Wegen gekürzter GelderUN muss Hilfe für Westjordanland halbieren

Der Bedarf nach Lebensmitteln hat sich im Westjordanland wegen der israelischen Siedlungspolitik verdoppelt, doch die UN muss die Zahl der Hilfsempfänger drastisch verringern. Das Welternährungsprogramm warnt vor zunehmender Ernährungsunsicherheit.
Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) muss eigenen Angaben zufolge wegen gekürzter Finanzmittel die Zahl der Hilfsempfänger im Westjordanland um die Hälfte reduzieren. Von diesem Monat an würden in dem von Israel besetzten Palästinensergebiet anstelle 400.000 Menschen nur noch 200.000 Menschen unterstützt werden, teilte das WFP mit und warnte vor ernsten Konsequenzen. Die Organisation unterstützt Bedürftige im Westjordanland mit Finanz- und Lebensmittelhilfen.
Die Kürzungen kämen zu einer Zeit, "in der der Bedarf nach Lebensmitteln mehr als doppelt so hoch ist wie noch vor zwei Jahren", sagte der WFP-Vertreter für die Palästinensergebiete, Shaun Hughes, vor Journalisten in Genf. WFP-Schätzungen zufolge sind 900.000 Menschen im Westjordanland von Ernährungsunsicherheit betroffen.
Laut Hughes war Ernährungsunsicherheit in der Vergangenheit kein wesentliches Problem im Westjordanland. Der Beginn des Gaza-Krieges im Jahr 2023, die "zunehmende Gewalt durch Siedler, langanhaltende und eskalierende israelische Militäreinsätze, strenge Bewegungsbeschränkungen, Abrisse und verbreitete Vertreibungen" hätten jedoch die Lebensgrundlage der Palästinenser untergraben und zu einer zunehmenden Ernährungsunsicherheit beigetragen, sagte er.
Israelische Siedlungen völkerrechtlich illegal
Laut jüngsten Erhebungen des WFP mussten 76 Prozent der Haushalte im Westjordanland bedeutende Einkommensverluste hinnehmen, was dazu führte, dass viele Familien Vermögenswerte verkaufen und bei der Anzahl und Qualität ihrer Mahlzeiten Abstriche machen mussten.
Der Untersuchung zufolge kann sich ein Drittel der Familien wegen der schnell sinkenden Einkommen keine vollwertige Ernährung leisten, besonders betroffen sind demnach Menschen in ländlichen Regionen und im südlichen Westjordanland. "Familien, denen es früher gut ging und die mit ihrem Land ihren Lebensunterhalt verdienten, können sich heute nicht mehr genug zu essen leisten", sagte Hughes.
Israel hält das Westjordanland seit dem Ende des Sechstagekriegs im Jahr 1967 besetzt. Dort leben etwa drei Millionen Palästinenser und mehr als 500.000 israelische Siedler. Die Siedlungen sind nach dem Völkerrecht illegal.