Politik

Besuch bei Neonazi-Opfern Türkischer Minister verspricht Hilfe

Bisher hat sich die Türkei nicht sehr für die Angehörigen der Neonazi-Mordopfer interessiert. Doch nun kommt der türkische Außenminister zu den Hinterbliebenen persönlich und bezeichnet die Toten als "Gefallene", an deren Seite die Türkische Republik stehe.

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Minister Davutoglu (r.) in Hamburg.

(Foto: dpa)

Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu hat den Familien der in Deutschland Unterstützung zugesagt. "Der schwere Verlust dieser Familien kann mit nichts wiedergutgemacht werden", sagte Davutoglu in Hamburg nach einem Treffen mit Angehörigen des Gemüsehändlers Süleyman Tasköprü, der 2001 mutmaßlich von der Zwickauer Terrorzelle ermordet worden war. Bei einem Treffen mit Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) betonte er, die Attentate seien nicht nur Mordanschläge, sondern auch Anschläge auf die Werte Deutschlands gewesen.

Davutoglu bezeichnete die Opfer als Gefallene: "Denn sie wurden aufgrund ihrer Identität umgebracht, weil sie Muslime, weil sie Türken waren." Er glaube fest an die deutsche Justiz, dass sie die Morde mit aller Objektivität aufkläre und die Täter zur Verantwortung ziehe. "Wir werden das aus nächster Nähe mitverfolgen, denn die Morde haben eine politische Dimension angenommen - rassistischer Terror", sagte Davutoglu. Er sei dankbar, dass Bundespräsident Christian Wulff und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) die Taten verurteilt hätten. Er hoffe nun, dass Deutschland stärker gegen Fremdenfeindlichkeit vorgehe.

Türkische Republik steht zur Seite

Davutoglu sprach unter anderem mit der Ehefrau und dem Vater Tasköprüs. "Die Türkische Republik wird den Familien mit allen möglichen Mitteln zur Seite stehen", versprach der Minister. Im Anschluss besuchte er die DITIB-Türkisch Islamischen Gemeinde in Hamburg-Hamm. Dort traf er auch Angehörige der Opfer des Brandanschlags von Mölln und die Ehefrau des 1986 in Hamburg ermordeten Ramazan Avci.

Hamburgs Bürgermeister Scholz sicherte seine Unterstützung zu. Die Täter müssten zur Rechenschaft gezogen und die Netzwerke aufgeklärt werden - "und das alles mit größter Sorgfalt und Härte", sagte er am Flughafen. Am Abend reiste der türkische Außenminister nach Hessen weiter. Weitere Stationen seines viertägigen Deutschlandbesuchs sind laut türkischem Außenministerium unter anderem Wiesbaden, München, Berlin, Köln, Düsseldorf und Bonn. Der Minister will auch an der Afghanistan-Konferenz auf dem Petersberg bei Bonn teilnehmen.

Quelle: ntv.de, dpa