Politik

Warten auf Havannas FallUSA verdrängen Firmen aus Kuba, Trump und Co loten Übernahmen aus

19.09.2026, 19:36 Uhr
imageVon Roland Peters, New York
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US-Präsident Donald Trump und sein Außenminister Marco Rubio bei einem Bergbaugipfel im August (Foto: REUTERS)

Wegen der radikalen Blockade Kubas positionieren sich US-Firmen, um verdrängte internationale Unternehmen nach einem Fall des Regimes zu ersetzen. Zugleich hängen Tausende Schiffscontainer voller Hilfsgüter und Waren fest. Die UN warnen eindringlich vor einem "stillen Gaza".

Ginge es nach US-Präsident Donald Trump und Außenminister Marco Rubio, würde die kubanische Regierung aufgeben, abtreten und Havanna künftig nach der Donroe-Doktrin des Weißen Hauses tanzen. Anfang des Jahres behauptete Trump, der karibische Inselstaat vor der Küste Floridas werde bald ruiniert sein. "Es wird einfach zusammenbrechen", zeigte sich der Präsident von seinem Kurs überzeugt. US-Spezialkräfte hatten gerade den Kopf des für Kuba so wichtigen Verbündeten Venezuela, Nicolás Maduro, aus Caracas entführt und ins Gefängnis in Brooklyn geworfen. Washington verhängte eine Ölblockade gegen Havanna, und seitdem zu den seit Jahrzehnten existierenden Sanktionen mehrmals weitere Strafmaßnahmen.

Internationale Unternehmen sind seither aus dem Land gedrängt worden oder haben sich zurückgezogen. Spanische und ein kanadischer Hotelbetreiber gaben mangels Touristen auf, Fluglinien strichen ihre Verbindungen, Rohstoffförderer stellten ihr Geschäft ein. Hinter den Kulissen wird Medienberichten zufolge darum gerungen, welche US-Unternehmen nach einem möglichen Fall der Regierung die Rohstoffe ausbeuten dürfen. Die Ölblockade werde von Firmen im nahen Bundesstaat Florida genutzt, um Geld zu verdienen. Lobbyfirmen versuchten, ihre Kunden für Geschäfte nach dem Fall zu positionieren. Im Zuge der kommunistischen Revolution vor Jahrzehnten enteignete Unternehmen warten darauf, dass über ihre Ansprüche vor US-Gerichten entschieden wird.

Laut UN droht "stilles Gaza"

Am Donnerstag verhängte Rubio weitere Sanktionen gegen Kuba, gegen das Militär sowie staatliche Einrichtungen, die an Nickelproduktion beteiligt sind. Das kanadische Bergunternahmen Sherritt International, einer der wichtigsten Partner Havannas, hatte wegen Sanktionen bereits im Mai seine Nickel- und Kobaltförderung vorerst gestoppt. Solche in Kuba tätigen Unternehmen hatten dem Staat unter anderem Devisen verschafft, mit denen er wiederum nötige Importe bezahlen konnte. "Wir versuchen ihnen beizubringen, dass es keine Auswege gibt", hatte der US-Außenminister im August gesagt.

Die kommunistische Partei aber ist bislang nicht sehr lernwillig und weiterhin an der Macht. Die Bevölkerung versucht in der größten Versorgungskrise seit der Revolution 1959 trotz Treibstoff-, Strom- und Lebensmittelknappheit über die Runden zu kommen. Immer wieder dringen Aufnahmen und Informationen darüber nach außen, wie sich Kubaner mit kreativen Lösungen zu helfen wissen. Sie benutzen E-Rikschas statt hungrige Benzinautos, Solarmodule und Batterien, modifizieren Stromgeneratoren; der "New York Times" zeigte ein Bauer, wie er aus geschreddertem Plastik eigenen Treibstoff für sein Motorrad und eine Kochstelle herstellt. Doch UN-Menschenrechtsexperten warnen, dass Washingtons Maßnahmen der "Bevölkerung bewusst die Mittel zum Überleben entziehen". Im Juli etwa verbot die US-Regierung auch den Handel von Treibstoff aus humanitären Gründen. Es drohe ein "stilles Gaza", warnen die Vereinten Nationen.

Wegen der Sanktionen seien tausende Schiffscontainer mit Lebensmitteln, Arznei und medizinischen Gütern, Solarmodulen und auch humanitären Hilfsmitteln in der Karibik gestrandet, berichtet die "New York Times". Darunter seien Dutzende Container der Vereinten Nationen. Grund sind demnach die Sanktionen gegen Havanna. Unternehmen, die Geschäfte mit kubanischen staatlichen Stellen machen, könnten ihren Zugang zum US-Markt und ihr dortiges Geld verlieren. Die deutsche Hapag-Lloyd sowie die französische CMA CGM stellten im Sommer ihre Lieferungen nach Kuba ein. Über die beiden Reedereien hatte das karibische Land rund die Hälfte aller eingeführten Waren importiert. Während sich internationale Unternehmen aus Kuba zurückziehen, umwerben US-Konzerne das Weiße Haus und Rubios State Department, um bei einem möglichen Fall der Regierung übernehmen zu dürfen.

Trump Organization lotet Geschäfte aus

Das Bergbauunternehmen Sherritt etwa unterschrieb eine unverbindliche Absichtserklärung, seine Beteiligung am Joint Venture Moa Nickel an Gillon Capital zu veräußern. Hinter dem steht Ray Washburne, ein seit Jahrzehnten bei den Republikanern aktiver Financier, der Teil von Trumps präsidentiellem Übergangsteam 2016-17 war und zuletzt die republikanische Midterm Convention in Dallas mitfinanzierte. Um die Kontrolle der Rohstoffreserven ringt er mit dem texanischen Öltycoon Albert Huddleston. Ähnlich sieht es mit einer Kupfer- und Goldmine des australischen Unternehmens Antilles Gold Ltd aus, schreibt "The Guardian". Der New Yorker Investitionsfonds "Global Emerging Markets" verhandle mit dem Segen des Weißen Hauses über eine Übernahme der Geschäfte in Kuba.

"Hätte ich während der Biden-Regierung das getan, was Trumps Freunde jetzt getan haben, wäre ich in den Knast gekommen", wird eine Person mit jahrzehntelanger Erfahrung in der Kuba-Politik zitiert. Laut "The Guardian" sind in den vergangenen Monaten auch "mehrere Führungskräfte" der Trump Organization "unter der Schirmherrschaft" einer New Yorker Investitionsfirma nach Kuba gereist, um mögliche Geschäfte im Hotelbereich auszuloten. Von den sechs auf der Website aufgelisteten Beiräten der genannten Dominari Holdings befinden sich vier Namen aus Trumps Unternehmen "Trump Organization": Trumps Söhne Eric und Donald junior sowie Lawrence Glick und Ron Lieberman.

Mark Entwistle, Kanadas Botschafter in Kuba in den 1990er Jahren, als sich Sherritt auf der Insel etablierte, sagte dem "Wall Street Journal", das Unternehmen habe weit mehr getan, als nur eine Mine zu betreiben: "Es hat praktisch eine ganze Reihe kubanischer Führungskräfte darin geschult, wie moderne Unternehmen funktionieren", so Entwistle. Damit habe Sherrit dazu beigetragen, "eine noch im Entstehen begriffene Unternehmerklasse zu schaffen, die zu jener Zeit in Kuba sehr, sehr revolutionär war." Offenbar zu revolutionär für Washington.

Quelle: ntv.de

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