US-Wahl

Die Leiden des Saemus Romney Hund wird Wahlkampfthema

Ein solcher Irish Setter erleichterte sich einst aus Angst auf Romneys Auto.

Ein solcher Irish Setter erleichterte sich einst aus Angst auf Romneys Auto.

Erst wurde Romney für seine politische Wankelmütigkeit kritisiert, dann wurde er als "Job-Killer" bezeichnet. Jetzt sind sie bei seinem Hund angekommen. Der musste einst einen Familienausflug auf dem Autodach antreten - und hatte sichtlich keinen Spaß daran. Tierschützer gehen nun auf die Barrikaden, Gingrich höhnt und im Netz organisiert sich der Widerstand.

Hätte er den großen Irish Setter Saemus mal lieber ins Auto gelassen, Mitt Romney wäre einiges erspart geblieben. Stattdessen muss er sich jetzt als Hundefeind beschimpfen lassen - und seine Konkurrenten haben einen weiteren Romney-Makel, den sie genüsslich ausschlachten können.

Die Geschichte, zuerst 2007 vom "Boston Globe" berichtet, ereignete sich 1983. Die Familie Romney unternahm einen Familienausflug von Boston ins kanadische Ontario. Für Hund Saemus war nur noch in einer speziellen Transportbox auf dem Auto Platz.

Saemus' verzweifeltes S.O.S.

T-Shirts mit solchen Motiven sollen Saemus' Reise in Erinnerung halten.

T-Shirts mit solchen Motiven sollen Saemus' Reise in Erinnerung halten.

(Foto: dogsagainstromney.com)

Die Reise dauerte dann 12 Stunden, und wirklich gefallen hat Saemus der Road Trip auf dem Dach offenbar nicht. "Papi, eklig", schrie Romneys ältester Sohn Taggart plötzlich. Über die Rückscheibe lief ein dünnflüssiges, braunes Rinnsal - die Botschaft von Saemus, dass es er gar nicht glücklich war über seine Unterbringung.

Schon an diesem Punkt der Geschichte sehen Tierfreunde den Tatbestand der Quälerei erfüllt - doch es wurde noch schlimmer. Vater Romney hielt an einer Tankstelle, lieh sich einen Wasserschlauch und wusch Hund und Auto sauber. Danach ging die Reise weiter: Für die menschlichen Romneys unter dem Autodach, für den tierischen Romney darauf.

"Es war eine kleine Vorausschau auf eine Fähigkeit, für die Romney später im Geschäftsleben berühmt werden sollte", schrieb der "Boston Globe" 2007. "Emotionsloses Krisenmanagement."

PETA: Romneys "brutale Ferien"

Romney, der damals seinen ersten Versuch unternahm, für die Republikaner ins Weiße Haus einzuziehen, wurde umgehend scharf kritisiert. Die Tierschutzorganisation PETA schrieb über Romneys "brutale Ferien", sie seien ein Ausdruck für dessen "Unfähigkeit, Mitgefühl zu zeigen". Romney antwortete damals schnippisch: PETA sei nie mit ihm warm geworden, und nun hätten sie etwas dagegen, "dass mein Hund frische Luft mag".

Wäre Romney 2012 nicht erneut Kandidat für das Präsidentenamt, die Geschichte wäre wohl inzwischen vergessen. Zumal "Globe"-Reporter Neil Swidey ohnehin nicht mehr über die Sache schreiben wollte. "Ich hatte Angst, dass das irgendwann Teil meines eigenen Nachrufes wird," zitiert ihn Medienblogger Jim Romenesko.

Kampagne der "Hunde gegen Romney"

Doch Fehlanzeige! Wie ein Bumerang kommt die Story von Saemus' Reise nun zurück. "Crate Gate" (Käfig-Gate, nach dem Watergate-Skandal) lautet der Kampfschrei der Romney-Gegner. Ihren Widerstand organisieren sie auf Internetseiten wie "Dogs against Romney" - inklusive Online-Shop. Wer auf YouTube nach den Begriffen "Mitt Romney dog" sucht, erhält unzählige Treffer, von sentimentalen Anklagevideos bis zum Hitler-Mashup.

Selbst der konservative Nachrichtensender Fox News ging mit Romney hart ins Gericht. "Ich würde meinen Hund genausowenig im Käfig aufs Dach binden wie eines meiner Kinder", griff Fox-Journalist Chris Wallace Romney in einem Interview an. "Was haben Sie sich dabei gedacht?" Und Romney reagierte sichtlich verunsichert. "Wir hatten fünf Kinder im Auto", sagte er, "es hat ihm im Käfig vermutlich eh besser gefallen."

Romney bekommt die Santorum-Behandlung

Von den republikanischen Kandidaten reagierte Newt Gingrich am schnellsten. Er unterhält inzwischen eine eigene Internetseite, in dem er seine Zuneigung zu Tieren aller Art unter Beweis stellt. Saemus landete sogar in einem seiner aktuellen Werbespots gegen Romney. Der Titel: "Für die Hunde".

Noch hat "Crate Gate" keine größeren Auswirkungen auf Romneys Umfragewerte, in South Carolina liegt er weiter vorn. Doch die Online-Community hat sich schon etwas einfallen lassen, damit Seamus nicht erneut in Vergessenheit gerät. Wie schon bei seinem Parteikollegen Rick Santorum soll Romneys Name eine zweite Bedeutung bekommen.

"(rom-ney) v. 1. sich vor Angst in die Hosen machen."

Quelle: ntv.de