitung "Aftonbladet" von 200 bis 300 Teilnehmern. Bereits vor zwei Wochen hatten etwa 600 Menschen in Stockholm gegen die geltenden Corona-Maßnahmen demonstriert.

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In fünf kroatischen Städten gingen Menschen auf die Straße.

(Foto: picture alliance / PIXSELL)

Schweden ist in der Corona-Krise einen international viel beachteten Sonderweg mit relativ lockeren Beschränkungen des öffentlichen Lebens und Appellen an die Vernunft der Bürger gegangen. Vereinzelte Corona-Maßnahmen gab und gibt es aber auch bei den Schweden, wenn auch nicht so strenge wie in Deutschland oder anderswo. Unter anderem dürfen sich seit Ende November nur noch maximal acht Menschen für öffentliche Zusammenkünfte und Veranstaltungen versammeln. Darüber hinaus hat sich die Regierung mit einem im Januar verabschiedeten Pandemiegesetz die Möglichkeit zu strengeren Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus geschaffen.

In Kroatien protestierten Tausende unter anderem gegen die als "Tyrannei" empfundene Maskenpflicht. In der Hauptstadt Zagreb sowie in Osijek und in den Adria-Städten Split, Dubrovnik, und Sibenik gingen die Menschen auf die Straße und trugen dabei mehrheitlich keinen Mund-Nasen-Schutz.

In Kroatien gilt Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln, Geschäften und Krankenhäusern sowie im Freien überall dort, wo der Mindestabstand von eineinhalb Metern nicht eingehalten werden kann. Die Innengastronomie ist geschlossen, unter freiem Himmel aber erlaubt. Die Inzidenz der Neuansteckungen mit dem Virus Sars-CoV-2 steigt in Kroatien nach einer deutlichen Talfahrt im Januar und Februar seit Kurzem wieder leicht an. Am Samstag lag sie bei 145,1 Ansteckungen pro 100.000 Einwohner binnen 7 Tagen.

Rechtsextreme demonstrieren mit

Auch in Rumäniens Hauptstadt Bukarest sowie fünf weiteren Städten gingen Tausende Menschen ohne Mund-Nasen-Schutz auf die Straße. In Bukarest sowie im siebenbürgischen Cluj (Kolozsvar/Klausenburg) gehörten prominente Mitglieder der neuen extrem rechten Parlamentspartei AUR zu den Teilnehmern der Kundgebungen. Häufig sichtbar waren auch religiöse Symbole. Viele christlich-orthodoxe Gläubige sind mit den Einschränkungen für Gottesdienste unzufrieden.

Demonstriert wurde auch im siebenbürgischen Brasov (Kronstadt), in den Städten Constanta und Galati sowie im westrumänischen Timsoara (Temeswar), das zu den größten Infektionsherden des Landes gehört. Die Polizei kündigte an, mit Bußgeldern gegen jene Demonstranten vorzugehen, die die Maskenpflicht und die Abstandsregeln verletzten.

Quelle: ntv.de, lwe/dpa/AFP

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