"Kleines Problem" am FlugzeugTrump mit stundenlanger Verspätung auf dem Weg nach Davos

Am Nachmittag will Donald Trump beim Weltwirtschaftsforum in Davos sprechen. Der US-Präsident wird aber womöglich zu spät eintreffen. Die Air Force One muss ihren Flug in die Schweiz abbrechen und die US-Delegation in eine andere Maschine umsteigen.
US-Präsident Donald Trump ist auf seiner Reise zum Weltwirtschaftsforum in Davos von technischen Problemen ausgebremst worden. Nachdem seine Präsidentenmaschine Air Force One wegen eines technischen Problems umkehren musste, startete er gegen 6 Uhr MEZ mit einem neuen Flugzeug in Richtung Schweiz.
Die US-Präsidentenmaschine war nach Angaben des Weißen Hauses zum Luftwaffenstützpunkt Joint Base Andrews zurückgekehrt, nachdem ein "kleines elektrisches Problem" festgestellt worden war. Trump und seine Delegation stiegen dort von der Regierungs-Boeing-747 in ein anderes Regierungsflugzeug - eine kleinere Boeing 757 - um. "Ich denke, Präsident Trump wird sich um etwa drei Stunden verspäten", sagte Bessent in Davos. Er habe den aktualisierten Zeitplan aber noch nicht gesehen.
Die ungeplante Unterbrechung der Reise wurde rund eine Stunde nach dem Start der Präsidentenmaschine bekannt. Die beiden derzeitigen Maschinen der legendären "Air Force One"-Flotte sind in die Jahre gekommen. Sie wurden in den 1990er Jahren unter Präsident George H.W. Bush in Dienst gestellt.
Trumps Rede in der Schweiz dürfte sich durch die Flugverspätung verzögern. Der ursprüngliche Plan sah vor, dass er in Davos um 14.30 Uhr eine Rede hält. Ein neuer Zeitpunkt wurde noch nicht mitgeteilt.
Der Auftritt des US-Präsidenten wird angesichts seiner Drohungen mit einer Annexion Grönlands, Zöllen gegen Verbündete und Plänen für einen umstrittenen "Friedensrat" im Nachgang des Gaza-Kriegs große Aufmerksamkeit erfahren. Trump reist mit der größten US-Delegation an, die das alljährliche Treffen der Topmanager und Spitzenpolitiker in den Schweizer Bergen je gesehen hat. Als Zentrale für ihren riesigen Tross haben die Amerikaner eine Kirche auserkoren.
Das ist von Trumps Davos-Besuch zu erwarten
Der US-Präsident dürfte den Druck auf die Europäer weiter erhöhen, mit dem Ziel, Grönland den USA einzuverleiben. Es seien viele Treffen zur Zukunft der zu Dänemark gehörenden Insel geplant, kündigte Trump wenige Stunden vor seiner Abreise in Washington an, ohne dabei ins Detail zu gehen. "Ich denke, die Dinge werden ziemlich gut laufen." Er gab sich auch zuversichtlich, dass eine Einigung mit Nato-Partnern möglich sei. Er denke, man werde eine Lösung finden, mit der die Nato und die USA "sehr glücklich" sein werden.
Gleichzeitig bekräftigte Trump seine bereits mehrfach vorgebrachte Darstellung, dass die USA aus Sicherheitsgründen auf Grönland angewiesen seien. Auf die Frage, wie weit er gehen würde, um die weltgrößte Insel in den Besitz der USA zu bringen, antwortete der US-Präsident vor seiner Abreise: "Das werden Sie sehen."
Die Positionierung des mit Abstand wichtigsten Nato-Staats zu Grönland schürt Zweifel an der Zukunftsfähigkeit des Bündnisses unter Trump. Schließlich attackiert hier ein Nato-Partner öffentlich den anderen und untergräbt dessen territoriale Souveränität. Damit stellt sich auch die Frage, wie es um die Beistandspflicht und andere Bündniszusagen steht, die die Nato zur mächtigsten Militärallianz der Welt gemacht haben. Sollte der Konflikt um Grönland eskalieren, stünde all das auf dem Spiel.
Dennoch dürfte Trump auch in Davos behaupten, dass er es gewesen sei, der das Nato-Bündnis gestärkt habe: Indem er den Verbündeten der USA die Daumenschrauben angelegt und sie zu höheren Verteidigungsausgaben gezwungen habe. Bislang stand Trump zwar grundsätzlich zur Nato. Allerdings nutzt er ihre Abhängigkeit von den USA für seine Zwecke - und macht unverhohlen klar, dass Loyalität gegenüber Bündnispartnern für ihn keine Selbstverständlichkeit ist: "Wenn die Nato uns nicht hat, ist die Nato nicht sehr stark."
Trumps "Friedensrat" könnte für Streit sorgen
Ebenso wird Trumps vielbeschworenes Projekt eines "Friedensrats", zu dem er nach Angaben des Weißen Hauses für diesen Donnerstag eine Ankündigung plant, in Davos für Zündstoff sorgen. Ursprünglich war der Rat von den USA - zumindest offiziell - auf die Umsetzung des Gaza-Friedensplans zugeschnitten und sollte die Nachkriegs-Ordnung in dem weitgehend zerstörten Küstengebiet am Mittelmeer überwachen. Doch längst ist die Rede davon, dass sich das komplett auf Trump zugeschnittene Gremium noch vieler anderer Konflikte annehmen und Ordnung im Sinne des US-Präsidenten schaffen könnte.
Dutzende Länder haben Einladungen zum Eintritt in diesen "Friedensrat" bekommen, doch wer von ihnen wirklich mitmachen wird, ist nicht nur im Falle Deutschlands fraglich. Kritiker befürchten, dass eine Konkurrenz zu den Strukturen der Vereinten Nationen entstehen könnte.
Die Präsidentin der UN-Vollversammlung, Annalena Baerbock, hält eine neue Organisation zur Sicherung des Friedens auf der Welt für unnötig. Es gebe ja bereits "eine internationale Organisation, deren zentrale Aufgabe und Ziel es ist, den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren", sagte die frühere deutsche Außenministerin am Rande des Weltwirtschaftsforums. "Das sind die Vereinten Nationen, in denen aus sehr, sehr gutem Grund alle Staaten der Welt unabhängig von ihrer Größe, ihrer wirtschaftlichen oder militärischen Stärke einen Sitz und eine Stimme haben."
Trump wiederum kritisiert die Vereinten Nationen seit langem dafür, ihre Möglichkeiten nicht auszuschöpfen, ineffektiv zu sein und den Interessen der USA zuwiderzuhandeln. Die UN seien "nicht sehr hilfreich" gewesen, sagte der Republikaner vor seiner Abreise nach Davos. Er sei aber überzeugt, dass sie weiterhin existieren sollten, weil sie ein "großartiges Potenzial" hätten, antwortete er auf die Frage, ob er mit seinem "Friedensrat" die UN ersetzen wolle. Trumps Fazit: "Ich bin ein großer Fan des Potenzials der UN, aber sie haben ihr Potenzial nie ausgeschöpft."