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"Haben ein tolles Verhältnis" Trump begrüßt Merkel mit Küsschen

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(Foto: REUTERS)

Bei einem Treffen mit Macron am Dienstag soll Trump deutlich gemacht haben, dass er sich nicht gerade auf Merkel freut. Davon ist bislang nichts zu spüren. Sein Verhältnis zur Kanzlerin sei "great" sagt der US-Präsident im Oval Office.

Zumindest der Auftakt ist gelungen: US-Präsident Donald Trump hat Bundeskanzlerin mit freundlichen Worten im Weißen Haus empfangen. "Wir haben ein wirklich tolles Verhältnis", sagte er im Oval Office vor dem Vier-Augen-Gespräch der beiden. Das sei auch immer so gewesen, nur hätten manche Leute das nicht verstanden, fügte er hinzu.

Trump hatte Merkel vor dem Weißen Haus so begrüßt, wie er es schon mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron gemacht hatte - Küsschen links, Küsschen rechts. Als die Fotografen im Oval Office ihre Bilder machten, sagte er zu ihr: "They like you." Merkel verstand ihn zunächst nicht, er musste den Satz wiederholen. Ihre Antwort: "And you." Anders als bei Merkels erstem Besuch klappte es dieses Mal auch mit dem Händeschütteln.

Trump bezeichnete Merkel als "sehr außergewöhnliche Frau", es sei eine "Ehre", sie begrüßen zu dürfen. Er gratulierte ihr noch einmal zur Wiederwahl als Bundeskanzlerin. Merkel entgegnete, die Regierungsbildung habe etwas gedauert, aber es sei ihr wichtig gewesen, als ersten Besuch außerhalb Europas nach Washington zu kommen "und unsere Zusammenarbeit zu vertiefen".

Auch wenn Trump seine Beziehung zu Merkel "great" nannte: Das Verhältnis der beiden ist angespannt. Die "Washington Post" schrieb am Donnerstag, Trump habe bei einem Treffen mit Macron am Dienstag deutlich gemacht, dass er sich nicht auf den Besuch aus Deutschland freut. Die Zeitung beschrieb das Verhältnis als "eisig". Dagegen hatte Trump auf Twitter seine Vorfreude bekundet: "Freue mich darauf, Kanzlerin Angela Merkel heute zu treffen", schrieb er. "So viel zu besprechen, so wenig Zeit! Es wird gut für unsere beiden großartigen Länder sein!"

"Emmanuel war gerade hier"

Unabhängig von der Frage, wie gut oder schlecht das persönliche Verhältnis der beiden ist, gibt es tatsächlich viel zu besprechen. Zwischen Deutschland beziehungsweise Europa und den USA gibt es zahlreiche Probleme. Im Mittelpunkt der Gespräche dürften der drohende Handelskrieg mit der Europäischen Union stehen. Außerdem wird es um das Atomabkommen mit dem Iran gehen, das Trump am liebsten aufkündigen würde. Auf die Frage eines Journalisten, ob er heute eine Einigung zum Iran erwarte, machte Trump deutlich, dass er nicht davon ausgeht. "Ich weiß, wir werden eine gute Diskussion über den Iran haben", sagte er, "wie mit Emmanuel, der gerade hier war."

Bei beiden Themen drängt die Zeit: US-Sonderregeln für die Europäische Union bei Strafzöllen auf Aluminium und Stahl laufen Ende April aus, bis zum 12. Mai muss Trump entscheiden, ob die USA wieder Sanktionen gegen den Iran verhängen. Faktisch wäre dies der Ausstieg aus dem Iran-Abkommen. Wie bereits Macron will Merkel versuchen, Trump davon abzuhalten. Illusionen, dass ihr das gelingt, macht sie sich aber nicht.

Weitere Themen dürften der Krieg in Syrien sein sowie die jüngsten amerikanischen Sanktionen gegen Russland, die von der Bundesregierung kritisch gesehen werden, weil sie indirekt die deutsche Wirtschaft treffen. Umgekehrt hat Trump die Ostsee-Pipeline North Stream 2 scharf kritisiert. Merkel will Trump erklären, dass Deutschland keineswegs 60 Prozent seines Gases aus Russland bezieht, sondern lediglich 37 Prozent. Da der deutsche Verbrauch steige, mache Deutschland sich mit der Pipeline auch nicht stärker von Russland abhängig.

Insgesamt bleibt Merkel nur für zweieinhalb Stunden im Weißen Haus. Nach ihrem Gespräch gibt es ein Arbeitsessen, an dem auch Mitarbeiter der beiden teilnehmen. Zum Abschluss findet eine Pressekonferenz statt. Die Kanzlerin war zuletzt im März vergangenen Jahres im Weißen Haus zu Gast. Damals gab es diverse Peinlichkeiten, aber weniger Konfliktpunkte.

Quelle: n-tv.de, hvo/dpa

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